• Marina Küng
  • Marina Küng

Caminho da Costa 🌊🥾

Manche pilgern den Caminho da Costa mit Blick fest aufs Ziel in Santiago. Ich dagegen habe mich für die Geniesser-Variante entschieden: Etappen kurz, Pausen lang und das wahre Ziel glasklar – so viele Pastel de Nata wie möglich zu verputzen. Read more
  • Trip start
    September 15, 2025

    Kein Wasser, nur Wege

    Sep 16–17, 2025 in Portugal ⋅ 🌙 16 °C

    Hört, hört – die Gerüchte stimmen: Ich bin zurück!

    Heute also Abflug nach Porto, mit meiner liebsten Begleitung Tobi im Schlepptau. Irgendwann auf dem Weg zum Flughafen kam die entscheidende Frage: „Bist du eigentlich wegen mir mitgekommen oder wegen dem McDonald’s im Foodcorner?“ Nach zwei, drei Sekunden Pause kam die Antwort: „Natürlich wegen dir.“ Hat er da kurz geflunkert? Man weiss es nicht. Vielleicht beginnt der Jakobsweg ja wirklich nicht in Porto, sondern bei McDonald’s am Gate. Ein Stempel für den Pilgerpass, gab es dort aber leider nicht. Und Jakob hab ich auch nicht getroffen.

    Am Ziel angekommen, musste ich gleich improvisieren – oder wie man auf Pilgerdeutsch sagt: *umdisponieren*. Mein reserviertes Zimmer, das angeblich das allerletzte freie war, hatte nämlich ein entscheidendes Feature nicht: Wasser. Gar keins. Und Ersatz? Fehlanzeige. Also stand ich da, verschwitzt vom eher kriminellen Weg zum Hotel – kriminell, weil Porto-Autos anscheinend eigene Verkehrsregeln haben. Dabei sollte ich den Weg doch eigentlich kennen: so lange ist es ja nicht her, dass ich mit Tanja in Porto war. Damals gab’s statt Wassermangel immerhin Schimmel im Airbnb. Man könnte fast meinen: Wer mit mir nach Porto reist, bekommt gratis ein Abenteuer dazu. Deshalb kam vielleicht niemand mit...

    Die Dame an der Rezeption jedenfalls war freundlich, aber bestimmt: „Wir sind sonst ausgebucht.“ Dann ein Griff zum Telefon, ein paar portugiesische Sätze und ein weiterer Fussmarsch später liege ich nun frisch geduscht im Bett. Mission erfüllt.

    Viele Wege führen nach Rom – und offenbar führen auch viele kleine Umwege nach Santiago.
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  • Auf die Pfade von Labruge

    September 16, 2025 in Portugal ⋅ ☀️ 19 °C

    Uff, die Nacht war ein schlechter Witz: 3 Stunden 45 Schlaf, mehr nicht. Das Haus war hellhörig, die Türen knarrten, und weil die Gäste zu allen möglichen Zeiten zum Flughafen aufbrachen, hatte die Nacht mehr Kapitel als ein dickes Buch. Genug, um zu überleben, zu wenig, um nett zu anderen Menschen zu sein. Aber dann kam die Sonne und die hat ja bekanntermassen kein Mitleid, nur Strahlkraft.

    Die Füsse glänzen im Hirschtalg-Outfit, bereit für den nächsten Einsatz. Sonnencreme drüber, Schuhe drunter – fertig ist das Tageskostüm. Müde hin oder her: der Weg läuft sich schliesslich nicht von allein.

    Erster Halt: eine portugiesische Bäckerei. Kaffee, Frühstück, ein kleines Stück Rettung. Am Tresen allerdings ein Drama: der Herr vor mir hat mir den letzten Pastel de Nata weggeschnappt. Pastel-de-Nata-Counter: –1.
    Geschmeckt hat er trotzdem, einfach aus Prinzip.

    Los gehts! Ich freue mich.
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  • Bom Dia, Bom Caminho 🌞

    September 16, 2025 in Portugal ⋅ ☀️ 19 °C

    Mein Camino startete nicht still, sondern mit Kiamaboys 🎶 auf den Ohren. Zwischendurch half mir auch etwas härtere Musik, wenn die Beine schon meinten, sie hätten für heute genug. Statt mystischer Erleuchtung gab es tosende Wellen, endlose Holzstege und die Erkenntnis, dass die Buen Camino App mit Etappenplanung einen ziemlich schrägen Humor hat.

    Von Labruge bis Póvoa de Varzim wanderte ich wunderschönen Klippen entlang, sah die riesigen Wellen toben, hübsche Dörfchen und genoss jeden Schritt auf den Stegen, so weit das Auge reichte. Laut App sollten es gute 13 Kilometer sein. Doch nach 16 Kilometern stand ich erst in Vila do Conde. Das Ziel? Noch nicht mal in Sicht, aber das machte nichts. Vielleicht bin ich aber auch zu viel vom Weg abgekommen, bei dieser Naturpracht musste ich wie wild rumfotograferen. 😄

    Mein erster Stempel für den Pilgerpass kam von einem netten alten Mann, der mich dabei ansah, als wollte er mir still Mut zusprechen. Mit einem Lächeln meinte er: „Bis Vila do Conde sind es nur noch zwölf Minuten.“ Wahrscheinlich sah mein Kopf schon wie eine überreife Tomate aus. Hätte er geahnt, dass ich noch weiter musste, vielleicht hätte es dann sogar noch einen kleinen Segen dazugegeben.

    Noch nie habe ich an einem Tag so viele „Bom Caminho“ und „Bom Dia“ gehört. Gleichgesinnte und Einheimische grüssten alle sehr herzlich.

    Blasen? Fehlanzeige. Nur die Oberschenkel etwas hart und zwacken. Und die Schuhe? Sitzen dank Rigisport-Beratung perfekt, als wären sie genau für diesen Weg gemacht. Müde, aber glücklich, bin ich angekommen.
    Und dann das Finale des Tages:
    die weltbeste Dusche!
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  • Step by Step

    September 17, 2025 in Portugal ⋅ ☀️ 20 °C

    8 Stunden königlicher Tiefschlaf, durchgeschlafen wie ein Stein. Der Rucksack allerdings hatte keinen Wellnessabend, sondern ist dank meiner gestrigen Supermarktpünderung heute sicher 2 Kilo schwerer. Aber egal, bei einem Kalorienverbrauch von rund 3’500 muss der Tank eben gefüllt sein. Muskelkater? Ja, er winkt aus der zweiten Reihe, aber ohne Drama.

    Die Glacekarte in den Strandcafés ist derart übertrieben, Tobi wäre vor Freude fast explodiert. Der Hotelkaffee in den günstigeren Absteigen hingegen eine Zumutung, irgendwo zwischen Grütze und bitterer Lebenslektion. Also folge ich brav Tanjas Rat und hole mir meinen Koffeinkick lieber draussen. Und was soll ich sagen: Meine Eltern wären hier auch im Paradies, denn einige Velopilger habe ich auch entdeckt.

    Zum Mittagessen wurde ich heute eingeladen. Nur der australische Akzent war etwas irreführend. 😄
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  • Aromatherapie pur

    September 17, 2025 in Portugal ⋅ 🌙 17 °C

    Wilder Fenchel, Thymian, Rosmarin und sogar Kapuzinerkresse. Mein Kräuterherz machte sofort einen kleinen Sprung. Ein Stück des Weges führte heute durch einen kleinen Pinien- und Eukalyptuswald dieser Duft, pure Aromatherapie!

    Plötzlich stand da auch ein kleines Häuschen mit Mühle, wie für mich gemacht. Und schon stand ich vor einer neuen 1,5 Liter Wasserflasche. Pausen? Klar, ich mache bestimmt drei Mal so viele, wie manch anderer, aber hey, der Weg ist das Ziel.

    Bei den zwei Pfeilen (siehe Foto) dort gab es eine Bank. Dort setzte sich ein 80-Jähriger zu mir. Wir kamen ins Gespräch. Sein Geburtstagsgeschenk an sich selbst: den Camino noch einmal laufen. Hut ab!

    Schon im Bett, geduscht. Energie stimmt, Laune auch, nur die linke Hüfte zickt. Schwerer Rucksack, lange Strecken und Pflastersteine, das ist definitiv keine Liebesgeschichte. Heute haben auch die Anderen schon etwas gelitten. Am meisten hörte ich von ihnen mit einem leisen Fluchen, es seien die Knie oder die Füsse.

    Morgen ist es nur eine kurze Strecke. Entweder zu Fuss, oder falls die Hüfte wieder meckert, halt via Uber. Wenn ich eins in den letzten fünf Jahren gelernt habe: auf mich zu hören.

    Wir hören uns!
    Kuss Kuss
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  • In der Ruhe liegt die Kraft

    September 18, 2025 in Portugal ⋅ ☁️ 20 °C

    Heute muss ich tatsächlich etwas Ruhen. Die pralle Sonne von gestern zeigt vermutlich ihre Wirkung. Der Rezeptionist gestern, war aber lieb und reichte mir eine Flasche Saft und Eissack auch um Mitternacht.

    Gestern war der Weg einfach wunderschön. Ich habe es in vollen Zügen genossen. Der Wind allerdings war ein Trickser: er liess es angenehm erscheinen, während die Sonne von oben herabbrennte.

    Jetzt finde ich Ruhe in Esposende, in einem wundervollen Guesthouse, ein kleines, blaues Häuschen. Eine nette Gastgeberin hiess mich willkommen.
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  • Paket in die Heimat

    September 19, 2025 in Portugal ⋅ ☁️ 22 °C

    Heute geht es mir schon etwas besser, auch wenn der Kopf noch ein bisschen scheppert. War wohl wirklich ein lästiger Sonnenstich. Die heutige Strecke habe ich dann doch kurzerhand ge-ubert, moderne Pilgertechnik sozusagen.

    Dann kam die nächste Herausforderung: mein Rucksack. Offiziell im grünen Bereich, für mich aber gefühlt ein schwerer Anker. Eine Lösung musste her. Also zwei Haufen gemacht: „Muss bleiben“ und „Warum um Himmels willen habe ich das überhaupt eingepackt?“. Ergebnis: ein teures Paket nach Hause, aber immerhin 2,7 Kilo leichter. Andere lassen gleich alles transportieren oder laufen ohne Gepäck, auch keine schlechte Strategie.

    Jetzt jedenfalls bin ich in Viana do Castelo gelandet. Ein Ort, so schön, dass er sich fast wie ein kleiner Urlaub anfühlt. Und genau dafür habe ich hier auch ein bisschen mehr Zeit eingeplant.
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  • Von Nata bis Santa Luzia

    September 21, 2025 in Portugal ⋅ 🌬 19 °C

    Hier war einiges los:

    * Mein Pastel de Nata-Zähler ist wieder gestiegen. Aktuell: +7
    * Ich bin gestern in eine kleine Touristenfalle geraten, passiert den Besten! 😉
    * Zum Abend gab es ein grosses Buffet für nur 9.95 €, das hat die Tourifalle vom Mittag wieder gut gemacht.

    Das Highlight war der heutige Besuch der Kirche Santa Luzia. Hoch ging es ganz entspannt mit dem Elevador de Santa Luzia, der ältesten Zahnradbahn Portugals. Oben hat mich eine beeindruckende Aussicht erwartet: Stadt, Fluss und Atlantik in einem Bild, wirklich wunderschön.
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  • Strasse via XIX

    September 22, 2025 in Portugal ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute ging es wieder los, mit vielen kleinen Stopps. Pilger werden hier wirklich verwöhnt: mal ein Teller Kartoffelsalat, mal ein Kaffee, mal eine Banane. Kleine Gesten, die den Weg leichter machen. Heute habe ich etwa halbe - halbe gemacht. 12 km Marsch und 13 km mit dem Auto, da meine Gastgeberin krank ist, ging es von Affife aus, doch schon einen Ort weiter.

    Diesmal führte die Route mehr durchs Landesinnere: alte Steinmauern spendeten Schatten, dazwischen Oliven- und Obstbäume, viel Grün. Wilde Brombeeren, Walderdbeeren und Kräuter. Der Meerblick war zwar wunderschön, aber heute war der Schatten fast noch besser!

    Zum Mittag gab es eine Tortilla, so gut, dass ich ernsthaft überlegte, einfach sitzen zu bleiben...

    Ganz nebenbei laufe ich hier auf Geschichte: auf der alten römischen Strasse via XIX. Schritte auf denselben Steinen wie Menschen vor 2000 Jahren. Legionäre, Händler und Pilger.

    Ist das nicht irgendwie cool?
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  • Handwasch Tag

    September 23, 2025 in Portugal ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute habe ich im winzigen Lavabo meine gesamte Ausrüstung gewaschen und die Suppe im Becken war schon eher braun als klar. Kaum trat ich heute vor die Tür, stand ich direkt neben einem Waschsalon. Na bravo. Der Camino liebt offenbar kleine Witze.

    Ich erinnerte mich an die Worte einer Pilgerin: „Der Camino gibt dir alles, was du brauchst.“ Ja... offenbar auch Spott. 😃 Vielleicht höre ich auch einfach nicht richtig zu.

    Für die BuenCamino App habe ich bisher noch keine Spende gemacht, aber es hiess, man könne stattdessen einfach unterwegs etwas Gutes tun. Und siehe da: Eine Pilgerin, etwa in meinem Alter aus der USA, stand heute etwas verloren am Wegesrand. Oder eher humpelnd. Ich fragte: „Brauchst du Hilfe?“ Sie: „Ja, wie komme ich zur Pharmacy? Ich brauche Ibuprofen, Blasenpflaster und Sonnencreme.“ Da mein Zimmer gleich um die Ecke war, bot ich an, schnell mein Necessaire zu holen. Ihr Gesicht strahlte, als hätte ich ihr ein Wunder versprochen. Sie war schon 20 km unterwegs und hatte noch 9 km vor sich. Ich glaube auf extra Kilometer zur Apotheke konnte sie gerne verzichten.
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  • San Salvatore in Sicht?

    September 24, 2025 in Portugal ⋅ ⛅ 19 °C

    Die „Bom Caminhos“ sind irgendwie etwas leiser geworden. Man merkt, jeder ist jetzt im eigenen Rhythmus unterwegs. Auch ich bin schlauer geworden: an jedem Brunnen, zack den Hut nass gemacht.

    Von Praia de Âncora bis Caminha läuft man meist an der Küste entlang, über Holzstege und Dünen, mit dem Meer immer in Sicht.

    Ich habe mich schon mehrmals auf dem Weg gefragt, warum denn die Algen am Strand, so ausgebreitet in Rechtecken liegen? Anscheinend früher als Dünger, heute auch für Kosmetik, Medizin oder in der Küche, meint Google.

    Unterwegs Esel, Ziegen und Hühner. Fast wie ein kleiner Bauernhof am Weg. Dazwischen auch mal Disteln und Passionsblumen.

    Mein Rucksack? Wir werden langsam Freunde. Keine grosse Liebe, aber er hat wenigstens aufgehört, mich ständig zu nerven. 😅 Auf einem Campingplatz im Wald, habe ich mein Lunch genossen. Das nette Paar aus Österreich hat sich küchentechnisch für mich sehr ins Zeug gelegt, hat geschmeckt.

    In Caminha wartet dann der Fluss Minho. Entweder Fähre oder Taxiboot, so käme man nach A Guarda Spanien hinüber.
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  • Marina im Schlaraffenland

    September 26, 2025 in Portugal ⋅ ☀️ 17 °C

    Der Kreis hat sich in Porto wieder geschlossen. Nach der gemütlichen Zugfahrt von Caminha, gerade mal anderthalb Stunden, war ich zurück. Und habe mir dort ein Leben wie ein König gegönnt. Mittagessen mit Blick über Stadt und Fluss, ein grosser Fisch auf dem Teller. Da ich Porto schon kenne, gab es null Stress, einfach treiben lassen.

    Und dann das Beste zum Schluss das Hotel. Ehrlich gesagt war ich zuerst misstrauisch, so günstig, das klang fast zu schön, um wahr zu sein. Ich dachte schon, ich lande irgendwo in einer Bruchbude ohne Fenster. Aber nein, brandneu eröffnet, erst eine Woche alt, deshalb noch ohne grosse Bewertungen. Und es war wirklich ein Volltreffer. Alles nagelneu, mit Liebe gemacht, dazu ein Empfang, bei dem man sich fast wie ein VIP fühlt. Sie haben sich alle so ins Zeug gelegt.

    Der Jakobsweg selbst war eine grossartige Erfahrung. Klar, offiziell endet er in Santiago, doch für mich war aus Zeitgründen in Caminha Schluss. Und trotzdem fühlte es sich wie ein Ziel an, ein Wegstück, das sich geschlossen hat. Irgendwann werde ich weitergehen, die offenen Kilometer einlösen, den Faden wieder aufnehmen. Bis dahin bleibt dieser Abschnitt für mich ein kleiner Schatz: Meer, Holzstege, Begegnungen, etwas Leiden, Stille, Freude, Up und Downs. Und vielleicht ist das ja gerade das Schöne am Camino, dass er nie wirklich endet, sondern immer nur eine Pause macht.

    Fortsetzung folgt?
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    Trip end
    September 26, 2025