Tag 56: M.& E. Jordan and Friends
February 5 in New Zealand ⋅ 🌙 17 °C
Der Tag begann um 6 Uhr.
Nicht aus freiem Willen, sondern weil eines unserer Kinder fand, ein Wecker um 6 sei eine gute Idee. (Vermutlich wollten sie noch einmal auf Airsafari.)
Ich liebe das fast so sehr wie ihre Spotify‑Playlists, die inzwischen drei kleine Mitbenutzer beherbergen.
Ein Family‑Abo wäre die Lösung, aber ganz ehrlich: Ich zahle doch nicht dafür, dass ich noch effizienter genervt werde.
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📱 Social Media – der stille Abschied
Wenn es dann darum geht, meinen WhatsApp‑Kanal zu teilen, hört die Liebe endgültig auf.
Facebook und Instagram habe ich schon hinter mir gelassen. LinkedIn steht auf der Abschussliste.
Social Media ist super, solange es Messenger bleibt.
Sobald die Algorithmen anfangen, dir Schrott unterzujubeln, damit du länger scrollst und mehr kaufst, wird’s absurd.
Und irgendwann wird’s der KI egal sein.
Dann hat sie so viele Daten von uns, dass wir gar nicht mehr wegkommen.
Vielleicht hören dann wenigstens die LinkedIn‑Bäuchlistreichli‑Posts auf, in denen jeder sein Abendkurs‑Zertifikat feiert, als wäre es ein PhD.
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🧒 Der mutige Camper‑Nachbarsjunge
Der Nachbarsjunge kam rüber zum Spielen.
Ich dachte zuerst: mutig.
Er heisst Xandel, etwa zwölf, und spricht Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch.
Bei Portugiesisch und Spanisch musste ich passen.
Ich hätte Lisa fast gebeten, ihm noch schnell Finnisch beizubringen – die Sprache, die 14 Fälle hat und sich weigert, auswendig gelernt zu werden.
Er reist seit er fünf ist auf den Weltmeeren herum. Homeschooling.
Er sagt, er liebe Schule.
Er liebe Sprachen.
Je mehr Sprachen er spreche, desto mehr Freunde habe er.
Ich habe kurz überlegt, ob ich meinen Kindern deutschsprachige Freunde verbieten soll.
Aber das hätte einen Tam‑Tam ausgelöst, der ungefähr so artgerecht wäre wie ein Leben zwischen fünf und zwölf Jahren auf einem Boot mit nur den Eltern.
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🌍 Die Eltern – Weltbürger im Camper
Lisa und ich haben dann über eine Stunde mit seinen Eltern gesprochen.
Er ist Kiwi, sie ursprünglich aus GB.
Sie sind gerade im Camper, weil es seiner Mutter nicht gut ging. Jetzt geht’s ihr besser, und sie suchen ein Haus in Neuseeland.
Christchurch mögen sie genauso wie wir.
Sie meinten, sie hätten schon lange nicht mehr so viel Platz gehabt.
Der Camper sei riesig im Vergleich zum Boot.
Ich musste schmunzeln und mich fast entschuldigen, dass ich mich über unseren Platz beschwert habe.
Vielleicht müssen wir einfach ein paar Jahre auf einem Boot leben, bis die Kinder den Camper zu schätzen wissen.
Ich werde das beim nächsten Streit androhen.
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💼 LinkedIn auf hoher See
Ich habe ihn dann gefragt, wie man das einkommensmässig macht.
Er macht maritime Expertisen und fliegt für Jobs rein und raus.
Ich habe mich gefragt, was wohl auf seinem LinkedIn‑Profil steht.
Und wie man in der Szene der Weltenbummler zu Meilensteinen gratuliert.
„Congrats on 10 years of not sinking“ vielleicht.
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🍷 Der alkoholfreie Rosé und das Abendprogramm
Jetzt sitze ich mit Lisa im Camper, nach einer ganzen Flasche alkoholfreiem Rosé.
Ja, richtig gehört: Seit Reisebeginn trinken wir nur noch alkoholfreie Apéros.
Heute hat es sich trotzdem etwas komisch angefühlt, Rosé ohne Alkohol zu trinken.
Geschmack überraschend gut.
Schlaf vermutlich besser.
Morgen definitiv weckfreier.
Die Kids spielen draussen Basketball.
Xandel hat es ihnen beigebracht.
Das mit oben ohne und Brasilien – keine Ahnung, woher das kommt.
Von mir sicher nicht.
Also bleibt nur Lisa.Read more



