• Tag 54: Hoping for snow

    February 3 in New Zealand ⋅ ☁️ 8 °C

    Ich weiss, ich habe schon genug über das Wetter geschrieben. Aber dieses Land provoziert es regelrecht. Gestern noch T‑Shirt, Sonnencreme, Lebensfreude. Heute: 7 Grad, Regen. Ich bin gespannt, wie viel Schnee in den Bergen liegt. Vielleicht wird morgen ein epischer Tag. Wir machen nämlich etwas, das wir noch nie gemacht haben: einen Alpenrundflug ab Lake Tekapo in einem Kleinflieger. 50 Minuten. In der Schweiz wäre das völlig unnötig, weil man dort die Alpen ja quasi mit dem ÖV, der Gondel, der Kuh oder dem Hüttenwart persönlich geliefert bekommt.

    Hier gibt es zwar auch Hütten, aber die sind unbewirtschaftet. Und wir haben keine Schlafsäcke dabei. Oder Ausrüstung. Oder Motivation, 40 Kilo Material zu schleppen. Das wäre aber sicher noch ein Punkt für später.

    Heli‑ und Glacier‑Hikes gäbe es auch. Aber ganz ehrlich: Wenn nach sechs Minuten die Frage kommt „Wie lang geits no“, dann ist der Preis pro Minute einfach zu hoch. Darüber habe ich ja schon genug berichtet.

    Was allerdings wirklich traumhaft wäre: Skitouren, bei denen man mit dem Helikopter abgesetzt wird und dann tagelang von Hütte zu Hütte unterwegs ist. Dort gibt es dann wirklich nichts. Keine Menschen, kein Empfang, keine Ablenkung. Nur Berge, Schnee und die Erkenntnis, dass man ohne Schoggi und Trockenfrüchte eigentlich nicht lebensfähig ist.

    Das war schon in den Lofoten so. Einmal machten wir eine Skitour, bei der wir mit dem Boot in einen Fjord gefahren wurden, der so abgelegen war, dass selbst Google Maps aufgegeben hätte. Kein Handyempfang. Zu Fuss wären es drei Tage über Berge gewesen. Dort merkt man, wie wichtig Abmachungen und zuverlässige Menschen sind. Und dass man besser nicht mit Leuten unterwegs ist, die beim Aufstieg plötzlich „Ich glaub, ich dreh um“ sagen.

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    ☔ Soziale Kontakte: schwierig bei Regen

    An solchen regnerischen Tagen hat man hier wenig Kontakt zur Aussenwelt. An der Kasse gibt es die höfliche Frage:
    „How are you today“
    Man muss mit „good“ oder „very good“ antworten. Alles andere überfordert das System. Wenn du „not bad“ sagst, geraten sie in Panik und holen vermutlich bald einen Manager.

    Auch beim Wandern sagt man nicht „Grüezi“, sondern:
    „Heyya man, how are ya“
    oder
    „ Heya man ..What’s going on“ ya...
    – obwohl die Antwort meistens „Regen“ wäre.

    Heute habe ich mit niemandem gesprochen ausser ein paar Fremden in der Sauna. In einer Sauna sprechen – das würde man in Finnland nie. Meine erste Saunaerfahrung war mit 13 bei einem Quartierkollegen. In der Nacht bekam ich solche Bauchschmerzen, dass ich nach Hause musste und am nächsten Tag den Blinddarm operiert bekam. Akute Blinddarmentzündung. Operiert hat quasi der Nachbar. Er war zwar Arzt, aber wenn man die Narbe heute sieht, könnte man meinen, ich hätte einen Bombenangriff überlebt. Seitdem gehe ich nur noch zum Tierarzt. Dort gibt es immer zwei Assistenten, die einem den Nacken kraulen und am Schluss bekommt man ein Gudeli.
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    🔥 Sauna – der Ort, an dem die Welt verrückt wird

    Ich liebe die Sauna. Ruhe, Kreislauf, Gesundheit. Und ja, Eisbaden gehört dazu.
    In der neuseeländischen Sauna sind die Gespräche aber… speziell. Heute wurde unser Schweizerdeutsch von zwei Franzosen aus Holländisch bewertet. Dann wurde das „Eiswasser“ besprochen, das 18 Grad warm war. 18 Grad. Das ist kein Eiswasser. Das ist die Aare im Juni -einfach viel zu warm.

    Die nächsten Destinationen wie Dunedin wurden diskutiert. Ich dachte nur „five seasons per day- Viel Spass dort“ und bin duschen gegangen.

    Es war ein richtig langweiliger Tag.

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    🏊‍♀️ Das Highlight des Tages

    Eine Frau, die im Thermalbad im Wetsuit ihre Runden geschwommen ist.
    So weit sind wir schon.

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    🌍 Klimaschutz

    Und für alle Klimaaktivisten:
    Ich werde die nächsten zehn Tage Plastiksäckli auswaschen, meinen Patagonia‑Pullover tragen und nur noch einmal im Monat mit der Spardüse duschen.
    Bitte gern geschehen.

    Ach ja – Lisa hat noch mit einer Familie aus der Schweiz gesprochen. Ich stand daneben und habe zugehört. Im EMBA haben wir ja gelernt: Reden ist Silber, Zuhören ist Gold. Ich halte mich daran. Streng. Fast schon professionell.

    Ihre beiden Kinder waren so alt wie unsere zwei Kleinen vor sieben Jahren. Ich war ehrlich froh, dass mich das nicht mehr betrifft. Die Familie war erstaunt, wie wir zu sechst im Camper überleben. Langsam begreife ich unseren Effort auch. Es ist weniger Ferien und mehr ein Langzeitprojekt in angewandter Krisenresilienz.

    Lisa und ich werden im Anschluss ein Buch schreiben:
    „How to Survive in a Campervan 90 Days with 4 Kids“
    Ich bin sicher, Mr. Beast würde eine Milliarde darauf setzen. Mindestens.

    Ich dachte nur: Ihr werdet schon sehen, wie es wird, wenn die Kinder mehr Bedürfnisse haben, und lächelte freundlich. Dieses Lächeln, das sagt: „Ich wünsche euch viel Glück. Wirklich.“

    Lisa hat dann übernommen und mit einer Branchenkollegin über das Daily Business gesprochen. Da sieht man das Funkeln in ihren Augen, wenn sie über Radfahren oder Arbeiten sprechen kann — ein Funkeln, das zeigt, dass sie in beiden Disziplinen deutlich mehr Energie hat als unser Camper je liefern wird.
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