• Tag 40: Invercargill ? ..Cargrill?

    January 20 in New Zealand ⋅ 🌬 17 °C

    Wir haben heute Morgen entschieden, einen Tag länger in Invercargill zu bleiben. Nicht, weil es hier schön wäre. Nein, nein. Invercargill ist wie ein Überraschungs-Ei ohne Überraschung, ohne Schokolade und ohne Ei.
    Wir bleiben, weil wir in den letzten Tagen viel herumgefahren sind und weil sämtliche günstigen Flüge nach Stewart Island ausgebucht sind. Offenbar hat ganz Neuseeland gleichzeitig beschlossen, heute Haie zu streicheln oder sich in einen Käfig hängen zu lassen.
    Good value for money zieht halt. Schweizer kennen das Konzept ja nur aus der Theorie.

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    🏭 Stadtrundgang – zwischen Industriecharme und Endzeitstimmung

    Wir sind dann in die Stadt gelaufen. Invercargill präsentiert sich als eine Art „Industriestadt“, wobei Industrie hier bedeutet: rostige Blechhütten, die aussehen, als hätte jemand sie aus einem alten McDonald’s-Spielplatz zusammengeschweisst.
    Überall liegt Dreck herum, die Häuser wirken wie Provisorien, die seit 1973 niemand mehr abgerissen hat.
    Aber der Rasen? Der ist perfekt gemäht. Schweizer Präzision, aber von Kiwis. Ich war kurz verwirrt.

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    💅 Beauty-Salon – Weltpolitik zwischen Zuckerpaste und Schmerzschreien

    Janu, ich war dann zum zweiten Mal in meinem Leben im Beauty-Salon. Vor der Abreise war ich bei Janine in Bern, und ich war superzufrieden. Davor habe ich meine Beine immer selbst mit Wachsstreifen enthaart. Für alle, die es ganz genau wissen möchten: Ja, es tut weh. Und ja, Gleichberechtigung bedeutet auch, dass ich glattere Beine haben darf als Lisa.

    Bei Kate wurde ich dann eingesugart. Während sie mir mit der Präzision eines mittelalterlichen Foltermeisters die Haare ausriss, haben wir über Weltpolitik gesprochen.
    In der Schweiz redet man beim Waxing über das Wetter. In Neuseeland über geopolitische Machtverschiebungen.
    Ich weiss nicht, was schmerzhafter war.

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    🎓 Erziehungstipps von der Beauty-Queen – gratis, ungefragt, unvermeidbar

    Zum Schluss gab’s noch ungefragte Erziehungstipps. Kate hat zwei Töchter, die in Dunedin studieren: Kunst & Geschichte die eine, Chinesisch & Kriminologie die andere.
    Ich habe höflich genickt und innerlich gedacht: AI kann das schon – und ob ein Studium heute noch der Weg zum Erfolg ist, habe ich seit meinem EMBA etwas relativiert.

    Dann haute sie aber einen raus:
    Wenn die Superreichen (also wir Schweizer, offenbar per Definition) immer mehr Macht anhäufen wie alte Männer in schlecht beleuchteten Hinterzimmern, dann wird es bald niemanden mehr geben, der ihnen im Luxushotel den Champagner serviert.
    Ich musste lachen. Und weinen. Gleichzeitig.
    Bedeutet das wohl, dass ich schon bald meine Haare wieder selber waxen muss?

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    🏕️ Camping-Alltag – Rollenverteilung wie im Naturkundemuseum

    Zurück zum Wesentlichen. Unser Camping-Alltag hat sich eingependelt:

    - Lisa macht alles. Also Waschen und den 👑 hinterher jagen
    - Sanna ist für ihre Haare zuständig. Punkt. (Kate meinte, von einer bald 14-Jährigen könne man nicht mehr erwarten. Ich fühle mich bestätigt.)
    - Liina schreibt Tagebuch. Heute stand drin: „Ich bin aufgestanden und wieder schlafen gegangen.“ Morgen übernimmt sie den Blog. Ich bin gespannt.
    - Etu, unser Hans im Schnäggeloch, hilft überall mit. Manchmal gibt er mir sogar Arbeit und sagt mir, was ich zu tun habe. Ich bin quasi sein Praktikant.
    - Maxime wickelt uns alle um den Finger. Er zündet Raketen – emotionale, explosive, gelegentlich nukleare. Heute aber nicht. Heute waren wir baden und riechen jetzt alle nach Lavendel.
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