Von der Adria ins Karstland
September 29 in Slovenia ⋅ ☀️ 18 °C
Heute hieß es schweren Herzens Abschied nehmen von der Adria. Die vergangenen Tage am Meer mit ihrem mediterranen Flair, dem tiefblauen Wasser und den malerischen Küstenorten waren wunderschön – doch unsere Reise führte uns nun wieder ins Landesinnere. Mit unserem Mietwagen machten wir uns auf den Weg in Richtung Nordosten.
Je weiter wir uns von der Küste entfernten, desto deutlicher veränderte sich die Landschaft. Die mediterrane Vegetation wurde nach und nach weniger, die Straßen führten wieder durch grüne Wälder und die Landschaft wurde zunehmend bergiger. Unser Ziel für die kommenden zwei Nächte war Postojna, das auf Deutsch Adelsberg heißt.
Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Innerkrain, heute Teil der slowenischen Region Primorsko-notranjska, und ist vor allem für ihre berühmte Karstlandschaft und die Postojna-Höhlen bekannt.
Doch bevor wir unsere Unterkunft bezogen, stand noch ein ganz besonderes Highlight auf unserem Programm: Predjama Castle – die Höhlenburg Predjama.
Schon bei der ersten Annäherung wirkt die Burg wie aus einem Märchen. Predjama thront inmitten einer gewaltigen, rund 123 Meter hohen senkrechten Felswand und scheint regelrecht aus dem Berg herauszuwachsen. Das Besondere: Die Burg wurde nicht einfach vor einen Felsen gebaut – sie ist unmittelbar mit einer natürlichen Höhle verbunden. Genau diese außergewöhnliche Verbindung von mittelalterlicher Architektur und Karstlandschaft macht Predjama zu einem der spektakulärsten Bauwerke Sloweniens. Sie gilt als größte Höhlenburg der Welt.
Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Eine Burganlage wird bereits im 12. Jahrhundert vermutet; schriftlich erwähnt wurde die Burg erstmals 1274 unter dem deutschen Namen „Luegg“. Ursprünglich gehörte sie zum Einflussbereich der Patriarchen von Aquileia. Im Laufe der Zeit wurde die Anlage mehrfach erweitert und befestigt. Die natürliche Lage war dafür geradezu ideal: Der steile Felsen schützte die Burg auf mehreren Seiten, während der Zugang ohnehin schwierig war.
Besonders eng ist Predjama mit der Geschichte des Ritters Erazem von Predjama, auch Erasmus von Lueg genannt, verbunden. Im 15. Jahrhundert geriet er in Konflikt mit den Habsburgern und verschanzte sich in der Burg. Während einer Belagerung soll er sich mehr als ein Jahr gegen seine Gegner behauptet haben. Die Höhlen hinter der Burg spielten dabei eine entscheidende Rolle: Über verborgene Wege konnten Lebensmittel und andere Dinge in die Burg gebracht werden. Dadurch war es für die Belagerer äußerst schwierig, die Bewohner auszuhungern.
Um Erazem ranken sich zahlreiche Geschichten und Legenden. Eine davon erzählt, dass er schließlich durch Verrat ums Leben kam. Angeblich wurde er von einem Kanonenschuss getötet, als er sich in einem abgelegenen Teil der Burg aufhielt. Ob jedes Detail dieser Geschichte tatsächlich der historischen Wahrheit entspricht, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen – fest steht aber, dass Erazem bis heute untrennbar mit Predjama verbunden ist.
Und auch geologisch ist Predjama faszinierend. Die Burg steht mitten in der slowenischen Karstlandschaft, deren Kalkstein über Millionen von Jahren durch Wasser geprägt wurde. Unter und hinter der Burg befindet sich ein weit verzweigtes Höhlensystem mit zahlreichen Gängen und Kammern. Das Wasser des Flusses Lokva hat sich über lange Zeit seinen Weg durch das Kalkgestein gebahnt und dabei die unterirdischen Hohlräume geschaffen. Das Höhlensystem unter Predjama erstreckt sich über mehr als 13 Kilometer und zeigt eindrucksvoll, wie eng hier Natur und menschliche Baukunst miteinander verbunden sind.
Beim Rundgang durch die Burg konnten wir uns gut vorstellen, wie außergewöhnlich das Leben an diesem Ort im Mittelalter gewesen sein muss. Dunkle Räume, dicke Mauern, steinerne Treppen und die Höhle direkt hinter der Burg erzählen von einer Zeit, in der Schutz und Verteidigung wichtiger waren als Komfort. Gleichzeitig eröffneten sich immer wieder faszinierende Ausblicke auf die umliegende Landschaft.
Nach diesem eindrucksvollen Besuch ging es weiter nach Bukovje, einem kleinen Ortsteil inmitten der grünen Landschaft rund um Postojna. Hier bezogen wir unsere Ferienwohnung für die nächsten beiden Nächte – idyllisch gelegen und umgeben von viel Natur.
Schon bei unserer Ankunft wurden wir ausgesprochen herzlich empfangen. Auf uns warteten Salamiwurst, Käse, frisches Brot und sogar Honigwein – eine wunderbare slowenische Begrüßung, die sofort für ein Gefühl von Zuhause sorgte.
Den Abend ließen wir ganz gemütlich ausklingen. Wir saßen noch eine Weile in der Sonne, genossen die Ruhe und beobachteten, wie die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand.
Die Adria liegt nun hinter uns – vor uns wartet die geheimnisvolle Welt des slowenischen Karsts.Read more








































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Wenn Engel reisen immer schönes Wetter