• On the waterfront

    November 10, 2023 in Greece ⋅ ☁️ 17 °C

    Zweifellos ein Filmtitel. Gleichzeitig Ausblick über den Golf. Immer den Horizont im Blick. 2000 wurde die Promenade renoviert, in sogenannte Gärten unterteilt. So etwas könnte man in Starnberg machen, aber die Ideen sind hängen geblieben.

    In einem Ausschnitt heute morgen im Filmuseum Bruno Ganz in DIE EWIGKEIT UND EIN TAG an dieser Promenade entlanggehend gesehen. Es gibt sie nicht mehr. Der Film ist von 1998. Die heutige Promende ist auch nicht mehr der Platz, an dem 45000 Juden zusammengetragen wurden, um in Auschwitz umgebracht zu werden. Noch immer und immer wieder sind diese Geschehnisse erschreckend und unvorstellbar. Die griechischen Juden waren in den Konzentrationslagern Außenseiter, konnten weder jiddisch noch polnisch wie die meisten Ostjuden. Einer von ihnen fotografierte die einzigen Bilder des Schreckens, die in Auschwitz von Gefangenen gemacht wurden, in einer selbst hergestellten Eimerkamera. Sie standen gegen sinnlose Brutalität und für die Aufrechterhaltung der Würde auch in Extremsituationen. Es ist weiter nötig dafür zu kämpfen. Geblieben sind nur ungefähr 1500 Juden in der Stadt. Und ein Mahnmal.

    Ich sitze in einem Café an der Warerfront. Es hat zu regnen begonnen. Das riesige Reiterstandbild von Alexander dem Großen liegt hinter mir, genauso das von Karamanlis, aufrechterhalten schreitend. Im Museum wurde das Schlussbild von ZIMT UND KORIANDER gezeigt, ein nicht ganz überzeugender Film in meiner Erinnerung, aber das Schlussbild am Bahnhof bleibt ikonisch. Dazu die Ausstellung über Takis Kanelloppulos, von dem ich nie gehört hatte. Sehnsuchtsvolle Bilder in Schwarz-weiss, in seinem letzten Film vor seinem Tod, 1980 - gestorben ist er 1990 - auch in Farbe. Die Protagonistin bricht vor Liebeskummer auf der Straße zusammen und stirbt. Wahrscheinlich ist der Film heute kaum zu ertragen. Man gibt sich abgebühter.

    Ein Radfahrer mit orangen tretenden Schuhen. Zwei Schülerinnen auf dem Heimweg. Ein Mann mit leerem Blick, ein Jogger, nein, das ist Erfindung, einfach Einbildung, als gehörte es zum Blick aus dem Fenster an den kugelförmig Kiefern vorbei über den Holzboden der Promenade zum Meer, den leichten Wellen und schließlich dem hell leuchtenden Horizont mit den Aufbauten der Frachter und westlich zu den Wertanlagen.
    Ich bestelle einen doppelten Espresso.

    Später ging es zum Olymp. Hier Lorins bericht:
    Eineinhalb Stunden Fahrt sind es zum sagenumwobenen Berg Olymp. Wir umfahren den Golf, bis wir von der anderen Seite Thessaloniki sehen können. Eine Panoramastraße führt uns bis auf 1.100 Meter über den Meeresspiegel. Von hier aus können wir schon den schneebedeckten Gipfel des Göttersitzes sehen. Auf die knapp 2.900 Meter hochzusteigen würde allerdings den Rahmen sowohl zeitlich, als auch kräftemäßig in dieser Gruppenkonstellation sprengen. Schon zu Beginn der kleinen Wanderung empfangen wir ein Zeichen Hephaistos. Ein Feuersalamander, sinnbildlich für Schönheit und Gefahr tappt über den Trampfelpfad. Während Helios wohl zum Urlaub in den Süden gefahren zu sein scheint, empfängt uns Aiolos mit kalten Winden, die heulend durch die Tannwipfel peitschen. Wir ziehen die Kapuzen über, um die Ohren zu schützen. Wir treffen auch ein Wandererpaar - natürlich Deutsche - die aber wieder umkehren, da der angepeilte Wasserfall wohl momentan trocken liegt. Unser dreistündiger Rundweg führt uns noch etwas weiter hinauf, bis wir auf etwas über 1.700 Metern einen einigermaßen guten Ausblick auf die schneeglasierten Spitzen der umliegenden Zweitausender haben. Der Abstieg ist steil! Zu steil für Papas kaputte Knie, sodass er sich mit Stützstock herunterquälen muss. Zurück am Parkplatz treibt es uns so schnell wie möglich nach Hause, um die leeren Mägen zu füllen. Zurück in der flachen Ebene klart der Himmel über den Berg ab. Hat Zeus etwas gegen uns?
    Zuerst halten wir bei einem kleinen Lokal in einer Stadt. Einheimische tanzen zu traditioneller Musik Schulter an Schulter, die Arme umeinander gelegt. Fast schon, als probierten sie den Stereotyp eines Griechen so gut wie möglich zu bestätigen. Jedoch: "No, nothing vegetarian" erklärt die Kellnerin klipp und klar. Also doch zurück nach Thessaloniki - die progressive, junge Stadt. Zum letzten gemeinsamen Abendmahl lassen wir uns es nochmal richtig gut gehen. Gefüllte Weinblätter, Rote Beete Salat, frischgebackene Brot, frittierte Kartoffelschnitze, Fleischbällchen, Nudeln mit Schweinewürfelchen und für mich noch ein Pilzrisotto. Zum Nachtisch noch ein türkisches Gericht, bestehend aus Kadaifi, Mozarella und Sirup. Ein wahrer Gaumenschmaus! Ein Verdauungsspaziergang entlang der Mole zeigt nochmal in voller Pracht, wie jugendlich und wach die Stadt, auch noch nach 22:00 Uhr ist. Überall tummeln Jungen und Mädchen, liebkosen, blödeln herum oder laufen herausgeputzt, in den schönsten Dressen zur nächsten Bar oder Club. Auf den Aristotelesplatz hält eine Motorradgang mit Pikachu-, Minni-, Micky- und Playboyhasen als Helme. Bissl Crazy!
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