• Salz und Wasser

    October 7, 2023 in Israel ⋅ ⛅ 26 °C

    Nun doch der letzte Tag. Zwei Biegungen hinter dem Grün unter mannigfaltigen Bäumen liegenden Ölberg beginnt die Wüste und die Straße senkt sich und senkt sich. Während die Hügel jedes Grün verlieren, wird die Straße leerer und leerer. Besetztes Land. Der Nullpunkt des Meeresspiegels wird passiert und die Straße senkt sich weiter. Als zur linken Jericho in staubiger Hitze erscheint, ist die Ebene erreicht. Totes Meer. Gefühl von Nichts, Gefühl von kein Leben. Später krabbelt eine Maus aus den Steinen hervor. Wie kann sie leben? Erinnerungen an Die Wüste lebt. Irgendwo gibt es noch Feuchtigkeit und Leben. Ausgetrocknete, tief eingegrabene Flußläufe. Wann regnet es hier eigentlich?

    Der See liegt ohne Bewegung in der Hitze zur linken hinter einem Zaun. Besetztes Gebiet? Israel. Später eine Grenzstation und eine freundliche Soldatin. 'Hi'. Mehr nicht. Israel also. Gegen Südende des Toten Meeres zur rechten in dem Bergrücken ein herausstehender Berg mit einem platten, leicht schrägen Abschluss. Masada. In dem riesigen Besucherinformationszentrum zunächst ein Film mit Ausschnitten aus der gleichnamigen Fernsehserie mit Peter O'Toole. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Masada_(Film)
    Leider darf der Fußweg hinauf nicht benutzt werden. Die Kabine ist riesig und gut gefüllt. Trotz einer Höhe von 500 Metern über dem Meeresspiegel bleibt es heiß. Die Ruinen auf dem Berg sind erstaunlich. Wie kamen die Bewohner an Wasser? Wie konnten sie eine siebenjährige Belagerung durchhalten? In großen lang gestreckten Lagerräumen sammelten sie die Vorräte. Das Wasser leiteten sie aus den Bergen über Aquädukte direkt in den Berg, bauten riesige Zisternen, in die sie wiederum sich Wasser aus der nahen Oase EnGedi bringen ließen. Das Wasser reichte in guten Zeiten sogar für die Badeanlagen von Herodes, der sich einen Palast über drei durch eine in den Fels gehauene Wendeltreppe verbundene Etagen bauen ließ, mit einem noch immer gigantischen Ausblick über die Ebene des toten Meeres, die Wüste und die jordanischen Berge.
    Am Südende der Stadt stieg ich in eine Zisterne hinunter, vielleicht 40 Stufen. Die meisten Touristen waren nicht bis hierhergekommen, die Hitze lähmte jeden Schritt. Die Felsen in der riesigen Höhle waren abgewaschen. Ein kleiner Lichtauslass erhellte ein wenig das Dunkel. Viele kleine Auslässe an der Treppe, fast noch spürbar die Handgriffe der Bewohner von damals, fast noch hörbar ihre Worte, während sie Wasser holten und dabei Neuigkeiten austauschten.
    Auf dem Rückweg zum Eingang passierte ich das Haus eines Eremiten aus der byzantinischen Zeit. Da war schon alles vorbei gewesen, das Felsmassiv wahrscheinlich so leer wie heute, kündend von der letzten Zerstörung. Der Bau der Rampe durch die Römer hatte sie besiegelt, ein gigantisches Unternehmen, um den Widerstand endlich zu brechen. Auf dieser Rampe wurde dann ein vielleicht vierstöckiger Turm bis zum westlichen Eingang der Stadt gezogen. Mit ihm konnte man endlich die Mauern der Felsenstadt erreichen, aber noch nicht die Tore öffnen. Flavius Silva, der befehligende Feldherr, hatte die Idee, die Tore mit einer zweiten Wand zu versehen und mit Feuerpfeilen in Brand zu setzen. Doch der Wind kam von der falschen Seite und bedrohte das eigene römische Heer. Auch diese Idee schien zu scheitern, doch dann drehte der Wind und es war klar, dass die Tore im Feuer brechen würden. Die letzte Nacht war angebrochen. In dieser Situation beschlossen die zelotischen Einwohner den massenhaften Selbstmord an allen 960 Einwohnern als bevorzugte Lösung zur erwarteten Sklaverei. Nur zwei Mütter mit ihren fünf Kindern verkrochen sich in einer Zisterne. Der Mythos Masada war für die Juden geboren. Dieses Symbol geleitete sie in den Unabhängigkeitskrieg und durch die letzten 75 Jahre. Nicht aufgeben. Never surrender.

    In En bokek Baden im Toten Meer. Das Wasser weich und warm. Die baren Füße in körnigem Salz. Als es mir zur Hüfthöhe reichte, legte ich mich auf den Rücken und siehe - ich schwebte, glitt mit mit ein paar Paddelbewegungen dahin. Es war wirklich einmalig. Auf dem Bauch war das Schwimmen aber eher etwas unbequem. Der Hintern wurde sofort hochgedrückt, aber in Rückenlage... zum Einschlafen.

    Später verließen wir die Hauptstraße und fuhren nach Arad, durchquerten den Ort bis zu einer Piste, die hinaus in die Wüste führte, blieben stehen, wanderten zu einem dürren Baum, unter dem eine Bank mit Blick übe rdie steinigen Hügel des Landes wartete. Wir waren nur ein paar Kilometer von Gaza entfernt. Es war der 6. Oktober 2023.
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