• Tag 55: Air Safari

    February 4 in New Zealand ⋅ ☀️ 8 °C

    Heute Morgen ging es bei drei Grad Aussentemperatur los – also genau dieser Temperatur, bei der man sich fragt, ob man eigentlich Ferien macht oder ob der neuseeländische Winter eingebrochen ist.
    Wir wollten noch schnell den Fotografie‑Hotspot am Lake Tekapo ablichten. Ein idyllischer Moment, bis die ersten Gäste aus den asiatischen Mietwagen ausstiegen. Ein Naturphänomen: Kaum öffnet sich die Schiebetür, setzt bei uns der Fluchtinstinkt ein. Wir sind dann in Richtung Air Safari davongezogen – elegant, aber bestimmt.

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    🇨🇭 Schweizer Präzision am Check‑in

    Dort angekommen waren wir natürlich die überpünktlichen Schweizer. Nicht einfach pünktlich, sondern so pünktlich, dass das Flugzeug noch nicht auf dem Runway stand.
    Kurz darauf tauchten vier weitere Schweizer auf. Man erkennt sie sofort:
    Nicht am Dialekt – den kann man noch ignorieren – sondern an der Uniform. Patagonia oben, Ortovox unten. Und dann dieser Pärchenlook. Nicht einfach „wir tragen beide eine Jacke“, sondern „wir haben uns bewusst dafür entschieden, identisch auszusehen“.
    Wenn das die letzte Gemeinsamkeit einer Beziehung ist, dann hilft auch der Hund nicht mehr. Das ist der modische Vorbote des Untergangs.

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    🛩️ Air Safari: Der 50‑Minuten‑Gletscher‑Crashkurs

    Dann ging es auf die Safari. Weitsicht wie selten, keine Wolken, die Berge leicht eingezuckert wie ein Dessert, das man eigentlich nicht bestellt hat, aber trotzdem isst.
    Die Bilder erspare ich euch – die Kamera hat das besser gemacht als ich.

    Der Flug dauerte 50 Minuten. Der Pilot begann enthusiastisch, verschoss aber bereits nach fünf Minuten sein gesamtes Wissen über Gletscher. Danach wiederholte er im Fünf‑Minuten‑Takt dieselben drei Fakten:
    Warum der See hellblau ist, wie der höchste Berg heisst, und wie die Moräne geformt wurde.

    Ich habe zuerst alles mitgeschrieben, weil ich nicht sicher war, ob am Ende ein Test kommt. Als ich es dann auswendig konnte, versuchte ich, die Infos den Kindern einzubläuen. Nach drei Versuchen habe ich aufgegeben und nur noch Strichli gemacht.

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    📊 Business Case über den Wolken

    Am Schluss fragte ich den Piloten, wie viel Treibstoff der Flieger pro Stunde braucht. Nicht ganz 60 Liter.
    Und da beginnt bei mir der Spass: Fixkosten, variable Kosten, EBITDA – das volle Programm.
    Für einen kurzen Moment sah ich eine Marktlücke: Alpenflüge ab Bern‑Belp für asiatische Touristen.

    Aber dann erinnerte ich mich an zwei Dinge:
    1. Die Investitionskosten.
    2. Das Schweizer Wetter, das zuverlässig unzuverlässig ist.

    An der Kaufkraft liegt es sicher nicht. Die Tickets fürs Jungfraujoch kosten ein Vermögen, und man braucht gefühlt drei Tage, bis man oben ist. Mit einem Flug könnte man das Berner Oberland in einer Stunde abhaken und gleich weiter nach Zermatt und Italien durchreichen.

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    🌤️ Weiter Richtung Christchurch

    Nach der Business‑Analyse ging es weiter Richtung Christchurch. Wärmeres Wetter, ein Hauch von Strandgefühl – also zumindest so viel Strandgefühl, wie man nach einem halben Tag Analysearbeit noch zulässt.

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    🚴‍♀️ Lisa vs. Gegenwind: Das Duell

    Unterwegs haben wir Lisa zum Radeln rausgelassen und wollten zum Taylor Mistake Beach. Die Fahrt dorthin war… sagen wir: abwechslungsreich.

    Wenn meine Kopilotin hinten nicht nach rechts schaut und vorne nicht navigiert, dann steigt der Schwierigkeitsgrad des Fahrens um drei Klassen. Enge Strassen, Brücken, Schlaglöcher – und das Schlimmste: wenn man sich auf Google Maps verlässt und die Tankstelle gerade umgebaut wird.

    Kurz vor dem Ziel mussten wir wegen eines Erdrutsches noch eine Umfahrung nehmen. Diese beiden Ereignisse – plus der steile Hügel – hätten mich fast noch zum Beat‑Hefti‑Anschieber gemacht.

    Lisa war jedenfalls beeindruckt, dass sie nach 80 Kilometern Gegenwind nur ein paar Hundertstel verloren hat.
    Ich war beeindruckt, dass wir überhaupt angekommen sind.
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