Tag 32: Real Fruit Ice Cream
January 12 in New Zealand ⋅ ⛅ 18 °C
Es gibt Campingplätze, auf denen die Vögel zwitschern, die Sonne aufgeht und man friedlich in den Tag startet.
Und dann gibt es unseren Campingplatz.
Heute Morgen war die Stimmung irgendwo zwischen Formel‑1‑Boxenstopp und Notfallübung der Feuerwehr. Die Nachbarn rechts verabschiedeten sich noch schnell – vermutlich, weil sie ahnten, was links gleich passieren würde. Denn dort versuchte seit einer geschätzten Ewigkeit eine Familie, ihren Wohnwagen anzuhängen. Mit einer Mischung aus Verzweiflung, Improvisation und einer Körperspannung, die man sonst nur bei Bombenentschärfern sieht.
Der Landlord kam irgendwann mit einem Wagenheber angerannt, als würde er gleich die Winterräder montieren. Ich fragte höflich, ob ich helfen könne.
Antwort: „Nein danke, wir haben alles im Griff.“
Während ich mit Etienne Federball spielte, beobachtete ich das Drama mit einem Auge. Nach dem dritten gescheiterten Versuch fragte ich erneut.
Wieder: „Nein danke.“
Also blieb ich stehen. Nicht aus Schadenfreude – rein wissenschaftliches Interesse.
Beim vierten Versuch war mein innerer Wickie nicht mehr zu halten. Zing!
Ich trat vor, sah die Lage, drehte einmal am Problem wie an einem Ikea‑Regal, und plötzlich – zack – war der Wohnwagen dran. Die Frau und der Sohn waren so erleichtert, dass sie mich beinahe adoptiert hätten. Ich hätte nur noch „Mama“ sagen müssen.
---
🎨 Banksy: Kunst, Kälte & unbewegliche Menschen
Nach diesem heroischen Einsatz ging’s weiter zu Banksy. Für Lisa und mich ein Vergnügen. Für die Kinder eher: „Ballon. Mädchen. Fertig. Können wir gehen.“
Das Gebäude war so modern, dass sogar der Thermostat Kunst machte. Er zeigte nämlich die Temperatur von gestern an. Und gestern war warm. Heute war’s sibirisch. Wir standen in kurzen Sportklamotten drin wie zwei schlecht vorbereitete Performance‑Künstler.
Einige Besucher standen so lange 10 cm vor einem Bild, dass ich nicht sicher war, ob sie noch lebten oder bereits Teil der Installation waren.
Ich versuchte den Kindern meine Interpretation zu erklären. Banksy ist aber nicht gerade „Kunst für Anfänger“. In ihrem Alter hätte ich auch nur „Ballon“ gesehen und wäre nach fünf Minuten Richtung Ausgang marschiert. Trotzdem blieben wir zwei Stunden. Kurz bevor wir angefroren sind.
Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob Leute Fotos von uns gemacht haben, weil sie dachten, wir gehören zur Ausstellung:
„Touristen in Shorts – ein kritischer Kommentar zur globalen Erwärmung.“
---
📚 Bibliothek, Englisch & Real Fruit Ice Cream
Nach dem Museum ging’s in die Bibliothek. Die Bibliothekarin war so freundlich, dass ich kurz dachte, wir seien in einem Werbespot gelandet. Danach gab’s Real Fruit Ice Cream – ein Konzept, das unsere Kinder inzwischen besser verstehen als die englische Sprache.
Die vier Wörter, die sie in den letzten 30 Tagen gelernt haben, reichten dann doch nicht zum Bestellen. Mama musste übernehmen. Immerhin wissen sie jetzt, dass please "Pizza“ bedeutet.
---
🏫 Bald: 2 Wochen Schule für die Kids
Heute Abend melden wir die Kinder für zwei Wochen neuseeländische Schule an.
Unsere Hoffnung: weniger Widerstand, mehr Lernen.
Unsere realistische Erwartung: Sie lernen wenigstens, wie man „toilet“ richtig ausspricht.
Aber wer weiss– vielleicht kommt auch bei ihnen irgendwann ein Wickie‑Moment.
Zing!Read more







