• Mirjam Andres
  • Stefan Hunziker
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Polen - Der Südwesten

Riesengebirge, Breslau, Milicz, Krakau, Auschwitz, Hohe Tatra Read more
  • Trip start
    June 12, 2026

    Bamberg

    June 12 in Germany ⋅ 🌧 15 °C

    Grösstes erhaltenes Altstadtensemble in Europa. 2400 denkmalgeschützte Häuser mit verwinkelten Gassen und urigen Kellern. Die Stadt in Oberfranken (Bayern) gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Alte Rathaus, den Dom, die Neue Residenz und „Klein Venedig“ an der Regnitz müsse man gesehen haben. („Wie viele kleine Venedigs gibt es eigentlich in Europa?“, fragt Stefan.)

    Bamberg ist tatsächlich imposant und malerisch! Leider hat es geregnet und war kalt. Entsprechend das Licht für Fotos flau, dafür hat am Abend das Bier brilliert🍻👌🏼. Weltweit berühmt ist das Rauchbier von Bamberg. Stefan fand's köstlich, ich weniger. Das Wetter kann nur besser werden, aber sonst sind wir sehr zufrieden, die längste Anfahrts-Etappe trotz Stau bei Stuttgart und Regen gut geschafft zu haben.

    Das Hotel lag nicht zentral, dafür um so schöner am heutigen sonnigen Morgen: Direkt an der Regnitz. Bei einem kurzen Morgenspaziergang im lauschigen Waldpark hat Stefan 25 Vogelarten gehört oder gesehen: Der Pirol habe sich gut versteckt, aber Schwarzspecht und Trauerschnäpper konnte er schön bei der Jagd nach Futter beobachten.

    Jetzt fahren wir durch die Fränkische Schweiz Richtung Görlitz. Wie viele Schweize gibt es eigentlich?
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  • Görlitz

    June 13 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Görlitz in der Oberleisitz ist ist die östlichste Stadt Deutschlands und gehört zum Bundesland Sachsen. Es liegt an der Neiße, die seit 1945 die Grenze zu Polen bildet. Weil Görlitz im Zweiten Weltkrieg weitgehend von den Bombern der Alliierten verschont blieb, ist die Altstadt so gut erhalten.

    Görliwood
    Die historischen Fassaden und malerischen Gassen der Stadt sind bei den Filmemachern beliebt, um die Epoche des Nachkriegsdeutschlands nachzustellen. Von den "The Grand Budapest" Hotel bis zu "Der Vorleser", hat sich Görlitz als Drehort für grosse Filmproduktionen etabliert.

    Ausserhalb der Altstadt gibt es viele Quartiere aus der Gründerzeit (+- 1900). Ein schönes grosses Haus nach dem andern, mir blieb der Mund offen.
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  • Dzień dobry

    June 14 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    "Nach Polen? Mit dem Auto hin, mit dem Zug zurück, haha?" Das hörten wir vor Abreise ein paar Mal. Der erste Halt in Polen gab einen komplett anderen Eindruck: Wir hatten kein Münz für den Parkomat, worauf uns eine junge Polin einfach so 5 Zloty spendierte, mehr als ein Franken!

    Die Spazierhalle des Kurhauses in Swjeradow-Zdroj (noch in Betrieb!) mit Lärchenholzkonstruktion ist umwerfend. Einst soll das Sanatorium bei Kurgästen aus Berlin sehr beliebt gewesen sein.

    Heute haben wir es genossen, nur kurze Strecken auf Landstrassen zu fahren. Was fällt am ersten Tag in Polen auf? Viel Wald. Schöne, weite, sattgrüne, abwechslungsreiche und unbesiedelte Landschaften, Alleen, extrem wechselhaftes Wetter (es ist immer noch kühl und regnerisch). Keine Flachdachhäuser, keine Kühe, keine Pferde, keine Schafe oder Ziegen, auch keine Hunde.

    Kurzer Halt in Jelenia Góra (Hirschberg) mit den schönen farbigen Häusern. Im 16. Jh. war das Hirschberger Leinen in ganz Europa begehrt. Die Stadt profitierte von der Lage an der Handelsstrasse zwischen Prag und Breslau. Der damalige Reichtum spiegelt sich in Kirchen und Bürgerhäusern.

    Knarrende, steile Holztreppen zum Dachzimmer, Jagdtrophäen, antike Bilder und Möbel, Stickereien und das köstliche Abendessen bei Kerzenlicht - wegen Stromausfalls: Heute ist das absolute Highlight Hotel Zamek Kapniki (Schloss Fischbach). Im Reiseführer entdeckt, dachte ich erst, das könnten wir uns niemals leisten. Aber es ist günstiger als jede Absteige in der Schweiz.... Wir entdecken mit offenem Mund den fantastischen Park und das Schloss - und geniessen einfach. Und üben etwas polnisch: Dzień dobry (tschen dobre) - Guten Tag.
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  • Kirche Wang

    June 15 in Poland ⋅ ☁️ 11 °C

    Die aus dem 12. Jh. stammende Stabkirche stand bis 1841 in Norwegen. Die Holzkirche war für den Abriss vorgesehen, weil sie für die dortige Gemeinde zu klein geworden war.

    Christian Dahl kaufte sie, um sie zu retten und in Christiania (heute Oslo) wieder aufzubauen, was misslang. Dahl konnte aber tatsächlich König Friedrich Wilhelm IV. von der wahnwitzigen Idee überzeugen, die Kirche in dessen Sommerresidenz im Hirschberger Tal wiederaufzubauen.

    Nach der Demontage folgte eine abenteuerliche Reise durch Gebirge, über die Ostsee, über Flüsse und Kanäle und schliesslich schmale Bergstrassen ins Riesengebirge. 1844 wurde sie in Karpacz (Krummhübel) eingeweiht.

    Den Rest des Tages lümmle ich auf dem Sofa in der Ferienwohnung, froh darüber, lange Trainerhosen und Wolljäckli dabei zu haben. Statt wärmer, ist es noch kälter geworden: 11 Grad brrr! 🥶
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  • In Rübezahls Reich

    June 16 in Poland ⋅ ☁️ 16 °C

    Heute früh scheint endlich mal so richtig die Sonne, und wir freuen uns auf unsere erste Wanderung - im Riesengebirge (vergleichbar mit dem Jura). Der Anstieg durch den Fichtenwald ist angenehm und ruhig. Auf halber Höhe kommen wir auf die Haupt-Wanderroute - der Weg sehr dauerhaft mit Steinen gepflastert, zum Wandern eher anstrengend. Wir staunen, wie wanderfreudig die Polen sind - oder kommen einfach alle Wanderfreudigen hierher?

    Das Vorhaben, den höchsten Gipfel - die Schneekoppe (1600 m) - zu besteigen, lassen wir aufgrund der Menschenmassen und des schlechter werdenden Wetters bleiben und kehren dafür in einer „Baude“ ein. In der Warteschlange haben wir zum Glück genügend Zeit, die Speisekarte zu übersetzen, und entscheiden uns für die ersten Piroggen - typisch polnische Teigtaschen.

    Unterwegs machen wir einen Zwischenhalt bei Schloss Fürstenstein. Die Nazis hatten bereits begonnen, sie als Hitlers Hochburg mit unterirdischen Bunkern einzurichten. Das Schloss soll 400 Säle haben. Wir verzichten auf den Besuch des Innern - uns zieht es nach Breslau. In der Kulturhauptstadt Europas 2016 gibt es laut Reiseführern sehr viel Spannenderes zu entdecken.
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  • Kulturstadt an der Oder

    June 17 in Poland ⋅ ☁️ 24 °C

    112 Brücken, 12 Inseln, Kulturhauptstadt Europas 2016, gewaltige geschichtliche Umwälzungen: Wrocław (Breslau) gehörte über Jahrhunderte verschiedensten Herrschaften an. Anfang 1945 lebten rund eine Million Menschen in der Stadt, darunter viele Deutsche. Jüdinnen und Juden fielen dem Holocoust zum Opfer. Nach der Niederlage von Nazi-Deutschland mussten 700 000 Menschen die Stadt bei eisiger Kälte verlassen, 90 000 von ihnen kamen ums Leben. Von Osten her wurden neue Menschen angesiedelt. Bevölkerungsaustausch - quasi über Nacht. Aber damit war das Elend noch lange nicht zu Ende.

    3 Reiseführer zu Breslau sind im Gepäck, sehr viel ist mit Leuchtstift markiert. Wo beginnen? Vielleicht heute am besten einfach mal losschlendern - und den Blick auf die positiv pulsierende Stadt von heute lenken. Und staunen, wie die Menschen das geschafft haben. Welche Resilienz! Auch dank ihrem Glauben, der Wissenschaft und der Kultur.
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  • Moderne Architektur

    June 17 in Poland ⋅ ☁️ 23 °C

    Mir fallen die zahlreichen ästhetisch ansprechenden, modernen Gebäude auf. Vielleicht sollte die Schweiz nicht nur Erntehelfer*innen und Pflegefachpersonen aus Polen engagieren, sondern auch begabte Architekt*innen holen. Oder liegt es bei uns etwa an den Bauherrschaften?

    Schnappschuss-Fotos oft aus dem Tram geschossen
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  • Breslau (Wrocław)

    June 18 in Poland ⋅ ☁️ 24 °C

    Das Schöne am nicht en detail geplanten Reisen: die spontanen Schlenker und Entdeckungen. Gehen wir hier oder da lang? Ein paar Schritte weiter stolpern wir auf ein lauschiges Café oder ein cooles Mural. Zu Fuss zum Wasserturm, oder mit dem Tram? Hmm, Tram - nein komm, wir gehen! Und schon schwebt vor uns überraschend ein Gondeli über die Oder. Es verbindet das Polytechnikum mit Unigebäuden am anderen Ufer - das 'Polybähnli' von Breslau quasi. Erspart uns einen Umweg, perfekt! Das Personal macht Mittagspause, also schauen wir den Jungen zu, die gerade Popup-Bars aufstellen. Steht alles nicht im Reiseführer...

    Wie im Baltikum und in Prag begeistern die unglaublich modernen und enorm gut gemachten Museen. Hier HYDROPOLIS, das Wasser-Wissenszentrum von Polen. Von Wasserplanet Erde und Ozean, über Wetter und Wasserzustände, Tiefsee und Schifftransport zu Wasserbau, Wasseraufbereitung und Kanalisation zeigt die Ausstellung alle Vorgänge, die mit Wasser zu tun haben.
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  • Breslaus Geschichte

    June 19 in Poland ⋅ ☀️ 29 °C

    Wir sind erschlagen - von der Hitze und der Informationsflut aus dem "Depot der Erinnerungen" und der Synagoge. Der Besuch hat sich aber gelohnt, um richtig in Polen anzukommen.

    Das historische Zentrum - wiederum mega gut gemacht (!) - führt uns durch die Geschichte von Breslau zwischen 1939 und 2016. Kurze Rückblende: In der Zweiten Polnischen Republik zwischen den Weltkriegen genoss Polen zum ersten Mal seine Unabhängigkeit und prosperierte in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Kurzes Glück: Der 1939 geschlossene Pakt zwischen Sowjets und Nazi-Deutschland besiegelte das traurige Schicksal und die wechselvolle Geschichte der Pol*innen für Jahrzehnte.

    Die Ausstellung führt vom grossen Bevölkerungsaustausch 1945 über die Jahre unter kommunistischer Staatsgewalt bis zu den Widerstandsbewegungen der Solidarnosc. Sie unterstreicht zudem den enormen Einfluss von Kultur, Wissenschaft und Kirche bis zu den ersten freien Wahlen im Jahr 1989.

    Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, lebten etwa 20 000 Juden in Breslau. Infolge des zunehmenden Antisemitismus verliessen 9000 Juden die Stadt. Ab November 1941 wurden 7000 Breslauer Juden in Ghettos, Konzentrationslager oder Vernichtungszentren deportiert. Die neue prächtige Synagoge wurde zerstört. Die alte "Synagoge zum Weissen Storch" überstand den Krieg nur, weil die Nazis befürchteten, dass sich das Feuer in der Altstadt ausbreiten könnte.
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  • Die Hutschachtel

    June 20 in Poland ⋅ ☀️ 28 °C

    1913 nach nur 13,5 Monaten (!) Bauzeit eröffnet, Meisterwerk der Moderne. Die 42 Meter hohe, frei schwebende Kuppel aus Stahlbeton der Jahrhunderthalle in Breslau war damals die grösste weltweit.

    Lange fürchteten Besuchende, sie würde über ihnen zusammenbrechen, doch als einige von wenigen Bauten in Breslau überstand die Halle beide Weltkriege unbeschadet. Die Tortenschachtel oder Hutschachtel genannte Halle fasst 10 000 Zuschauende und ist UNESCO Weltkulturerbe.

    Architekt Max Berg ebnete den Weg für den Einsatz von Stahlbeton beim Bau grosser öffentlicher Bauwerke. Im Innern wirkt die Halle auf mich trotz der riesigen Kuppel aus Beton hell und leicht.

    Heute finden noch immer grosse Events, vor allem Kongresse, statt. Gerade richten sie einen Psychologie-Kongress inkl. Konzert eines bekannten polnischen Musikers ein. Was in dieser über 120 Jahre alten Halle an moderner Technik verbaut werden kann, verblüfft.
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  • Raus in die Natur

    June 20 in Poland ⋅ ☁️ 30 °C

    Nach immer heisser werdenden Tagen in der Stadt freue ich mich, wieder in die Natur zu kommen. Die Hitze können wir aber noch nicht zurücklassen und so sind wir sehr erfreut, dass unsere Holzhütte klimatisiert ist. Nach etwas Erholung zieht es mich aber wieder raus. Und zwar an einen Teich, Teil des Naturschutzgebiets Militzer Seenplatte, welche wiederum Teil des Landschaftsschutzparks Bartschtal ist. Das Gebiet um die Kleinstadt Milicz besteht aus über 250
    Teichen, welche seit Urzeiten für die Fischzucht, v. a. von Karpfen genutzt werden. Der enorme Fischreichtum zieht Unmengen von Wasservögeln an: Kormorane, Grau- und Silberreiher, Graugänse, Höcker- und auch Singschwäne und jede Menge Singvögel. Im Herbst zur Zugzeit sind es dann noch viele mehr. Hier kommt auch der Seeadler vor, Wappentier Polens - ob wir ihn entdecken werden?

    Am nächsten Morgen stehen wir schon um 5 auf - hier ist es schon taghell. Ob wir den Biber wieder sehen, der mir gestern begegnet ist? Mirjam würde es freuen, leider zeigt er sich nicht. Dafür Tausende von Vögeln, Hirschkühe mit ein paar Kälbern waten durch das seichte Wasser, und da: tatsächlich zeigt sich ein Seeadler, sogar einigermassen in Handy-Fotodistanz. Nach einem stärkenden Frühstück geniesst Mirjam die Hängematte, während ich nochmals losziehe und dann auch noch die gesuchten Rot- und Schwarzhalstaucher entdecke. Als Mitbringsel fülle ich eine Büchse mit köstlichen Heidelbeeren.
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  • Juwel an der Weichsel

    June 23 in Poland ⋅ ☀️ 24 °C

    In der Altstadt bleiben wir alle paar Schritte staunend stehen und zücken das Handy zum Fotografieren. Bei so viel Schönheit liegt es auf der Hand: Wir sind hier nicht die einzigen Touris.

    Anders als Breslau blieb Krakau (Kraków) im Zweiten Weltkrieg verschont und konnte seinen Glanz bewahren. Das Herz der Stadt gehört mit den vielen Highlights wie dem Hauptmarkt, der Marienkirche und der Tuchhalle bereits seit 1978 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Krakau soll die heimliche Hauptstadt der Pol*innen sein.

    Dass Krakau auch eine Hochburg des Klerus ist, merkt man an den vielen Kirchen und dem Kult um den ehemaligen polnischen Papst.

    Die Stadt war aber auch ein Zentrum der Juden. Nirgendwo in Europa - ausser annähernd in Prag - soll es so viele jüdische Sehenswürdigkeiten wie hier geben. Vor dem Zweiten Weltkrieg war ein Viertel der Bevölkerung dieser Stadt jüdisch. Allein aus Krakau wurden 65'000 Menschen während der deutschen Besatzungszeit ermordet.
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  • Franziskanerkirche in Krakau

    June 23 in Poland ⋅ ☀️ 24 °C

    "Ich habe noch nie so eine schöne Kirche gesehen", sage ich zu Stefan. Dabei war sie nur in einem kleinen Abschnitt im Reiseführer erwähnt. Die intensiven Farben, diese für eine Kirche ungewohnten floralen Ornamente, die modernen Fenster, der Sternenhimmel, das geheimnisvolle Licht: Diese vom Krakauer Maler, Schriftsteller und Architekt Stanisław Wyspiański (1869-1907) gestaltete Kirche nimmt uns in ihren Bann. Sie wirkt warm und strahlt Geborgenheit aus. Sie umwickelt mich wie eine warme, flauschige Decke und tröstet mich. Die Aussenwelt ist weit weg. Ich werde ruhig. Ich möchte hier bleiben. Es ist wie ein Rausch.

    Obwohl dieser Raum für uns von atemberaubender Schönheit ist, sind nicht viele Touristen hier. Kein Ticketverkauf, keine Warteschlange wie bei anderen Kirchen. Alle Besuchenden bewegen sich andächtig, manche beten, andere zeichnen. Warum sind gerade sie mit uns zusammen hier gelandet?Magisch.
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  • Krakaus Geschichte

    June 24 in Poland ⋅ ⛅ 26 °C

    Rynek-Underground
    Die auf 3000 qm angelegte Ausstellung erzählt unter dem Hauptmarkt dessen Geschichte. Überreste mittelalterlicher Gebäude und Fundamente der Tuchhalle, Artefakte wie Münzen und Werkzeuge sowie unterirdische Handelsräume und Gänge, die bei Ausgrabungen 2005-2010 durch Archäolog*innen freigelegt wurden.

    Was ist hängengeblieben?
    Das blühende Zeitalter begann für Krakau um 1500. Ein selbstbewusstes Bürgertum von Kaufleuten hatte die Stadt aufblühen lassen. Im 14./15. Jh. war Blei aus Polen und ungarisches Kupfer die wichtigste Ware für Krakauer Händler. Aus Ungarn wurde auch Eisen, Wein, Öl, Wachs und Felle importiert und nach Norden in preussische Städte oder flandrische Häfen weitertransportiert. Nach dem Verkauf dieser Waren besorgten die Händler flämische Tuche, Rosinen, Feigen, Mandeln, Salzwasserfische und Reis, und kehrten damit nach Krakau zurück.

    Krakau war eine der wenigen Handelsstädten der Hanse, die nicht direkt am Meer lagen. In der Hanse wurde Krakau das Kupferhaus genannt.

    Marienkirche
    Boah, ist die gewaltig und schön! Auch diese Kirche ist bis in die letzte Ecke intensiv farbig ausgemalt. Wie viele Menschen haben an diesem Gesamtkunstwerk wie viele Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte gearbeitet? Hatten die damals mehr Zeit als wir heute? Wofür investieren wir eigentlich unsere Zeit? Was ist uns so viel Zeit und Geld wert?
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  • Auschwitz-Birkenau

    June 25 in Poland ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir nahmen den Holocaust in der Schule durch, wir sahen unerträgliche Filme, wir lasen Berichte von Überlebenden. Alles ist nichts im Vergleich zur Erfahrung hier vor Ort - selbst 85 Jahre später. Stefan und ich sind uns einig: Das muss man gesehen haben.

    Heute ist die Baracke leer und sauber. Trotzdem meinen wir, die stickige Hitze nach fünf Minuten nicht mehr auszuhalten. Lächerlich. Stell dir 450 Menschen hier drinnen vor. Menschen, die sich seit Wochen nicht waschen konnten. Schwer arbeitende Menschen. Hungernde Menschen, Frauen 30 Kilo, Männer 35 Kilo. Kranke Menschen. Sterbende Menschen. Schmutz. Exkremente. Erniedrigung. Angst. Erschöpfung. Verzweiflung. Zweimal am Tag 10 Sek. Zeit auf dem Klo mit 180 anderen in einem Raum. Latrinen leerschaufeln galt als "guter Job", da kamen wegen des Gestanks keine schlagenden SS rein. Sag heute nicht, ich halte es hier drinnen nicht mehr aus.

    1,3 Millionen Menschen wurden 1941-1945 hierher deportiert, 900 000 von ihnen sofort vergast und verbrannt. Auschwitz-Birkenau war das grösste Massenvernichtungs- und Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Mütter mit kleinen Kindern wurden sofort nach der Ankunft vergast, um Trennungsszenen zu verhindern. Um keine Panik aufkommen zu lassen. Unvorstellbar.

    1500 Menschen pro Vergasung.
    5000 pro Tag im Krematorium. Auf diese Effizienzsteigerung waren sie stolz. Ein Ingenieur aus Erfurt entwickelte "moderne" Anlagen mit Ventilationen und Aufzügen.

    Was geht in einem Menschen vor, der das erfindet? Was geht in einem Arzt vor, der jeden Tag die Selektion vornimmt für sofortigen Erstickungstod und Verbrennen oder die Hölle des Arbeitslagers?

    Wie kann auf der Kehrseite Viktor Frankl, der mehrere Konzentrationslager überlebt hat, danach ein Buch mit dem Titel "Trotzdem Ja zum Leben sagen" schreiben?

    Von 8000 Nazis, die hier diese Gräuel verübten, wurden nach Kriegsende nur 400 verurteilt. Erbärmlich.
    Die Frau des Lagerführers fand das Leben hier draussen "wunderbar". Gertrud blieb mit den fünf Kindern in Auschwitz, auch als ihr Mann anderswo stationiert wurde. Wie geht das?

    Tun wir das Menschenmögliche, damit so etwas NIE WIEDER passiert. Und denken wir immer daran: Am Anfang stand einfach Rassismus…

    Nie wieder. Nirgendwo. Aufhören!
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  • Tatra - nicht nur Idylle

    June 25 in Poland ⋅ ☀️ 22 °C

    Wir hatten Glück mit dem Ferienhäuschen. Beziehungsweise Stefan hat einmal mehr sein Händchen für Ferienlogis bewiesen. Im Dorf Brzegi ist das urige Ambiente der Bergregion noch einigermassen erhalten, das Glockenspiel der Kirche bezaubernd. Das Ferienhaus wurde sanft renoviert und innen ganz in Holz belassen.
    Aber rund um den Hauptferienort Zakopane hat die Region des Bergvolks der Góralen ihren Charme verloren. Ab den 90er-Jahren wurden innert kürzester Zeit riesige Hotels, Ferienhäuser, Skilifte und Vergnügungsparks für die Massen von Touristen aus Polen, Tschechien Slowakei, Ungarn und neuerdings aus Arabien hochgezogen. Und es wird fleissig weitergebaut. Die Häuser ähneln nur noch in ihrer Form den ursprünglichen Holzhäusern. Die Autobahn ist mit riieesigen Reklametafeln gepflastert, die für Aquaparks, Thermen und Nobelmarken werben. Supermarkts sind täglich 6 bis 23 Uhr offen. Aber Hand aufs Herz: In Davos oder Haute-Nendaz sieht es nicht schöner aus. Es passierte bloss etwa dreissig Jahre früher.

    Fahrt also nicht in die Hohe Tatra, weil unsere Fotos so idyllisch aussehen! Zakopane gehört zu den touristischsten Gegenden Polens. Einheimische raten, weiter in den Osten zu reisen, um ruhige Natur zu geniessen.

    Unsere Vermieter Mariola und Guido laden uns spontan zu ihrem Festli zum 30. Hochzeitstag ein. Auf einer Wiese geniessen wir bei Sonnenuntergang einen fröhlichen Abend mit warmherzigen Menschen. Wir sind dankbar für diese Begegnungen. So tauchen wir wirklich ein in das Land. Unterwegs im Wohnmobil wäre dies kaum möglich - vermute ich.
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  • Wandern in der hohen Tatra

    June 27 in Slovakia ⋅ ☀️ 20 °C

    Genug Städte. Die letzten Tage geniessen wir auf dem Land, in der hohen Tatra. Hier erreichen die Bergspitzen etwas mehr als 2600 m. In einem kleinen Dorf haben wir ein gemütliches Häuschen gefunden, bei sympatischen Gastgebern. Endlich wieder mal selber frisches Gemüse kochen und das eigene Frühstück zubereiten mit Kirschen und Erdbeeren vom Marktstand an der Strasse.

    Unsere Gastgeber bestätigen unsere Befürchtung, dass vor allem mit dem Ferienbeginn riesige Menschenmassen in die Berge strömen. Den Parkplatz muss man Tage im voraus reservieren! Sie empfehlen uns eine kurze Fahrt über die Grenze in die Slowakei. Und das hat sich gelohnt: Hier ist es sehr angenehm, wir können sogar mit Menschen sprechen - dank einer Nichte, welche in England aufgewachsen ist. Die Wanderung ist aber sehr anstrengend, 1200 Höhenmeter sind zu überwinden, so viele auch wieder runter - 11 Stunden brauchen wir. Aber die Strecke ist sehr schön und es blüht und blüht! Nun warten wir auf den Bus zurück zum Auto - der hätte eigentlich schon vor einer Stunde kommen sollen…
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  • Essen und Schlemmen in Polen

    June 27 in Poland ⋅ ⛅ 28 °C

    Ein bisschen haben wir befürchtet, dass das Essen in Polen deftig und eintönig sein wird. Aber wir sind positiv überrascht: Man isst sehr fein in Polen! Egal, ob im gehobenen Restaurant oder in der einfachen Beiz, selbst in der Berghütte sind die Gerichte saftig und sehr gut gewürzt.

    Was auf keiner Speisekarte fehlt, sind verschiedene Suppen. Auch bei sehr warmem Wetter und zum Mittagessen wird sie von den Pol*innen bestellt Immer fein gewesen und typisch: Sauerampfersuppe; Randensuppe (Borschtsch); Sauerteigsuppe (Żurek) mit Kartoffeln und Wurst. Kalte Suppen sind immer mit einem gekochten Ei garniert.

    Piroggen (Pierogi) sind gefüllte Teigtaschen. Es gibt sie überall mit verschiedensten Füllungen im Angebot. Wie bei uns Pizzerias, sieht man hier Pierogerias.

    Fleisch wird viel gegessen, aber auch Fisch ist häufig im Angebot, vor allem Forelle. Die wird auch fritiert serviert.

    Am Strassenrand werden an kleinen Bauernständen Früchte und frisches Gemüse verkauft. Allgegenwärtig sind aktuell Truskawki, Erdbeeren.

    Wegen des Käses muss man nicht nach Polen kommen. Der wird im Supermarkt von grossen viereckigen Blöcken in Scheiben geschnitten. Eine wirkliche Spezialität ist aber Schafkäse, welcher in eine Form gepresst und geräuchert wird: Oscypek.
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  • Noch eine letzte Wanderung

    July 1 in Slovakia ⋅ ☁️ 19 °C

    Mirjam zieht es vor, einen gemütlichen Tag mit Lesen und Zeichnen zu verbringen. Mich zieht es nochmals in die Berge. Heute nach einem Tipp unserer Vermieter zu zwei schönen Bergseen, ebenfalls in der Slowakei. Auch heute sind um 7 Uhr noch sehr wenig Leute unterwegs. Am Grünen See gibts bei allen ein kurzes Selfie, dann ab in die Beiz. Baden darf man nicht, ist schliesslich ein Nationalpark. Ich geniesse die Tour, weniger anstrengend als letztes Mal, dafür allerdings viel weniger Blumen. Mein persönliches Highlight: eine Begegnung mit einem Dreizehenspecht, sogar auf Handy-Fotodistanz.

    Den letzten Abend verbringen wir wieder gemeinsam in einem feinen polnischen Restaurant mit phänomenaler Bergsicht.
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  • Über Land durch Tschechien

    July 1 in Czech Republic ⋅ 🌬 29 °C

    Für die Rückreise nehmen wir uns Zeit und übernachten in Brünn (Brno) und Regensburg. Immer wieder verlassen wir die Autobahn und fahren ein Stück über Land, bewundern die Landschaft - und erholen uns von der aggressiven Fahrweise der Tschech*innen. In Polen war das Fahren entspannter. Die Frühstücksbuffets von dort vermissen wir auch. Andererseits sind die Menschen hier aufgeschlossener und freundlicher. Man kann nie alles haben. :-)

    Was denkst du, von wann stammt das moderne Haus? Von 1930! Die Villa Tugendhat wurde 1929/1930 in Brünn nach Plänen von Mies van der Rohe errichtet. Das Wohnhaus wird als eine der Architekturikonen der Moderne bewertet, wie Le Corbusiers Villa Savoye und gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Wir besichtigen das Haus von aussen. Tickets, um die Innenräume zu sehen, müssten Monate im voraus gebucht werden, sagt man uns am Eingang. (ich bin darüber gar nicht unglücklich, verstehe den Hype um dieses Haus nicht so ganz… [Stefan])
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  • Letzter Halt Regensburg

    July 2 in Germany ⋅ ☀️ 27 °C

    Angenehme Temperaturen nach heissen Tagen, goldenes Abendlicht, unverhofftes Gratis-Konzert im Dom und ein genialer Jazz-Poetry-Slam: Der perfekte Ausklang unserer Ferien. Regensburg an der Donau ist überraschend gross und sehr schön - unser Favorit unter den besuchten deutschen Städten dieser Reise. Später einmal eine Velotour Linz-Budweis-Regensburg? Warum nicht! In fieser Gegend gäbe es noch viel zu entdecken.

    Wir sind dankbar für die schönen Erlebnisse, glücklichen Zufälle und Begegnungen. Drei Wochen gesund und unfallfrei geblieben, keine Scherereien, kein Diebstahl, alles floss wunderbar ineinander über. Horizont erweitert, bereichert, erholt und inspiriert.

    Dziękuję
    Děkuji
    Danke
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  • Fünf Ströme in drei Wochen

    July 4 in Germany ⋅ ☀️ 27 °C

    Auf der Hinfahrt fällt mir auf: Wir werden auf unserer Reise 5 Ströme überqueren!

    1. Rhein
    Der Weg nach Bamberg führt uns bei Schaffhausen über den Rhein. Dieser fliesst 1233 Kilometer durch 4 Länder, mündet bei Rotterdam und östlich Amsterdam in die Nordsee. Da haben wir noch nicht an ein Foto gedacht, aber wir werden ihn ja nochmals auf der Heimreise überqueren.

    2. Donau
    Schon kurze Zeit später machen wir einen Kaffeehalt in Geisingen an der noch jungen Donau: Die ist 2857 Kilometer lang, fliesst durch 10 Länder und fliesst in Rumänien in das Schwarze Meer. Auf eine wesentlich breitere Donau treffen wir auf der Rückreise in Regensburg.

    3. Elbe
    Auf der Umfahrung von Dresden machen wir extra einen kurzen Abstecher an die Elbe: Sie ist 1094 Kilometer lang, fliesst durch Tschechien und Deutschland und mündet bei Cuxhaven in die Nordsee.

    4. Oder (polnisch Odra)
    In Breslau verbringen wir sogar einige Tage an einem Strom. Die Oder ist 854 Kilometer lang, bildet einen Teil der Grenze zu Deutschland und mündet bei Stettin in die Ostsee. Die Oder ist für die Stadt recht prägend, hat es doch viele Inseln und Brücken.

    5. Weichsel (poln. Wisła)
    Krakau liegt an der Weichsel. Sie fliesst auf 1048 Kilometer nur durch Polen und mündet bei Danzig in die Ostsee.

    Ströme umfassen immer ein grosses Entwässerungsgebiet, so sind diese fünf zusammen für den Abfluss aus fast 1.5 Millionen km² verantwortlich, das sind immerhin 14 Prozent der Fläche von ganz Europa. Aber zum Vergleich: Der Amazonas alleine hat ein Einzugsgebiet von knapp 6 Mio km²!
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    Trip end
    July 3, 2026