• Ade Tromsø hallo Bjerkvik

    27. juli, Norge ⋅ ☁️ 17 °C

    Es regnet. Also genau den Regen, den uns die Wetter-App versprochen hat. Wenigstens hält heutzutage noch irgendjemand seine Versprechen.

    Gestern haben wir während unserer wunderschönen Wanderung mitten am Berg ein Ehepaar aus Tromsø getroffen und ein paar Worte gewechselt. Sie waren derselben Meinung wie wir: Der Juli war schlicht zu nass und zu kalt. Der August hingegen soll wettertechnisch der absolute Knaller werden. Na ja… ihr Wort in Gottes Ohr.

    Tromsø… da schlagen bei uns irgendwie zwei Herzen in der Brust.

    Tromsø im Winter? Unsere absolute Lieblingsstadt! Im Sommer? Naja… geht so. Einerseits rollen täglich ganze Touristenzunamis durch die Strassen, andererseits kommt alles zum Vorschein, was man eigentlich lieber gar nicht sehen oder mitbekommen möchte. Vieles wirkt schmuddelig und ungepflegt, und auch die Drogenszene lässt sich nicht immer erfolgreich unter den Teppich kehren.

    Im Winter hingegen legt sich das weisse Tuch der Unschuld meterhoch über die Stadt und deckt so einiges gnädig zu.

    Da wir Tromsø inzwischen schon unzählige Male besucht haben, fällt es uns heute überhaupt nicht schwer, wieder ein Stück weiter südwärts zu ziehen.

    Gemütlich rollen wir mit unserer Perle 🚐 auf der E8 dem Balsfjord entlang bis nach Nordkjosbotn. Dort wechseln wir auf die E6 Richtung Narvik. Eine Strecke, die wir inzwischen fast im Schlaf fahren könnten – aber zum Glück sorgt die Aussicht dafür, dass die Augen freiwillig offen bleiben.

    In Storsteinnes gönnen wir uns bei mittlerweile erstaunlich passablem Sommerwetter wieder einmal ein typisch norwegisches Frühstück: Hotdog und Kaffee. Kulinarisch vielleicht keine Offenbarung – aber erstaunlich lecker. Irgendwie schmeckt unterwegs einfach alles besser. Wahrscheinlich würd’s sogar eine Schuhsohle mit Senf tun.

    Auf meinen Wunsch legen wir in Olsborg den ersten Halt ein. Dort steht ein ausgesprochen charmantes kleines Bahnhofsgebäude voller liebevoller Details. Errichtet wurde es 2021 von engagierten Eisenbahnfreunden, die damit auf den Wunsch nach einer Bahnverbindung nach Nordnorwegen aufmerksam machen wollten.

    Die Nord-Norge-Bahn soll eines Tages den Norden besser mit dem Rest des Landes verbinden und neue wirtschaftliche Chancen eröffnen. Hoffen wir, dass aus dieser Vision irgendwann Realität wird. Bis dahin erfüllt der Bahnhof immerhin schon einen wichtigen Zweck: Er versteckt erfolgreich einen Geocache.

    Als touristische Sensation reicht das zwar noch nicht ganz… aber hey – wir waren da! Und falls irgendwann tatsächlich ein Zug hält, können wir wenigstens behaupten: «Wir waren schon am Bahnhof, bevor überhaupt Schienen da waren.»

    In Bardufoss machen wir, wenn wir schon wieder einmal hier vorbeikommen, einen kurzen Abstecher zum Wohnmobilhändler Lians. Man braucht ja schliesslich immer irgendeine lebenswichtige Kleinigkeit. Meistens kommt man wegen einer Kleinigkeit… und fährt mit drei Tüten und einem deutlich leichteren Portemonnaie wieder weg.

    Danach wartet bereits unser nächstes Stelldichein – mit Sir Henri.

    Den finden wir etwa auf halber Strecke zwischen Bardufoss und Narvik. Nach einer kurzen Wanderung über Stock und Stein steht er plötzlich vor uns: ein wunderschöner Wasserfall.

    Über Sir Henri findet man erstaunlich wenig. Zumindest habe ich praktisch nichts Brauchbares herausgefunden. Aber das hält mich natürlich nicht davon ab, meine eigene Theorie aufzustellen.

    Ich bin überzeugt, dass hier im Zweiten Weltkrieg ein englischer Sir namens Henri stationiert war. Der gute Mann hatte offenbar das Bedürfnis, regelmässig unter diesem Wasserfall zu duschen. Nach jeder Dusche soll er lautstark gerufen haben: «Wonderful!» Seitdem trägt der Wasserfall seinen Namen.

    Ob diese Geschichte historisch korrekt ist? Wahrscheinlich ungefähr gleich wahrscheinlich wie drei Wochen Sonnenschein am Stück in Nordnorwegen.

    Und wie hoch oder breit der Wasserfall ist? Ach… Zahlen sind sowieso völlig überbewertet. Gross genug, dass man staunt – und breit genug, dass man beim Fotografieren entweder den oberen oder den unteren Teil drauf hat. Beides zusammen geht nur mit einer Drohne… oder sehr langen Armen.

    Nach 223 Kilometern erreichen wir schliesslich Bjerkvik und machen auf dem brandneuen Stellplatz gleichen Namens Feierabend.

    Natürlich parken wir unsere Perle 🚐 genau dort, wo die Aussicht am schönsten ist. Man könnte auch sagen: Unsere Perle sucht sich ihren Platz inzwischen selbst aus – wir dürfen eigentlich nur noch lenken. 😏🤣

    Wenn dieser Platz einmal komplett fertiggestellt ist, wird er ein echtes Bijou sein. Grosszügige Stellplätze, moderne Infrastruktur und eine fantastische Aussicht über den Fjord Richtung Narvik.

    Da lässt sich der Tag ganz entspannt ausklingen. Wir sitzen noch eine Weile vor unserem Zuhause auf Rädern, geniessen die Ruhe und beobachten, wie sich die Wolken langsam über den Fjord schieben. Solche Momente erinnern uns immer wieder daran, warum wir diese Reisen so lieben.

    Und wieder dürfen wir sagen: 223 Kilometer, gesund unterwegs, unfallfrei angekommen und einen weiteren wunderschönen Tag erlebt. Viel mehr braucht es eigentlich nicht.

    Gute Nacht, Freunde. 👯‍♂️😴
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