• Tag 35: Cast Away- Verschollen

    January 15 in New Zealand ⋅ ☁️ 14 °C

    🍫 Der Schoggi‑Kriminalfall von nationaler Tragweite
    Die Reise geht weiter Richtung Süden… und just in diesem Moment wurde der grösste Lebensmittelskandal seit dem Pferdefleisch in Lasagne von 2013 aufgedeckt: Alle "Schoggitafeln", die wir aus der Schweiz mitgebracht hatten, sind verschwunden.( 100g, 200g, 2kg) Bestimmt 10kg Restlos. Ratzeputz. Ohne Überlebende.
    Diese Tafeln waren eigentlich für Steven in Wellington gedacht — unseren lokalen Freund, der uns mit Tipps versorgt wie NZMCA, Insurance, Road user charges etc.

    Wir hatten das Migros-Regal leergeräumt, Rafi hat uns noch ein paar Kilo nachgeschoben, und unterwegs haben wir grosszügig verteilt wie humanitäre Helfer in Kakaomission.
    Und jedes Mal hiess es: „Keine Sorge, es hat noch genug für Steven.“
    Ja klar. Ich vermute sie sind dem Junior gold club zum Opfer gefallen.

    Hinweise zum Verbleib der Schoggi werden streng vertraulich behandelt. Eine Belohnung ist ausgesetzt.
    (Keine Schoggi. Die ist ja weg.)

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    🏔️ Die Landschaft: karg, wild und perfekt für Leute ohne Hobbys
    Wir fuhren durch eine Gegend, die so karg war, dass selbst ein Kaktus gesagt hätte: „Bisschen trocken hier.“
    Ringsum 2000–3000 Meter hohe Berge, die aussehen, als hätte jemand die Alpen kopiert, aber beim Drucken die Farbe vergessen.

    Schade war nur, dass es bewölkt war — denn hier gibt es null Lichtverschmutzung.
    Also wirklich null.
    Wenn man hier eine Stirnlampe einschaltet, gilt das bereits als Umweltverschmutzung.

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    🌧️ Wetterprognosen, die man niemandem wünscht
    Gemeldet war Weltuntergang, geliefert wurde: nichts.
    Lisa blieb trotzdem die ganze Nacht wach.
    Ich weiss nicht, ob sie die Arbeit vermisst oder ob sie meine Atmung überwacht wie ein medizinischer Rauchmelder.

    Alle fünf Minuten schaute sie in den Himmel, in der Hoffnung, Sterne zu sehen.
    Ich hingegen war entspannt.
    Sterne gibt’s bei uns zuhause auch.

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    🧗 Der Gipfelsturm, der keiner sein sollte
    Nach zwei Stunden Fahrt hielten wir an der Passstrasse und entschieden spontan:
    „Lass uns da rauf.“
    Kein offizieller Weg, aber wir sind ja Schweizer. Wir brauchen keine Wege. Wir sind Wege.

    Sanna beschwerte sich von Anfang an wie ein Esel im Nebel, blieb im Basecamp zurück und stieg später nach.
    Wir gingen zuerst den offiziellen Weg, der nach 200 Metern endet.
    Für uns natürlich völlig unbefriedigend.
    Also weiter:

    - vorneweg der Journalist, selbsternannter Alpinist und Bergführer,
    - Etu, der grundsätzlich alles schneller macht als Päpu,
    - Liina, die beim Wort „Gewinnen“ in den Sprintmodus schaltet,
    - Miximax irgendwo im Mittelfeld,
    - und Lisa, die skeptisch hinterherläuft wie jemand, der weiss, dass das nicht gut endet.

    Der Weg wurde steil, dann steiler, dann „Wer hat das eigentlich bewilligt?“-steil.

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    🌵 Stachelige Pflanzen und stachelige Familienkommentare
    Beim Abstieg gab es leichte Beschwerden über die Linienwahl des Bergführers („Warum gehen wir hier runter?“ – „Weil oben bleiben keine Option ist.“).
    Dazu ein paar Schnittwunden von stacheligen Pflanzen, die offenbar beschlossen hatten, uns zu testen.

    Aber alle kamen heil unten an.
    Blau-weiss-blau extra.
    Wir üben ja fürs Bergsteigen.

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    🛶 Lake Wanaka: Kinder bauen Floss, Eltern bauen Nerven ab
    Jetzt stehen wir am Lake Wanaka, Front Row Freedom Camping.
    Die Kinder haben ein Floss gebaut.
    Ich bin nicht sicher, ob sie vor dem Bergführer fliehen oder dem Homeschooling entkommen wollen.

    Liina hat heute offiziell erklärt, Homeschooling sei Freiheitsberaubung.
    Ich habe ihr erklärt, dass Freiheitsberaubung anders aussieht — zum Beispiel, wenn man keine Schoggi mehr hat.

    Ob die Kinder verstanden haben, dass der See Süsswasser ist und nicht der Pazifik, bleibt unklar.
    Ihr Floss aus Treibholz sah jedenfalls aus wie das von Tom Hanks.
    Nur ohne Volleyball.
    Noch.
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