• Am Ziel in Haslach

    August 15 in Germany ⋅ ☁️ 34 °C

    Auf einem Feriencampingplatz zu übernachten, kann mühsam sein, weil vor 23 Uhr, 0 Uhr ziemliches Halligalli herrscht, so auch hier am Campingplatz Kinzigtal in Steinach, der fest in holländischer Hand schien. Trotzdem schlief ich dann irgendwann ein. Irgendwann so um 6 Uhr spürte ich dann, wie mir eine Ameise den Arm hochlief. Dann noch eine und noch eine. Ich fuhr hoch und sah eine regelrechte Ameisenstraße in meinem Innenzelt. Alles voller Ameisen. Naja, Grund genug, jetzt schon aufzustehen und loszuwandern. Nach einer halben Stunde waren dann auch die Ameisen an der ganzen Ausrüstung abgeschüttelt bzw. entfernt, mein Rucksack gepackt, so dass es zurück 1,2 km in den Ort ging, um beim Bäcker gemütlich zu frühstücken. Ein paar Tropfen fielen vom Himmel - dieser war auch großflächig bedeckt - schön kühl war es. Um 7.15h ging es dann richtig los. Heute war nur ein Anstieg zu meistern, allerdings auch 500 Höhenmeter. Nach 2 km einlaufen ging es dann auch schon hoch, wobei ich sagen muss, dass die Höhenmeter insgesamt moderat anstiegen. Am Niller Eck hatte ich 720m Höhe erreicht, den Kulminationspunkt für heute. Und was für eine Aussicht von da oben mal wieder. Man hatte Tiefblicke in alle möglichen Himmelsrichtungen in viele Täler, klasse! So macht Wandern im Schwarzwald Spaß. Dazuhin verlief der Weg jetzt weitgehend eben, quasi auf einem Grat. Bei den Höhehäusern, dem höchsten Punkt einer Passstraße, gab es dann noch eisgekühltes Paulaner Spezi aus einem Automat, bevor ich um 11.45 Uhr nach gut 18 km das Biereck erreichte. Vor einigen Jahren, als wir den Zweitälersteig liefen, war hier noch Baustelle, jetzt war da ein edles Eventhotel mit ebensolchem Restaurant. Immerhin wird für das Fußvolk noch ein Biergarten angeboten, der um 12.00h öffnen sollte. Natürlich auch zu entsprechenden Preisen. Nach KuBi ging es dann die restlichen 12 km bis zum Ziel ziemlich unspektakulär eben und bergab. Die Wolkendecke war immer noch recht dicht, was mir aber eher entgegenkam, so waren die Temperaturen erträglicher. Kurz vor Hofstetten kam ich dann an die Hansjakobkapelle, wo Heinrich Hansjakob begraben liegt. Er wurde in Haslach geboren 1837 und starb dort 1916. Er war Pfarrer, Volksschriftsteller, Politiker (saß im badischen Landtag), ein sehr spannender Lebenslauf insgesamt. Jetzt kam auch rechtzeitig nochmal die Sonne raus, so dass die letzten 3 km hinunter nach Haslach an mein Ziel bei 36 Grad nochmal mental ziemlich anstrengend wurden. Nach 102 km in 3 Tagen erreichte ich meinen Ausgangspunkt wieder. Fazit: der Große Hansjakobweg hat mich begeistert. Weniger für die durchgängigen Pfade (es geht auch öfters über Schotter oder Asphalt), sondern vor allem für die genialen Aussichten in den Schwarzwald. Die Infrastruktur ist gut, es kommen laufend entweder Städtchen mit Supermarkt und Bäckerei, aber auch einige Biergärten, Cafés und auch Getränkeautomaten am Weg. Allerdings würde ich den Weg das nächste Mal in mindestens 4 Tagen wandern, um mehr Zeit für die Dinge am Wegesrand bzw. für ausgedehntere Pausen zu haben. Meine Waden zwicken heute ganz schön!Read more