• Neuer Versuch

    September 8, 2022 in South Africa ⋅ ☀️ 31 °C

    Heute, am 8. September 22 starten wir einen neuen Versuch und brechen Richtung Mozambique auf.
    Es ist schon spät, beinahe 12 Uhr, und ich bin mir nicht sicher, ob wir es heute noch über die Grenze schaffen.
    Karola haben wir gestern an meinem Geburtstag aus dem Krankenhaus geholt, sie ist verständlicherweise noch sehr angeschlagen und schwach. Deshalb müssen wir behutsam und vorsichtig vorgehen, damit sie keinen Rückfall erleidet.
    Im Krankenhaus wollte sie nicht länger bleiben, da sie dort weder nachts noch über Tag die Ruhe fand, ein wenig zu Kräften zu kommen oder sich zu erholen.
    Die Tage in Richardsbay auf dem Campingplatz haben wir restlichen Drei ganz relaxed angehen lassen, denn auch Kai hat und ich haben unsere Erkältung noch nicht ganz überwunden.
    Deshalb haben wir die Zeit und auch den Ort genutzt, die gesamte Wäsche zu reinigen und die Autos mit allem Drum und Dran noch einmal zu kontrollieren.
    Die Männer haben zudem viel Zeit am Strand verbracht. Dort war am Nachmittag unserer Anreise ein toter Wal angespült worden. Niemand konnte erklären, warum das Tier dort gestrandet war.
    Die Nachricht über das seltene Ereignis hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer. Von überall strömten Leute zu dem vorher stillen Fleckchen, bewaffnet mit Sägen, Macheten, Messern und Beilen. Damit rückten sie dem vorher intakt scheinenden Tier auf den Leib. Es war ein fürchterliches Gemetzel, stellenweise war das Meer blutgetränkt. Nein, das konnte ich mir nicht ansehen.
    Die Leute trugen ihre erbeuteten Teile davon, einige waren für den Eigenbedarf vorgesehen, andere sollten an Medizinmänner verkauft werden. Selbst die Rippen wurden abgesägt und mitgenommen.
    Kai meinte, dass von dem Wal nichts übrig bleiben würde. Und er behielt recht: am übernächsten Tag war alles verschwunden, so als ob es nie einen toten Wal gegeben hätte.
    Ich wüsste gerne, woran der kleine Wal ( er war nach Aussage der Männer ein noch junges Tier) gestorben ist.
    War er von einer Schiffsschraube verletzt worden oder hatte er sich einfach nur verirrt und nicht wieder in den Ozean hinaus gefunden?
    Dieses Rätsel werden wir nie lösen können, es wusste keiner einen Grund.
    😪
    Noch ein paar andere Tiere beschäftigten uns unentwegt, Gott sei Dank noch quicklebendig!
    Ich hatte den Frühstückstisch sorgfältig abgeräumt, die Männer waren noch einmal zum Meer spaziert, um die Lage zu checken.
    Es stand nichts mehr draußen, was für kleine Langfinger interessant sein könnte. Wir hatten ja schließlich gelernt und wussten inzwischen, dass man die Blau Apies nicht unterschätzen darf.
    Ein paar Sekunden nur wende ich mich vom Auto ab, um ein paar Essensreste in die gut verriegelte Mülltonne zu werfen. Dann drehe ich mich zurück zum Auto. Wann ist Viktor denn vom Meer zurück gekommen? Ich habe ihn gar nicht bemerkt. Er wirkt so zusammengesunken hinter dem Lenkrad, ganz unvertraut. Neben ihm sitzt noch einer, so klein, dass er kaum aus dem Fenster gucken kann. Kai???? Nee, das kann nicht sein. Ich komme näher und traue meinen Augen nicht. Auf den beiden Sitzen thront jeweils - wie selbstverständlich- ein Blau Apie, so als sei es ihr Auto.
    Die Türen hatte ich sorgsam geschlossen, sie sind auch nach wie vor zu.
    Jedoch hatte ich das Fahrerfenster einen guten Spalt offen gelassen. Da müssen sie sich innerhalb von Sekunden hindurch gewunden haben. Und nun sitzen sie da, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt wäre.
    Wieder ist mein Schrei filmreif. Fast gleichzeitig quetschen sie sich durch das Fenster, genauso schnell und und unspektakulär wie sie gekommen waren. Minutenlang stehe ich mit offenem Mund da und starre auf die Stelle, wo sie im Wald verschwunden sind.
    Nein, wir unterschätzen sie immer noch. Wir sind noch lange nicht auf 👀 Augenhöhe. 🤣
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