• Postojnas Unterwelt und Rakov Škocjan

    September 30 in Slovenia ⋅ ☀️ 21 °C

    Heute stand eines der bekanntesten Naturwunder Sloweniens auf unserem Reiseprogramm: die berühmte Postojna-Höhle, eine der größten und beeindruckendsten Schauhöhlen Europas. Mit dem Auto machten wir uns auf den Weg nach Postojna und tauchten schon bald in eine Welt ein, die über Millionen von Jahren tief unter der slowenischen Erde entstanden ist.

    Schon der Beginn unseres Besuchs war etwas ganz Besonderes. Die ersten Kilometer durch das weit verzweigte Höhlensystem legten wir nämlich nicht zu Fuß, sondern mit einem eigens für die Höhle gebauten Höhlenzug zurück. Auf den Schienen ging es immer tiefer hinein, vorbei an gewaltigen Hallen, bizarren Felsformationen und unzähligen Tropfsteinen. Der Höhlenzug ist längst selbst zu einer Besonderheit der Postojna-Höhle geworden. Bereits seit 1872 können Besucher Teile der Höhle mit der Bahn erkunden – zunächst noch mit einem handbetriebenen Zug, später mit einer elektrischen Bahn. Heute gehört die Fahrt zu den charakteristischen Erlebnissen eines Besuchs und ermöglicht es, in kurzer Zeit mehrere Kilometer des riesigen Höhlensystems zurückzulegen.

    Nach der Zugfahrt ging es zu Fuß weiter. Während unserer Führung erfuhren wir viel über die Entstehung dieser faszinierenden Karstwelt. Wasser dringt über Jahrtausende durch das kalkhaltige Gestein, löst es langsam auf und schafft dabei Hohlräume, Gänge und Hallen. Gleichzeitig lagert sich an vielen Stellen wieder Kalk ab – und so entstehen die für die Höhle typischen Tropfsteine. Stalagmiten wachsen dabei vom Boden nach oben, während Stalaktiten von der Decke nach unten wachsen. Manche dieser Formationen sind nur wenige Zentimeter groß, andere haben über Jahrtausende beeindruckende Dimensionen erreicht.

    Besonders gespannt waren wir natürlich auf den berühmtesten Bewohner der Höhle: den „Brillanten“, slowenisch Briljant. Der etwa fünf Meter hohe, strahlend weiße Stalagmit gilt als Wahrzeichen der Postojna-Höhle und ist zugleich ihr offizielles Symbol. Seine außergewöhnlich helle Farbe und seine elegante Form machen ihn zu einer der auffälligsten Tropfsteinformationen der gesamten Höhle. Direkt daneben erhebt sich eine kunstvoll verzierte, säulenartige Kalksteinformation, die gemeinsam mit dem Brillanten ein besonders eindrucksvolles Bild abgibt. Hier wird deutlich, wie unterschiedlich und detailreich die Natur über unvorstellbar lange Zeiträume gestalten kann.

    Nach der Führung brachte uns der Zug wieder zurück Richtung Ausgang. Es war schon ein eigenartiges Gefühl, nach mehreren Kilometern unter der Erde wieder ans Tageslicht zu kommen. Die Postojna-Höhle hat uns einmal mehr gezeigt, dass Slowenien nicht nur oberirdisch mit Bergen, Seen und Flüssen beeindruckt, sondern auch unter der Erde eine faszinierende Welt verborgen liegt.

    Nach einer Mittagspause wartete am Nachmittag noch ein ganz anderes Karsterlebnis auf uns. Wir fuhren nach Rakov Škocjan, einem landschaftlich außergewöhnlichen Karsttal zwischen den Poljen von Cerknica und Planina. Durch das Tal fließt der Fluss Rak, der hier eine Landschaft geschaffen hat, in der sich Wald, Felsformationen, Höhlenreste und natürliche Brücken miteinander verbinden. Seinen Namen verdankt Rakov Škocjan der ehemaligen Kirche St. Kancijan, deren Ruinen in der Nähe der Großen Naturbrücke liegen und deren Ursprünge bis etwa um 1500 zurückreichen.

    Wir schnürten unsere Wanderschuhe und machten uns auf eine rund 6,5 Kilometer lange Wanderung durch den Wald. Der Weg führte uns durch eine wunderbar ursprüngliche Natur, vorbei an moosbewachsenen Felsen, dichtem Wald und immer wieder überraschenden Ausblicken auf die Karstlandschaft. Besonders beeindruckend waren die gewaltigen natürlichen Steinbrücken, die der Fluss Rak im Laufe von Jahrtausenden geschaffen beziehungsweise freigelegt hat.

    Unser Höhepunkt war die Große Naturbrücke, ein imposantes Relikt des einstigen Höhlensystems. Die Brücke ist Teil einer Karstlandschaft, in der der Rak seinen Lauf teilweise unterirdisch fortsetzt. Über lange Zeiträume hat das Wasser die Kalksteinlandschaft geformt und dabei unterirdische Hohlräume geschaffen. Teile der ehemaligen Höhlendecken sind eingestürzt, während mächtige Felsbögen zurückblieben – heute beeindruckende Naturdenkmäler mitten im Wald.

    Besonders außergewöhnlich war für uns, dass der Rak derzeit nur sehr wenig Wasser führte. Dadurch konnten wir tatsächlich unter der Naturbrücke durch das Flussbett laufen. Wo sonst das Wasser seinen Weg nimmt, konnten wir direkt durch den gewaltigen Felsbogen gehen und die Dimensionen dieser natürlichen Konstruktion aus nächster Nähe erleben. Ein faszinierender Moment und zugleich ein schönes Beispiel dafür, wie sehr sich eine Landschaft je nach Wasserstand verändern kann.

    Mit dieser Wanderung ging unser letztes großes Naturerlebnis dieser Slowenienreise zu Ende. Noch einmal führte uns der Tag durch eine Landschaft, die eindrucksvoll zeigt, wie eng in Slowenien Wasser und Gestein miteinander verbunden sind: In der Postojna-Höhle formte das Wasser eine geheimnisvolle Welt tief unter der Erde, während es in Rakov Škocjan über Jahrtausende ein ganzes Karsttal mit Höhlen, Brücken und Schluchten geschaffen hat.

    Nun heißt es langsam Abschied nehmen von den Bergen, Wäldern, Seen, Flüssen und der Adriaküste, die uns auf unserer Reise begleitet haben. Morgen wartet ein neuer Abschnitt auf uns: Wir fahren in die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Dort werden wir unsere letzten beiden Tage verbringen, bevor sich unsere Reise durch Slowenien endgültig dem Ende nähert. Nach all den Naturerlebnissen der vergangenen Tage freuen wir uns darauf, zum Abschluss noch einmal das urbane und kulturelle Slowenien kennenzulernen.
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