Alpine Lebensretter und doch vom Eis Erschlagene
May 27 in Slovenia ⋅ ⛅ 25 °C
Heute begaben wir uns auf den Weg zum Berg Gorenji Prehodi, da wir am Vortag einen Track hier entdeckt haben.
Der Weg dorthin lief wieder über Osmand und wir würden mal wieder nicht enttäuscht. Wir sind durchs Auenland auf einspurigen Achterbahn Straßen gefahren, über kleine steile Wanderwege und Schotterstraßen von dem eine in einem privaten Hof endete. Vor uns stand ein deutscher Schäferhund welcher sofort anschlug, uns anbellte und langsam auf uns zu kam. Kurz bevor er da war, ging aber seine Rute hoch und er schnüffelte freundlich an meiner Hand. Also er jedoch seine Nase in Richtung meiner Boots reckte, schrock er zurück und nahm reiß aus. Ich kann's ihm nicht verdenken. Sein Frauchen kam kurz darauf auf uns zu und verhielt sich ähnlich wie ihr Wachposten, nur ohne das schnüffeln zum Glück. Sie war sehr freundlich und, trotz großer Sprachbarriere, hilfsbereit, sagte uns wo wir am besten entlang fahren sollen, wünschte uns eine schöne, sichere Weiterfahrt und verabschiedete uns.
Wir führen also weiter durch Wälder und Wiesenwege durch die schon lang niemand mehr gefahren zu sein scheint. Einzig ein vom Bären und Hirten verfolgter, stark verletzter, rumfluchender Sebastian war hier in der Einöde zu hören.
An der Soca angekommen ist erst mal Schluss mit Dreck. Viel zu touristisch erschlossen und bebaut. Sehr schön natürlich, aber nicht das was wir suchten. Auch unsere, wirklich erlaubten, Überfahrt einer Hängebrücke endete in Kopfschüttelnden und schimpfenden Radfahrern. Das es nicht verboten ist, sieht man an dem 1,5t Max Schild vor der Brücke, den fehlenden Verbotsschildern und dem nett grüßendem Arbeiter des Campingplatzes nebenan.
Wir beschlossen nicht noch mehr Hass auf uns zu ziehen und erstmal per Straße zum Mittagessen zu fahren.
Nach der Stärkung ging's los. Sowohl unsere Weiterfahrt, als auch das Gegrummel aus der dunkel verhangenen Wolkendecke. Nachdem wir ja Verantwortungsbewusste Motorradfahrer sind, wissen wir, dass man bei so einem Wetter auf jeden Fall in die Berge fahren muss um sicher zu gehen, dass das es auch wirklich von oben kommt.
Also auf in den Einstieg. Kurz vor einer Abzweigung nochmal kurz innehalten und reflektieren. Losfahren.
Hinweis 1:
Wir machten aus, dass wir erstmal nur so weit fahren wie der Teer reicht. Nach der ersten Kurve Schotter.
Hinweis 2:
Uns kamen lauter Autos, darunter Defender, den Berg runter entgegen.
Hinweis 3:
Erstes Schild: Passstraße eigentlich erst ab 1.6. geöffnet
Hinweis 4:
Zweites Schild: Komplett gesperrt
Hinweis 5:
Uns kamen am zweiten Schild zwei junge, sich komplett am Ende befindliche Teenager entgegen und meinten ab hier wirds richtig hart und sie sind schon seit 6 Stunden unterwegs. Es sind laut ihrer Aussage auch Ranger unterwegs.
Hinweis 6:
Wir beschließen ein paar Meter rein zu fahren und mal schauen wie's wird.
Die Erkenntnis:
Nachdem Sebastian ungefähr 5 Meter weit gefahren ist und sein Hinterrad im Geröll bis zur Achse eingebuddelt hat, alles mit Donner und grellen Wetterleuchten aus pechschwarzen Wolken im Hintergrund, haben wir es endlich verstanden.
Danke für deine Geduld Thor!
Auf dem Weg zurück haben wir die beiden Jungs wieder getroffen. Sie baten uns sie ein Stück mit runter zu nehmen und erzählten uns, dass sie weder Wasser noch Essen dabei haben und ihr Handy Akku auch schon länger leer ist. Die armen Eltern. Wir fahren sie ohne Ausrüstung oder vorhandenen Fußrasten bis zum Teeranfang und wünschten ihnen viel Spaß beim zusammengeschissen werden.
Anschließend fuhren wir zu einem nahegelegenem Wasserfall um dort baden zu gehen und uns abzukühlen.
Siebter und letzter Hinweis:
Baden verboten.
So saßen wir jetzt da. Wasser fast leer, die Hosen zu geschwitzt bis oben hin und keine Abkühlung in Sicht. Meh.
Dachten wir...
Es begann wieder zu donnern und wir liefen in schwüler Hitze und in Plastiksäcken eingepackt den Berg hoch zurück zu den Motorrädern. Direkt nach dem aufsatteln entlud Thor seinen ganzen Zorn über uns. Es blies, es blitzte und es Hagelte. Innerhalb von Sekunden ist alles Nass. Aus Dirty Seb wurde Soaking Wet Seb da er zwar seine Regenjacke, aber natürlich nicht seine Regenhose anzog. Zu allem Überfluss standen vor uns mehreren quer auf der Straße, wild hin und her fahrenden Autos. Wenden in 8.000 Zügen. Unter Eisbeschuss sahen wir, dass ein vom Wind frisch gefällter Baum lag.
Da müssen wir drunter durch.
Sebastian fällt dazu tatsächlich nur folgender Satz ein: "Da muss aber der kleine Ast da vorher weg"
Gesagt getan laufe ich zum Baum und biege den Ast weg.... Er fuhr auf den Baum zu und passte wegen der Spiegel nicht drunter durch. Also hob ich den Baum an und zu unser beider Verblüffen so hoch, dass er einfach durch fahren konnte. Meine Maschine ging ohne Probleme durch, jedoch hab ich einen ordentlichen Schlag auf den Hinterkopf bekommen, weil ich halt einfach viel zu groß bin.
Und das alles während um uns rum und auf uns drauf 2 cm große Hagelkörner und Unmengen an Wasser auf die Welt fielen und uns aus einem Jeep, der aus unerklärlichen Gründen quer auf der Straße stand, gemütlich dabei zu sahen. Diese Szene muss sehr interessant gewesen sein aus derer trockenen, warmen und schmerzfreien Sicht.
Dann traten wir den Heimweg an.
Wir fuhren noch einmal in den Hagel hinein, tranken dann einen Kaffee und tingelten anschließend dem Unwetter hinterher bis nach Hause.
Beim Abendessen lachten wir beim Revue passieren lassen Tränen.
Was für ein Abenteuer!
P. S.: Anmerkung von Sebastian:
"Und wir sind eine DOWNhillstrecke HOCH gefahren"Read more



























Sylvia KiesewetterHeiligs Blechle! 😳 Aber cool, gell?
Sylvia Kiesewetter
Kannst du nicht das Bild gerade richten?
Sylvia Kiesewetter
Schöööön!😍