• Tag 41: Tiefpunkte and Sandflies

    January 21 in New Zealand ⋅ ☁️ 15 °C

    Aus Invercargill wollten wir schnell weg, aber zuerst mussten wir natürlich noch nach Bluff, um den tiefsten Punkt des Highway One abzuhaken. Und ja: Es war auch emotional der tiefste Punkt unserer Reise.

    Kaum auf dem Parkplatz, wollten wir den Lookout hoch. Unsere älteste Tochter hingegen befand sich bereits im seelischen Krater unter Bluff. Erst waren die Flip‑Flops falsch, dann die Socken, dann die Schuhe, dann vermutlich die Existenz an sich.

    Ich habe irgendwann einfach den Schlüssel hingelegt, mich umgedreht und bin gegangen. Diskussionen über Schuhwerk sind offiziell nicht mehr Teil meines Lebenskonzepts.

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    🦟 Catlins – wo Sandflies dich als All‑You‑Can‑Eat betrachten

    Weiter ging’s in die Catlins, wo die Sandflies so präsent sind wie Schweizer in Neuseeland. Diese Viecher sind tagaktiv, hassen Wind und lieben Menschenfleisch. Also quasi wie wir, einfach umgekehrt.

    Nach dem Walkway waren alle Kinder verstochen, und die Grosse hatte eine Stimmung, die sogar den Bluff‑Tiefpunkt unterbot. Wir hatten sie ja nicht mitgenommen auf den Walkway – ein Fehler, der uns noch lange nach der Pubertät verfolgen wird.

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    🦭 Seehunde, Delfine und der Moment, in dem ich tauschen wollte

    Wir wollten Shipwrecks, Delfine, Pinguine und Seehunde sehen. Und ganz ehrlich: Ich hätte unsere älteste Tochter fast gegen einen Seehund eingetauscht.

    Der Seehund liegt zufrieden herum, frisst ein paar Fische, reklamiert nicht, braucht keine Schuhe und diskutiert nicht über Socken. Der wäre vermutlich froh über ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Ich frage mich bis heute, ob das jemand am Flughafen gemerkt hätte.

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    🐬 Delfine, Holländer und eine zukünftige Arielle

    Die Delfine waren dann tatsächlich das Highlight: 30 Meter vom Strand entfernt, vermutlich beim Jagen. Ein Holländer hat uns darauf aufmerksam gemacht – wir waren eigentlich gerade am Pinguin‑Spotten.

    Er erzählte mir dann, dass eine Dame mit einem Kinderbodyboard zu den Delfinen schwimmen wollte. Ich dachte nur: Entweder hat sie als Kind zu viel Flipper geschaut oder sie bewirbt sich gerade als Live‑Action‑Arielle.

    Aber gut, jedem sein Ding. Ich gehe ja auch regelmässig zum Hobby‑Horsing. :)

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    🧜‍♀️ Arielle‑Casting, Baywatch‑Fantasien und der Windchill‑Hasselhoff

    Ach ja, bei der „Redaktionssitzung“ im Camper – also dort, wo man eigentlich nur Podcast am Pistenrand hören wollte, aber plötzlich mitten in einer Reality‑Show landete – hat mir Lisa noch mehr Details über ihre persönlichen Beobachtungen zur Arielle‑Mission erzählt. Die Kollegin von Arielle war auch dabei und versuchte verzweifelt, sie wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen.

    Und dann war da noch er.

    Der Typ, der bei bissig kaltem Wind bereits das T‑Shirt ausgezogen hatte, als würde er gleich für die Baywatch‑Neuauflage gecastet. Er stand da wie Mitch Buchannon in der Discount‑Version, Brust raus, Bauch rein, Gesicht eingefroren.

    Zwischendurch hat er sich offenbar auch noch als David Hasselhoff gefühlt und eine improvisierte Version von Looking for Freedom angestimmt – allerdings so, dass selbst der Wind kurz aufgehört hat zu wehen, um besser zu hören, ob das wirklich ernst gemeint ist.

    Lisa dachte, er würde gleich ein aufblasbares Rettungsbrett zücken, in Zeitlupe losrennen und die Delfine retten, die gar nicht gerettet werden wollten.
    (Ich hätte es gerne mit den eigenen Augen beobachtet)

    👵 Campingclub – Seniorencomedy live und ungeschnitten

    Unser Campingclubplatz fühlte sich an wie ein Revival meiner Jura‑Campingzeiten: Senioren am Tisch, die sich Räubergeschichten und Schenkelklopferwitze erzählten. Zur Pointe wurde jeweils das Gebiss rausgenommen, um einen Affen nachzuahmen.

    Ich habe die Girls dort puzzeln lassen und bin mit Lisa rennen gegangen. Manchmal muss man fliehen, bevor man selbst zum Gebiss‑Affen wird.

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    🐑 Schafhirte – meine neue Berufung

    Und dann kam der Moment, in dem ich meine wahre Bestimmung fand. Wir liefen um eine Kurve und standen vor einem Feld mit rund 1000 Schafen.

    Ich rief einmal laut bähhhh.
    Die Schafe verstanden.

    Sie rannten los, formierten sich wie eine Armee und riefen mehhhh zurück.

    Lisa meinte, ich solle aufhören, ich würde die armen Tiere verschrecken. Vermutlich hatte sie Angst, ich übernehme spontan eine Schaffarm und sie müsse bald Wollsocken stricken.

    Ich bin überzeugt: Liina wäre sofort dabei.
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