Tag 7: Caminha - Valença (16 km + 15 km)
May 8, 2024 in Portugal ⋅ ⛅ 27 °C
Heute habe ich geschummelt und ein Stück den Zug genommen. Aber von vorn.
Auch wenn ich früh aufwache, habe ich im Gegensatz zu den letzten Tagen ziemlich gut geschlafen. Keine Italiener, die morgens mit Plastiktüten lärmen, kein schwankendes Bett.
Die Strecke, die die Gruppe geplant hat, ist aber ganz schön ambitioniert, und meinen Füßen geht es nicht so super gut. Ich nehme mir vor, einfach mal zu starten und zwischendurch zu schauen, wie es mir geht. Ausnahmsweise schaue ich für die Planung des Wegs glücklicherweise nicht nur in die Apps, sondern ziehe auch meinen Reiseführer zurate, der erklärt, dass die beiden heutigen Teilstrecken auch am Fluss entlang gelaufen werden können.
Das kommt mir zu gute, denn alternativ würden heute einige Steigungen anstehen und die Bilder, die ich von anderen aus der Gruppe bekomme, sehen zwar schön, aber wahnsinnig anstrengend aus.
Die erste Stunde läuft auch noch halbwegs in Ordnung, aber bald merke ich, dass ich heute auf keinen Fall 30km schaffe. Mein Fuß schmerzt und dadurch belaste ich den anderen stärker, der dann auch anfängt, an der Ferse zu schmerzen. Also Stöcke raus kramen und schauen, ob es damit besser geht.
Ich treffe unterwegs auf Bogo, der sich mit einem Mädchen aus Deutschland (aus Weinheim, wie klein ist Deutschland bitte?!) verlaufen hat und zeige den beiden den schöneren, aber nur als Spazierweg gekennzeichneten Weg am Fluss.
Ich warne schon mal vor, dass ich eventuell die Gruppe heute Abend nicht mehr erreiche und bekomme die hilfreiche Antwort, auf meinen Bauch zu hören, da es mein Camino ist und ich niemanden etwas beweisen muss.
Mein Bauch hat erst mal Hunger, und während ich Pause mache, lasse ich mir die Alternativen durch den Kopf gehen. Weiterlaufen bis zum Ende kommt heute nicht in Frage. Ein Blick in Reiseführer und App macht deutlich, dass auch Unterkünfte nur mit Buchung verfügbar wären. Aber parallel zum Fluss verfolgt mich heute schon den ganzen Tag eine Bahnstrecke, das könnte die Rettung sein.
Als ich tatsächlich im nächsten Ort direkt am Bahnhof vorbeilaufe und nur 20 Minuten später der passende Zug käme, sehe ich das als Zeichen. Camino provides und 15km „Schummeln“ wird mir wohl keiner übel nehmen.
Aus dem Zug heraus kündige ich mich schon mal Speedy an, der schon seit ner halben Stunde angekommen ist und sich freut, dass ich ihm gleich an der Herberge Gesellschaft leisten werde.
Nach dem Checkin hängen wir beide im Garten der Unterkunft, reden und verfolgen die Updates, die die anderen schicken.
Heute hat keiner einen guten Tag. Bogo habe ich zwar rechtzeitig auf die Flussstrecke verwiesen, aber auch mit Schatten zieht es sich. Die anderen drei haben noch nicht mal meine Bahnstation passiert, während ich schon angekommen bin. Patricija überlegt an den Fluss zu wechseln, entscheidet sich aber dann auch für den Zug, da sie schon Sonnenbrand hat. Die anderen beiden quälen sich weiter und wir fiebern zu viert mit, nachdem Bogo und Patricija beide auch in der Unterkunft sind.
Es wird 18 Uhr, bis alle vor Ort sind, zum Glück haben wir uns für eine sehr große Herberge entschieden, die auch jetzt genug freie Betten bietet.
Zum Essen gehen, kochen oder Stadt anschauen fehlt uns heute allen die Energie, der 2 Min entfernte Supermarkt bietet aber genug Fertiggerichte, dass wir ein kleines Gartenpicknick machen können und sich Patricija und Bogo am Ende sogar dankenswerterweise aufraffen, nochmal Eis zu kaufen.
Morgen werden wir’s nach Spanien schaffen und Speedy schlägt vor, zumindest die ersten KM bis dort gemeinsam zurückzulegen. Er sucht wohl mal die Herausforderung, langsam zu laufen. Wir sind alle gespannt…Read more






