• Tag 24: Tassli im Schrank

    January 4 in New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C

    🌅 Ein verdächtig schöner Morgen

    Der Tag begann verdächtig wunderschön – vermutlich, weil Maxime endlich wieder in einem eigenen Bett geschlafen hat und nicht wie ein übermotivierter Oktopus quer über uns lag. Unsere Kinder haben heute Morgen tatsächlich länger geschlafen. Also so lange, bis wir schon fast nervös wurden, ob wir den Frühstückstisch überhaupt noch vorbereiten dürfen oder ob wir bereits in einer neuen Erziehungsphase angekommen sind: «Selbstständiges Frühstücken ohne Eltern – powered by YouTube Kids».

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    📚 Vorlesen als pädagogischer Hochleistungssport

    Zuerst war Vorlesen angesagt. Die Jungs dürfen am Morgen vorlesen, was sie natürlich mit der gleichen Begeisterung tun wie den Camper aufräumen. Danach machten wir uns auf nach Kaikōura, um etwas durch die Läden zu schlendern – denn nichts bringt Kinder so zuverlässig von YouTube und gegenseitiger Provokation ab wie die Aussicht auf Konsum.

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    🏞️ Über den Hügel ins Shopping-Paradies

    Die Pferderanch liegt in South Bay, also ging es einmal über den Hügel, und schon waren wir im schmucken Städtchen. Im ersten Laden war natürlich sofort SALE, und der gesamte Plunder «Made in China, aber mit Kiwi drauf, also total lokal» musste raus.

    Nach dem dritten «Nein, du brauchst kein weiteres Plüschtier» und dem fünften «Nein, den Kristalldelphin hast du schon – ja, wirklich» war es mir dann verleidet. Ich flüchtete ins nächste Café und bestellte einen Long Black.

    Wenn man allerdings aus Unkonzentriertheit einen Black Long bestellt, müssen sie schmunzeln. Als ich dann darüber nachdachte, warum sie schmunzeln, wurde mir klar: Ja, man könnte das anders verstehen. Und nein, wir gehen da jetzt nicht weiter rein.

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    ☕ Fünf Minuten Frieden und ein linguistisches Kaffeeproblem

    Auf der Terrasse genoss ich meine ruhigen fünf Minuten – und meinen Long Black. Oder Black Long. Oder Longer Black. Egal. Hauptsache Koffein.

    Dann kamen unsere Happy Kids zurück. Wenn sie verwöhnt wurden, sind sie mit einer Halbwertszeit von fünf Minuten glücklich. Danach beginnt der Zerfall wieder.

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    🛍️ Das grosse Tassli-Mysterium

    Lisa hat dann noch ein Tassli gekauft.
    Ich musste sofort an den letzten Klassen-Endjahres-Chat denken, als es um das Geschenk für die Lehrperson ging. Vorschläge wie bedruckte Tassli und Fläschli flogen durch den Chat wie Konfetti. Ich wagte den ketzerischen Hinweis, dass wir alle genug Tassli im Schrank haben und ein Gutschein oder Essenskorb sinnvoller wäre.

    Mein Vorschlag kam ungefähr so gut an wie ein veganer Grillkurs am Männerturnverein-Ausflug.

    Die Lehrperson bekam am Ende – Überraschung – ein Tassli. Und einen Alpaka-Reitgutschein.
    Ich dachte mir nur: Die arme Lehrperson bekommt bei jedem Klassenwechsel ein neues Tassli oder Fläschli. Und die armen Alpakas haben vermutlich chronische Rückenschmerzen.

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    🧩 Fazit: Tassli, Zukunft und WhatsApp-Inkasso

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiss nicht, ob Lisa das Tassli für uns gekauft hat oder schon für den nächsten Klassenwechsel. Es hat es sogar aufs heutige Foto geschafft.

    Entweder wir eröffnen bald einen Tassli-Laden mit eigenem E‑Shop, oder Lisa übernimmt die nächste WhatsApp-Gruppe und treibt die 5 Franken pro Familie ein – effizienter als jedes Inkassobüro.

    Ach ja „Lisa hat Tassli Nr. 24 und 25 gekauft. Ob die Tassli auch Namen haben, weiss ich nicht – aber bei dieser Wachstumsrate gründen sie bald eine eigene WhatsApp‑Gruppe.“
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