• Etappe 5: Fererra - Mantova

    October 16 in Italy ☁️ 12 °C

    Tag 7: Von Ferrara nach Mantua

    Heute bin ich sehr früh aufgestanden, um zeitig zu starten. Ich hatte knapp über 100 Kilometer vor mir und wollte meine Knie schonen und ein bisschen langsamer fahren, deshalb habe ich mir mehr Zeit eingeplant. Das hat gut funktioniert. Das Frühstück in der Jugendherberge in Ferrara war ganz okay und inklusive.

    Der Morgen war richtig magisch, es war noch neblig, und die Sonne ging gerade auf. Ich bin fast den ganzen Tag am Po entlanggefahren, über wirklich schöne Radwege. Das hat mich ein bisschen an meine Tour an der Donau erinnert. Der Po ist ein cooler Fluss: Er fließt sehr langsam, hat eine tolle Landschaft und sehr türkises Wasser. Woran das liegt, muss ich mal nachschauen.

    Spannend fand ich auch, was die Italiener auf der Flussseite des Damms machen. Es sieht nach einer Renaturierung aus, ich gehe stark davon aus, dass sie so Überschwemmungen vorbeugen wollen. Dort werden viele Bäume in einem ganz bestimmten Raster gepflanzt. Bäume in geraden Linien und Rauten sehen ein bisschen absurd aus, aber das hat wahrscheinlich gartenlandschaftsingenieurmäßig einen Sinn. Je nach Regen und Schneeschmelze in den Alpen kann der Po sicher ganz schön an Masse gewinnen. Selbst jetzt, wo er nach dem Sommer ohne Schneeschmelze und Regen wohl so wenig Wasser führt wie sonst nie im Jahr, hat er noch beachtliche Ausmaße. An manchen Stellen wirkte er deutlich breiter als die Donau, wahrscheinlich aber nicht so tief. Es macht Spaß, hier zu radeln, viele Leute sind joggend, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs und grüßen immer freundlich.

    Gegen frühen Mittag habe ich eine kleine Pause mit ein paar mitgebrachten Brötchen gemacht. Gegen 14 Uhr habe ich dann in einem ganz kleinen Dorf in einer netten Trattoria Bolognese gegessen und ein großes Glas Rotwein getrunken. Dort saß eine Gruppe Italiener, die mich ein bisschen adoptiert hat. Einer sah aus wie ein kleiner verrückter Professor, so eine Art italienischer Slavoj Žižek. Fast alle sprachen ein bisschen Englisch, zwei sogar gebrochen Deutsch. Wir hatten eine richtig gute, lustige Zeit, und als ich nach anderthalb Stunden weiterfuhr, haben mir alle gewunken.

    Danach bin ich die letzten 40 Kilometer bis Mantua geradelt und war ganz schön platt. Nach zwei, drei, vier Nächten im Hostel mit Zehnbettzimmern war ich froh, endlich ein eigenes Zimmerchen zu haben. Natürlich habe ich wieder ein Special-Event erwischt: In der Stadt gab es ein Show-Cooking zu einem ganz traditionellen Kuchen-Keks-Mandelgebäck. Deshalb war mein Zimmer wieder dreimal so teuer. Das kann ja kein Hase riechen, dass ich genau zu so einem Wochenend-Event ankomme, aber so ist es manchmal.

    Abends habe ich mir in einer lustigen Pizzeria Pizzastücke geholt, die sehr lecker waren. Dann bin ich so weit wie möglich weg von den Massen gegangen, die in die Stadt strömten, und habe am äußeren Rand der Altstadt eine total nette Bar gefunden. Dort habe ich ein bisschen in meinem Buch gelesen und mir ein, zwei Aperol gegönnt. Ich habe mich gut mit der Kellnerin unterhalten, sie kommt aus Venezuela und lebt seit sechs Jahren in Mantua. Ihr Freundeskreis war auch da, und ich habe mich dazugesetzt. Das war richtig sweet. Ich habe ein bisschen Lokalgeschichte mitbekommen, und sie hat mir von den regionalen Unterschieden in Italien erzählt, weil sie schon viel im Land unterwegs war.

    Gegen 21:30 Uhr war ich nach zwei Aperol und einem Gin Tonic ganz schön platt. Ich bin ins Bett gegangen und habe erholsame acht Stunden geknackt.
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