Tag 17: Rotorua Lakes District
December 28, 2025 in New Zealand ⋅ ☁️ 16 °C
🌋 Auf dem Pulverfass
Nachdem wir quasi wortwörtlich auf einem Pulverfass geschlafen haben – Luftlinie etwa 500 m vom Lady-Knox-Geysir entfernt – wachten wir erstaunlich unverkohlt auf. Unser Stellplatz lag hinter einer Taverne, die aussah, als hätte jemand versucht, ein Haus aus Holz und Blech zu bauen, aber nach der Hälfte fand: «Ja das isch öpä scho guet.»
Rund um Rotorua sehen viele Immobilien so aus. Vermutlich, weil alle insgeheim damit rechnen, dass der Vulkan sowieso bald wieder ausbricht und man dann gratis renovieren darf. Der letzte Ausbruch ist 20 000 Jahre her – rein statistisch wäre er also überfällig, wie ein Zahnarzttermin.
Nein, Spass beiseite: geologisch spannend, aber absolut ruhend.
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🛂 Check-in wie am Flughafen
Im Touristenzentrum von Rotorua haben wir dann Tickets online gelöst und eingecheckt wie am Flughafen. Nur dass es statt Boarding-Pass einen Stempel wie an einer Ü40-Party gab. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass wir tatsächlich auf einer Art Massenveranstaltung landen würden, irgendwo zwischen «Naturwunder» und «Black Friday».
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🧼 Der Geysir, der mit Seife explodiert
Der Lady-Knox-Geysir wird nämlich jeden Tag um 10:15 künstlich mit Seife gezündet.
Ja, richtig gelesen: Seife.
Der Geysir ist quasi der einzige Ort der Welt, an dem man mit Hygieneartikeln eine Explosion auslösen kann. Irgendwie muss man die Touristen ja früh aus den Federn locken.
Wir waren antizyklisch unterwegs, also viel zu früh dort, parkierten unten, lösten das Ticket online und sprinteten zu Fuss nach oben. Liina vorneweg wie ein junges Reh, der Rest hinterher wie eine mittelmotivierte Wandergruppe.
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🕰️ Die Schlange des Grauens
Oben erwartete uns eine Schlange wie vor einem Swatch-Store, wenn es schneit und eine limitierte Mond-Uhr erscheint. Sobald Exklusivität im Spiel ist, verlieren Menschen jede Form von rationalem Denken.
Wir sind dann winkend an der Schlange vorbeimarschiert. Etienne hat allen zugewinkt wie Prinz Charles auf dem Balkon.
Zum Glück lagen keine Steine herum – sonst wären wir gesteinigt worden.
Die asiatischen Touristen hatten ihre Selfiesticks bereits auf uns gerichtet, und zwar in einer Länge, die an den Stab von Hochspringer Armando Duplantis erinnerte.
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📸 Warten wie bei einer religiösen Zeremonie
First come, first serve – wir ergatterten die letzten guten Plätze. Die Arena war schon voll, als wir ankamen.
Dann begann das epische Warten.
Die gesamte Menschenmenge stand da, Handys erhoben wie bei einer religiösen Zeremonie. In der Zeit, in der wir warteten, hätte Duplantis mindestens acht Weltrekordversuche durchführen können – zwei davon rückwärts.
Die Arena wurde immer voller. Wäre eine Massenpanik ausgebrochen, hätte das verheerende Ausmasse angenommen. Es gibt nämlich nur einen einzigen Zugang, der ungefähr so breit ist wie ein Toaster.
Ich habe dem Betreiber gleich eine Mail geschrieben und vorgeschlagen, allen Selfiesticks zu verteilen: perfekt zum Fotografieren, ideal um Touristen auf Distanz zu halten – und im Notfall hervorragend geeignet, um über die Menge hinwegzuspringen.
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🪄 Die Show, die schneller vorbei war als Gratis-Bier
Nach 30 Minuten Verspätung kamen dann drei Maoris auf die Bühne, als wären sie überpünktlich. Sie erzählten die Geschichte des Geysirs, wie er zu seinem Namen kam und wie man herausfand, dass er mit Seife ausbricht. Der Moderator zog das Ganze noch einmal in die Länge.
Die Zuschauer waren inzwischen leicht gereizt, weil sie seit über 40 Minuten das Handy in die Höhe hielten.
Nach fünf Minuten brennt der Arm.
Nach 40 Minuten beginnt man, über Amputationen nachzudenken.
Dann – endlich – kam die Show.
Und sie war so schnell vorbei wie ein Gratis-Bier an einem Openair.
Wir sprinteten danach nach unten, um die Fotos von vor sieben Jahren zu wiederholen. Diesmal ohne Huawei-Beauty-Filter. Die sieben Jahre haben Spuren hinterlassen, aber nicht so, als wäre ich von einer Kuh wiedergekäut worden.
Eher so, als hätte mich die Kuh nur kurz angeleckt.
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🏞️ Taupō und die Kugelstösserin
Nach Rotorua ging es weiter nach Taupō an den riesigen See. Unsere charmante Nachbarin dort sah aus wie die amerikanische Kugelstösserin Chase Jackson – inklusive Oberarmumfang und Ausstrahlung. Sie hatte sogar ihre Wellensittiche dabei.
Ich ging mit den Kindern kurz fragen, ob wir die Vögel fotografieren dürfen. Lisa hat sich vorsorglich in sicherer Distanz gehalten – vermutlich, weil sie mich nicht verteidigen wollte, falls ich von der Nachbarin spontan in den See katapultiert werde.
Zum Glück waren sie sehr freundlich und haben mir sogar Tipps für Rumpf-Übungen gegeben. Ich habe höflich genickt und gehofft, dass sie nicht erwartet, dass ich sie sofort demonstriere.
Ich wollte nicht riskieren, dass sie mich als Hantel benutzt.Read more












Traveler
Wow diese Farben😮
Traveler
Mega cooli Foti!😎
Traveler
😅