Puerta del Sol und mehr 😉
September 8, 2025 in Peru ⋅ ☁️ 14 °C
Dieser Tag gehört nur mir und Machu Picchu. Keine Menschen, kein Dolmetschen, keine Regelungen irgendwelcher Art.
Um 9:15 stehe ich vor dem geschlossenen Eingang des einsamen Pfade. Am Eingang zur Sehenswürdigkeit werden die Eintrittskarten zusammen mit dem Reisepass mehrmals kontrolliert. Die ersten Kontrollen habe ich bereits hinter mir. Die Wanderwege des Circulo 1 liegen jedoch ein wenig abseits. Auf eigene Faust traue ich mich nicht, hineinzugehen. Ich beschließe, zurück zu einem Kontrollpunkt zu laufen, um zu fragen, ob ich weitergehen kann.
Ja, ich darf rein!
Ich stehe ganz alleine auf dem Inka-Pfad und schaue mich um. Es ist einfach fantastisch! Sonnenschein pur, und ich laufe im Schatten der üppigen Pflanzen. Unten im Tal erstreckt sich vor mir das Dorf Machu Picchu. Von hier oben kann ich die Terrassen bis hinunter zum Fluss sehen, genau wie Jorje gestern gesagt hat. Um die nächste Kurve kann ich die Spitze des Berges Machu Picchu sehen. Mit jedem Schritt genieße ich das Zwitschern der Vögel und die Aussicht.
Peru hat ca. 35 Millionen Einwohner. Laut Jorje leben ca. 9 % der Menschen in den Bergen von der Landwirtschaft. Reines Inka-Blut lässt sich jedoch nur noch bei den Ceros nachweisen. Dieses Volk lebt über 5000 m in den Anden. Es gibt nur noch ein paar Hundert von ihnen, die unter dem Schutz der UNESCO stehen. Mich interessiert, ob sie gelegentlich in die Städte kommen und was passiert, wenn sie Mitglieder anderer ethnischen Gruppen heiraten. Jorje meint, das dürfen sie nicht. Ob das so ist, weiß ich nicht, trotzdem finde ich das irgendwie schrecklich.
Nach vielen Pausen komme ich beim Puerta del Sol - dem Sonnentor an. Kurz nach mir kommt eine junge Frau aus Chile. Jedes Jahr am 21. Dezember scheint die Sonne durch dieses Tor. Das war das Zeichen des Sommers für die Inkas. Auf diese Weise funktionierte deren Kalender, und die Bauern wussten, wann sie mit den Arbeiten beginnen sollten. Allerdings gibt es drei Öffnungen in den Ruinen. Welches das richtige ist, möchten wir von einem Mitarbeiter des peruanischen Ministeriums für Kultur wissen. Wie überall steht auch hier in totaler Abgeschiedenheit jemand.
Schnell entwickelt sich eine nette Konversation. Früher - so der Mann - in den 60er Jahren waren hier viele Touristen auf eigene Faust unterwegs. Es gab keine Kontrollen und keine Regeln. Die Touristen haben viel Müll hinterlassen und die Natur zerstört. Manche haben sich in der Wildnis verloren. Erst als ihre Angehörigen sie suchten, machte man auf die Vermissten aufmerksam. Seit die UNESCO 1983 Machu Picchu zum Weltkulturerbe erklärt hat, hat sich hier alles geändert. Die Berge sind voll mit schmalen Inka-Pfaden. Auf eigene Faust ohne einen Guide darf jedoch kein Tourist hier gehen. Es ist möglich, in 4 Tagen und 3 Nächten den Inka-Trail zu Fuß zu gehen. Das kostet ca. 500 Dollar. Man geht mit einer kleinen Expedition, die aus einem Guide, einem Koch und zwei Trägern besteht, die das Equipment tragen. Übernachtet und gekocht wird auf ausgezeichneten Campingplätzen. Als ich mich dafür interessierte, musste ich feststellen, dass der Ticketpreis den Eintritt zu Machu Picchu nicht beinhaltete. Hier beim Sonnentor kann man auch den Inka-Pfad hinunterblicken – Gänsehaut pur! Gerade kommt eine der 4-tägigen Expeditionen hoch.
Alles Schöne hat ein Ende. Wir beenden unsere nette Runde. Nach einem Abschlussfoto geht es wieder nach unten. Um 13 Uhr scheinen die Kontrollstellen weniger überwacht zu sein. Laut meinem Ticket darf ich noch die oberen Aussichts-Terrassen besuchen. Ich laufe an einigen Alpakas vorbei, die gerade ihre Siesta machen.
Von hier aus bietet sich eine andere Perspektive auf das Pueblo Machu Picchu. Man kann sehen, was sich auf der anderen Seite der Berge befindet. Aus Neugier folge ich unwillkürlich einem weiteren Inka-Pfad – für den mir allerdings das Ticket fehlt. Der Pfad ist nicht lang; er führt zu einer Brücke, die an der Wand des Berges Machu Picchu hängt. Nach einer Weile komme ich schließlich an einem besetzten Kontrollpunkt an. Ein Ausweichen ist nicht mehr möglich.
Mit einem etwas naiven und unschuldigen (ich glaube, ich kann das tatsächlich!) Gesicht beichte ich dem älteren Mann, dass mir wohl das Ticket für den weiteren Weg fehlt. „Möchtest du die Brücke sehen?“ fragt mich der Señor. „Würde ich sehr, sehr gerne“, ist meine Antwort, während ich mental meine Wasserreserven überprüfe. Ich habe kaum etwas zu trinken und nichts mehr zu essen. Zwar ist das Essen hier verboten, aber etwas dabei sollte man IMMER haben. Egal. „Dann geh, komm aber wieder“, sagt er zu mir und lächelt. Ich schicke ihm einen Handkuss und gehe durch den Kontrollpunkt.
Das ist MEIN Tag!!!
Ohne Ticket komme ich zu den Füßen von Machu Picchu. Der Weg ist nicht lang, aber spektakulär. Die Brücke kann man nur von weitem sehen – so ein NIX an einer riesigen Wand des Berges!
Zurück an der Aussichtplattform begegne ich den Alpakas, die inzwischen ihre Mittagspause beendet haben. Noch ein paar Minuten den Blick genießen. Nie werde ich hierher zurückkommen! Die Schlange, um in den Bus nach unten zu steigen, ist mehrere Hundert Meter lang. Erst als ich mich setze, um einen Kaffee zu trinken, bemerke ich, wie müde ich tatsächlich bin. Ob es an der Wirkung des halb verschütteten Kaffees liegt oder an
meiner Faulheit, so lange auf den Bus zu warten, entscheide ich mich, zu Fuß zurück ins Dorf Aguas Calientes zu gehen.
Es sind viele Touristen unterwegs. Auf dem halben Weg nach unten holt mich Pablo ein. Der 51-jährige Pilot macht mit seinen drei Freunden eine Motorradtour. Aus Argentinien sind sie über Chile nach Peru gekommen. Morgen geht es für sie weiter Richtung Bolivien und dann zurück nach Hause – nach Argentinien. Da seine Freunde den Bus bevorzugen, ist er – wie ich – allein auf dem Weg ins Dorf.
Die restliche Strecke vergeht wie im Flug. Pablo interessiert sich für die Einstellung der Deutschen zum Krieg in der Ukraine. Wir quatschen über Mileni und die Entwicklung der Wirtschaft in Argentinien während der 1,5 Jahre unter seiner Regierung. Pablo bringt mir ein paar neue Ausdrücke auf Spanisch. Es ist sehr unterhaltsam. Unterwegs treffen wir auf einige andere Deutsche und lästern auf Spanisch über sie. Die kulturellen Unterschiede der Menschen fallen sehr schnell auf.
Solche Begegnungen machen das Leben bunt. Das sind die wertvollsten Erlebnisse auf Reisen. Auf Instagram bleiben wir in KontaktRead more
























