• Muriwai Beach und die Tölpel

    October 26 in New Zealand ⋅ 🌬 17 °C

    Die rauhe Küste erstreckt sich über 60 Kilometer und bietet eine einmalige Kulisse aus schroffen Klippen, tosenden Wellen und einer vielfältigen Flora und Fauna.

    Der schwarze Sand des Strandes, dessen Farbe durch den hohen Eisenanteil im Vulkangestein entsteht, ist eines der markantesten Merkmale von Muriwai Beach und verleiht der Küste ihr einzigartiges Aussehen.
    Wir haben das große Glück, an einem beeindruckenden Naturschauspiel teilzunehmen zu dürfen.
    Zwischen Oktober und März nisten nämlich etwa 70.000 australische Tölpel hier auf den vorgelagerten Inseln Neuseelands.
    Kleine Pfade und Aussichtspunkte ermöglichen es, die Vögel aus nächster Nähe zu beobachten - und die scheinen sich in keiner Weise an den neugierigen Touristen zu stören.

    Es sind sogenannte Austral-Tölpel, die sich am Anfang nur auf den bizarren Felsen im Meer niedergelassen hatten. Mittlerweile haben sie jegliche Scheu verloren und nisten sogar unmittelbar neben den Aussichtspunkten und an den Steilhängen der Kaipara Coast.
    Tölpeĺ erreichen eine Körpergröße von 84 bis 91 Zentimetern, ihre Flügelspanne beträgt unglaubliche 170 bis 200 Zentimeter.
    Benannt sind sie nach ihrem unbeholfen wirkenden Gang auf dem Land.
    Dafür aber sind sie regelrechte Künstler der Lüfte.
    Die schmalen Flügel setzen relativ weit hinten am Körper an und ermöglichen dadurch beeindruckende Flugmanöver selbst bei stärkstem Wind.
    Entdecken sie weit unter sich eine mögliche Beute, so stürzen sie sich aus Höhen von 30 Metern und mit Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h senkrecht in die Tiefe.
    Im Moment des Auftreffens auf der Wasseroberfläche pressen sie ihre Flügel eng an den Körper, so dass sie mit ihrem langen, kräftigen Schnabel voran wie mit einer Harpune durchs Wasser schießen und dabei bis zu 30 Meter tief ihr Opfer jagen.
    Tölpelnester bestehen aus Seetang, Gras, Erde und Treibgut jeglicher Art. Das Nistmaterial wird überwiegend vom Männchen gesammelt, mitunter auch aus gerade nicht besetzten Nestern in der Nachbarschaft gestohlen. Das Weibchen verbaut das angschleppte Material sorgfältig und flickt und verbessert das Nest während der gesamten Brutperiode.
    Das Gelege besteht nur aus einem einzigen Ei, da die Küken sehr verletzlich und anstrengend in der Aufzucht sind.
    Ab Januar ist es dann so weit: die Küken schlüpfen und stürzen sich wenig später zu ihrem allerersten Flug vom Felsen und fliegen sofort ca 2000 Kilometer bis nach Australien.
    Erst nach 4- 5 Jahren kehren sie in ihre Heimat Neuseeland zurück, um selbst hier zu brüten.
    Tölpel sind übrigens streng monogam und bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen. Wenn einer stirbt, sucht der andere sich keinen neuen mehr.
    Weltbekannt wurde der Tölpel Nigel, der jahrelang als einziger echter Vogel unter unzähligen Beton - Attrappen auf der Insel Mana lebte und ausgerechnet eine dieser Nachbildungen als seinen Partner auserkor. Bis zu seinem Tod mied Nigel andere Vögel und kümmerte sich ausschließlich um seine Partnerin aus Stein.
    Ein Ranger fand den toten Nigel eines Tages direkt neben dem geliebten Beton - Tölpel.
    Über die Todesursache sind sich die Wissenschaftler nicht ganz einig, aber es wird vermutet, dass Nigel an seinem gebrochenem Herzen starb.
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