Auschwitz-Birkenau
June 25 in Poland ⋅ ☀️ 25 °C
Wir nahmen den Holocaust in der Schule durch, wir sahen unerträgliche Filme, wir lasen Berichte von Überlebenden. Alles ist nichts im Vergleich zur Erfahrung hier vor Ort - selbst 85 Jahre später. Stefan und ich sind uns einig: Das muss man gesehen haben.
Heute ist die Baracke leer und sauber. Trotzdem meinen wir, die stickige Hitze nach fünf Minuten nicht mehr auszuhalten. Lächerlich. Stell dir 450 Menschen hier drinnen vor. Menschen, die sich seit Wochen nicht waschen konnten. Schwer arbeitende Menschen. Hungernde Menschen, Frauen 30 Kilo, Männer 35 Kilo. Kranke Menschen. Sterbende Menschen. Schmutz. Exkremente. Erniedrigung. Angst. Erschöpfung. Verzweiflung. Zweimal am Tag 10 Sek. Zeit auf dem Klo mit 180 anderen in einem Raum. Latrinen leerschaufeln galt als "guter Job", da kamen wegen des Gestanks keine schlagenden SS rein. Sag heute nicht, ich halte es hier drinnen nicht mehr aus.
1,3 Millionen Menschen wurden 1941-1945 hierher deportiert, 900 000 von ihnen sofort vergast und verbrannt. Auschwitz-Birkenau war das grösste Massenvernichtungs- und Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Mütter mit kleinen Kindern wurden sofort nach der Ankunft vergast, um Trennungsszenen zu verhindern. Um keine Panik aufkommen zu lassen. Unvorstellbar.
1500 Menschen pro Vergasung.
5000 pro Tag im Krematorium. Auf diese Effizienzsteigerung waren sie stolz. Ein Ingenieur aus Erfurt entwickelte "moderne" Anlagen mit Ventilationen und Aufzügen.
Was geht in einem Menschen vor, der das erfindet? Was geht in einem Arzt vor, der jeden Tag die Selektion vornimmt für sofortigen Erstickungstod und Verbrennen oder die Hölle des Arbeitslagers?
Wie kann auf der Kehrseite Viktor Frankl, der mehrere Konzentrationslager überlebt hat, danach ein Buch mit dem Titel "Trotzdem Ja zum Leben sagen" schreiben?
Von 8000 Nazis, die hier diese Gräuel verübten, wurden nach Kriegsende nur 400 verurteilt. Erbärmlich.
Die Frau des Lagerführers fand das Leben hier draussen "wunderbar". Gertrud blieb mit den fünf Kindern in Auschwitz, auch als ihr Mann anderswo stationiert wurde. Wie geht das?
Tun wir das Menschenmögliche, damit so etwas NIE WIEDER passiert. Und denken wir immer daran: Am Anfang stand einfach Rassismus…
Nie wieder. Nirgendwo. Aufhören!Read more
















