Resümee Costa Rica
February 22, 2025 in Costa Rica ⋅ ☁️ 18 °C
Costa Rica in nur drei Worten?
Sonne, Dschungel, teuer. Und wo bleibt die Begeisterung, die in Deutschland für dieses Land so weit verbreitet ist?
Auf der Rückfahrt nach San José schlängelt sich die Straße durch die üppige, überwältigende Dschungelkulisse eines der vielen Nationalparks. Ein Stück eines Berges wurde abgetragen, der Natur gewissermaßen geraubt, um die Straße zu bauen. Es gibt keinen Platz, um anzuhalten. Das macht jedoch nichts, denn die Kamera kann die Schönheit der Landschaft nicht angemessen festhalten. Diese Fahrt fühlt sich an wie im Jurassic Park! Doch trotzdem regt sich in mir die Frage: Warum überschattet ein leichter Schleier der Enttäuschung meine Begeisterung für dieses Land?
Vielleicht bin ich einfach zu verwöhnt. Trotz zahlreicher Besuche in den Parks sah ich nicht die Vielzahl an Tieren, die ich mir erhofft hatte. „Das ist die Natur!“ mag ein Argument sein. Das stimmt: Entweder sieht man die Tiere, manchmal auch in den Restaurants, oder man hat schlichtweg kein Glück. Möchte man ständig Tiere um sich herum sehen, sollte man woanders hinfahren – ist vielleicht sogar günstiger.
Aber handelt es sich wirklich nur um die Anzahl der gesehenen – oder besser gesagt, nicht gesehenen – Tiere? Ein innerer Zweifel fragt nach. Nein, es ist weit mehr als das. Ich habe das Motto der Costa Ricaner, „Pura Vida“, falsch interpretiert. Für mich stand es für Lebensfreude, die ich während vier Wochen leider nicht gefunden habe.
Nach außen hin zeigen sich die Costaricaner stolz als Patrioten. Sie halten ihr Land für toll und magisch, selbst wenn die hohen Steuern das Leben erschweren. Selbst wenn sie mehrere Jobs haben und viele Studenten täglich arbeiten müssen. Sie leben in Häusern, umgeben von Zäunen und Fenstern mit Gittern – ein Leben, das irgendwie an ein selbstgemachtes Gefängnis erinnert. Dennoch besagt eine Umfrage, dass die Menschen in Costa Rica zu den glücklichsten der Welt zählen. Pura Vida! Auf meine Nachfragen wurden die Gitter oft als Modeerscheinung abgetan
Ich traf auf Nachfahren der Menschen, die sich selbst über die „geschenkte“ Unabhängigkeit nichtmal freuen konnten, weil das Verlust ihre Privilegien bedeutete. Costa Rica hatte das Glück, von klugen Köpfen regiert zu werden, die wir uns in Deutschland häufig wünschen würden. Die Entscheidungen zugunsten des Umweltschutzes haben sich als Volltreffer erwiesen, von dem das Land heute profitiert. Trotzdem hat auch Costa Rica mit ähnlichen Problemen wie wir das aud Europa können zu kämpfen. Die Medien sind voll von Vorwürfen gegen Politiker wegen Korruption und Veruntreuung, vor den Wahlen im nächsten Jahr. Diese Informationen bleiben aufgrund der Sprachbarriere vielen Touristen vorenthalten, abgesehen davon, dass Sie sich dafür kaum interessieren.
Den Touristen wird eine Idylle von beeindruckender Natur und Umweltschutz verkauft. In Corcovado sagte mir ein Guide: „Dreckige Wäsche wird zu Hause gewaschen.“ Über innere Konflikte durften die Guides nicht sprechen, und diese Verhaltensweise hält bis heute an. Es ist nicht weiter verwunderlich: Die meisten Touristen stammen aus den USA und suchen nach Luxusresorts, in die sie durch hohe Zäune abgeschottet sind. In gutem Englisch hören sie nur das, was sie hören wollen, gehen mit den Guides ein paar Schritte in den Park, sehen vielleicht ein paar Tiere, geben sich damit zufrieden und hinterlassen Trinkgeld. Auf dieses Schema haben sich die Costaricaner spezialisiert – ist ja auch bequem. Pura Vida!?
In vielen Unterkünften erinnert ein bunt gemalter Umschlag beim Betreten des Zimmers gleich an Trinkgeld, so auch an den Supermarktkassen und überall sonst. Um die Touristen zufrieden zu stellen, sprießen Tier-Santuarien, in denen man die Tiere nicht nur fotografieren, sondern sogar streicheln kann. Umweltschutz? Pura Vida?
Sichtlich problematisch wird es, wenn Touristen kein Englisch sprechen, fragen stellen und eine Führung auf Spanisch wünschen – das bedeutet doppelte Arbeit, mehr Einsatz. Im jeden Fall kein Standard Verhalten. Es wird für viele ungemütlich. Da fällt mir ein witzige Beispiel, als ich in einem Supermarkt das Geld für Leergut wieder haben wollte. 15 Minuten hat es gedauert bis der Verkäufer 1$ aus der Kasse auszahlen konnte. Auf meine Nachfrage wo das Problem liegt, sagte man mir, die Touristen möchten nie das Geld für Leergut. Na klar, weil sie nicht wissen das es das überhaupt, dachte ich mir. Währenddessen starrte mich das Glas mit dem Aufschrift " Thank you for your Tipps " frech von der Seite an.
Natürlich haben wir auch nette Costaricaner getroffen. Generell erinnert mich jedoch das Verhalten der Costaricaner an das der Schweizer. Häufig meinte ich, bei meinem Gesprächspartner eine Brise Arroganz vernommen zu haben. Mit der herzlichen Natur der Südamerikaner hat dieses Volk wenig gemeinsam.
Woanders wird man als Tourist oft über den Tisch gezogen. Heißt dann Unehrlichkeit. Hier hingegen ist das offiziell und wird als Preis für hohen Lebensstandard deklariert. Vielleicht waren vier Wochen einfach zu kurz, um den hohen Lebensstandard wirklich kennenzulernen? Das kann gut sein. Übrigens, verhandeln gehört hier in Costa Rica zum schlechten Ton:))
Costa Rica ist ein Land wo das Preis- Leistungsverhältnis für mich persönlich nicht stimmt.
Für das Parken an einer Schotterstraße im Wald zahlte ich 3 Dollar. Eine Avocado kostet 1,80 Dollar, ein Liter Milch 2 Dollar, ein Brot 10 Dollar und eine Dose Bier (750 ml) kostet im Supermarkt etwa 3,20 Dollar.
Laut Umfragen liegt der Mindestlohn (Stand 2022) bei ca. 600 Dollar, während das durchschnittliche Monatseinkommen etwa 1.500 Dollar beträgt. Viele Eigentümer der Unterkünfte, in denen wir übernachtet haben, leben in den USA. Die Menschen vor Ort verrichten den Service und wie manche die wir kennenlernten, brauchen eben mehrere Jobs.
Ist es vielleicht einfacher, sich einzureden, glücklich zu sein, anstatt sich selbst zu hinterfragen?
Anderseits ist das irgendwie auch gut mit sich und der Umwelt zufrieden zu sein.
Eine erstaunliche Gelassenheit fand ich lediglich im Verhalten der Autofahrer. Auf der Schnellstraße war ein Geisterfahrer für niemanden ein Problem. Man gab Lichthupe, fuhr langsamer, bis der Falschfahrer abgebogen war – und das war's. Vorfahrt nimmt man sich oder gibt sie. Daraufhin folgen freundliche Dankesbekundungen. Ein heilloses Durcheinander, aber ohne einen einzigen Unfall! Keine Aufregung
Pura Vida!
Die Sauberkeit des Landes bewundere ich sehr. Müll am Straßenrand sucht man hier vergeblich. Strände sind frei von Plastik. An den Parkeingängen werden Taschen auf Plastik überprüft. Respekt! Bei der Müllentsorgung hingegen wird der Umweltschutz weniger genau genommen. Der Müll wird einfach auf einem Haufen gesammelt und verbrannt. Pura Vida!
Mein persönliches Fazit:
Ein Wintermonat in Sonne zu verbringen war schon schön. Würde ich bestimmt wieder machen. Allerdings nicht in Costa Rica.
Pura Vida !Read more




















