• Aquas Calientes

    September 9, 2025 in Peru ⋅ ⛅ 18 °C

    Eine Routine scheint sich einzustellen. Der Wecker klingelt schon wieder um 5:30 Uhr. Die Nacht war kurz. Habe ich wirklich Urlaub???

    Unser Taxifahrer ist überpünktlich. Der Zug auch. Das Reisen wird leichter. Wir müssen unser Gepäck bis auf einen kleinen Rucksack zurücklassen. Angela kümmert sich darum... Unser Engel eben...

    Der Zug verlässt Cusco in einer Art Zickzackfahrt. Immer wieder fahren wir in entgegengesetzte Richtungen. So bewegen wir uns bergaufwärts. An unseren Fenstern ziehen sich ziemlich öde Landschaften mit nicht zu Ende gebauten Häusern vorbei. So leben die Menschen eben hier. Unwillkürlich denke ich wieder an die Nachrichten aus den Kriegsgebieten. Die Landschaften in Peru erinnern mich an Bilder aus den Nachrichten von Syrien, das sich gerade im Krieg befindet. Obwohl ich, je länger ich hier bin, desto weniger erschreckend finde.

    Wir sind erst ein paar Minuten unterwegs und schon sind von oben nur noch die Dächer der Stadt zu sehen. Ca. 2 Stunden später ändert sich die Landschaft. Wir fahren hinunter, entlang eines Flusses, in einem grünen Tunnel, umzingelt von reicher Vegetation. Zum Glück haben wir mal eine schöne Landschaft. Wobei die Entspannung wirklich nur von der Landschaft kommt. Ein Zug vor uns hatte einen Unfall. Wir haben über 1 Stunde Verspätung...

    In Aguas Calientes angekommen, glauben wir beide kaum, dass wir, vor allem Alfred, hierher geschafft haben. Der Traum von Machu Picchu ist zum Greifen nah. Die ursprüngliche Idee all unserer Reisen. Einer der Gründe, Spanisch zu lernen. Doch dann, aufgrund gesundheitlicher Probleme, schien es fast unerreichbar. Und jetzt plötzlich sind wir da. Unkompliziert, ganz easy spazieren wir durch das vor ca. 50 Jahren nur für Touristen angelegte Dorf Aguas Calientes. Das Dorf ist der Ausgangspunkt für Machu Picchu. Eine Touristenhochburg durch und durch. Die Preise sind wie in Deutschland. Für Peru sind sie kosmisch. Auch die Preise der deutschen Reisebüros für derartige Reisen erscheinen mir kosmisch. Aber egal. Nicht unser Bier.

    Heute gilt es, ein paar Dinge für morgen zu regeln. So können wir ganz entspannt schlafen und morgen Machu Picchu genießen.

    Tatsächlich hat die bereits geschlossene Nationalbank noch einen Geldautomaten, wo wir ohne Gebühr Bargeld abheben können. Auch die Tickets für den morgigen Bus zum Berg kaufen wir, ohne anstehen zu müssen. Was soll ich sagen: Wenn's läuft, dann läuft's! ;))))

    Sogar für meinen "Alleingang" für den Eintritt am Montag kann ich jetzt schon vorsorgen. Geil!

    Alles erledigt!!!

    Jetzt machen wir ein wenig Urlaub.

    An der Kirche stehen viele Menschen. Einheimische. Obwohl ich solche Kontakte liebe und sie als die wertvollsten betrachte, bin ich zu müde, um zu fragen, wohin sie alle möchten. Im Gegensatz zu manchen Kathedralen scheint es mir schwierig, Gott zwischen dem bunten Trubel zu finden...

    Ich muss etwas essen. Währenddessen entsteht der Plan für den Rest meines Tages. Ich gehe in den riesigen Verkaufsbereich vor dem Bahnhof. Dort befindet sich eine Art Markthalle, wo man bis in die Ewigkeit stöbern kann. Danach lasse ich mich massieren. Alfred bevorzugt es, die Zeit im Hotelzimmer am Handy zu verbringen. Der Tag ist vorbei, und wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat.

    In den nächsten paar Tagen dürfen wir ein wenig mehr von Aguas Calientes kennenlernen. Die Menschen des vor ca. 60 Jahren gegründeten Dörfchens sind mit dem bereits 30 Jahre währenden Monopol der lokalen Transportunternehmer nicht mehr einverstanden. Es gibt Proteste. Wir sind mittendrin. Zunächst protestieren sie friedlich: Sie marschieren durch die Straßen, mit Plakaten und halten Wache vor der Kirche. Das Ticket für den Bus kostet pro Person hin und zurück 24 Dollar für die Ausländer. Für die Einheimischen etwa die Hälfte. Trotzdem ist das viel. Die Einwohner möchten einerseits weitere Unternehmen gründen können, andererseits möchten sie, dass die Gemeinde davon profitiert. Erscheint irgendwie logisch...

    Woher kommt eigentlich der Name Aguas Calientes, frage ich mich und jemanden im Dorf. Die Dame kann meine Frage nicht beantworten, erzählt mir jedoch, dass ich oben, am Ende der Straße, in den heißen Quellen baden kann. Die Antwort liegt auf der Hand. Aguas Calientes bedeutet nämlich „heißes Wasser“ ;)

    Am letzten Tag, kurz vor der Abreise, geht's tatsächlich noch zu den heißen Quellen. Ein netter Relax vor den weiteren Abenteuern in Peru.

    Am späten Nachmittag verlassen wir Aguas Calientes mit dem Zug Richtung Cusco. Die Fenster der Waggons befinden sich nicht nur an den Seiten, sondern auch in der Decke. Zunächst fahren wir in einer Art Tunnel aus üppigen Pflanzen. Schon bald hängen riesige Gesteinsbrocken über unseren Köpfen. Nur selten fahren wir im Tunnel. Der Blick zum Himmel ist frei. Die schneebedeckten Spitzen der Berge sind von der Sonne warm und hell beleuchtet. Unterhalb hängen weiße Wolken. Und ganz unten fährt unser Zug. Grandiose Aussichten auf die massiven Anden begleiten uns für ca. 2 Stunden, bis es schließlich ganz dunkel wird.
    Read more