Sonntag der Berg 🏔️ Ruft
26. juli, Norge ⋅ ☁️ 19 °C
26.07.2026
Sonntag, 8 Uhr. 18 Grad. Ziemlich windig. Stürmische Böen schieben riesige, dicke Wolken über den noch blauen Himmel, während sich die Sonne mit nordnorwegischer Sturheit immer wieder durchkämpft. Typisch hier oben – das Wetter wechselt seine Meinung öfter als ich den Angelköder. Und heute? Ja… heute bleibt die Angel tatsächlich im Wohnmobil. Man glaubt es kaum. 🎣🤣
Der nordische Sommer legt offenbar noch eine Zugabe ein. Also rollen wir mit unserer Perle 🚐 durch den Ryatunnelen unter dem Staumsfjord hindurch auf die Insel Kvaløya.
Gemütlich folgen wir dem Sandnessundet entlang einem Wegweiser mit der Aufschrift „Tirpitz“. Wer uns kennt, weiss: Ein braunes Schild reicht völlig aus. Da wird nicht lange diskutiert – da wird abgebogen. Der Weg führt über eine 330 Meter lange Brücke auf die Insel Håkøya.
Dort erwarten uns Wald, ein paar Häuser, einige Hütten und Bauernhöfe. Mehr scheint es nicht zu geben… denken wir jedenfalls. Bis plötzlich ein grosser Parkplatz mit der Aufschrift „Tirpitz“ auftaucht. Perfekt. Ziel gefunden – ganz ohne dass das Navi beleidigt “Route wird neu berechnet” sagen musste.
Während des Zweiten Weltkriegs lag hier ab Oktober 1944 das deutsche Schlachtschiff Tirpitz vor Anker. Am 12. November 1944 wurde es von britischen Bombern versenkt. Heute erinnert ein Mahnmal an die schrecklichen Ereignisse und an die vielen Menschen, die dabei ihr Leben verloren.
Nach mehreren Volltreffern, gewaltigen Explosionen und verheerenden Bränden kenterte das riesige Schiff innerhalb weniger Minuten. Hunderte Männer waren im Rumpf eingeschlossen. Tag und Nacht sollen Schreie und Klopfgeräusche zu hören gewesen sein. Ein Gedanke, der einem wirklich unter die Haut geht.
Von rund 1’700 Besatzungsmitgliedern verloren etwa 1’000 ihr Leben.
Da verstummt sogar mein loses Mundwerk. Und das passiert wirklich nicht oft.
Mit vielen Gedanken im Kopf verlassen wir die Insel wieder und fahren weiter Richtung Berge.
Hinter Kvaløysletta biegen wir links ab und kurven hinauf zum Skulsfjord Viewpoint. Von dort beginnt unsere heutige Wanderung zum Gipfel… dessen Namen wir uns wieder nicht merken können. Macht aber nichts – schön ist er trotzdem.
Es ist bereits das zweite Mal, dass wir hier hochsteigen. Offenbar vergisst der Mensch Schmerzen schneller als schöne Aussichten.
Der Weg führt steil über Steine und Wurzeln, zwischendurch gemütlich durchs Heideland und anschliessend – weil’s wohl zu einfach wäre – quer durch sumpfiges Moor. Unsere Wanderschuhe hatten heute jedenfalls eindeutig ein Wellnessprogramm im Matsch gebucht.
Oben wartet kein Gipfelkreuz auf uns, sondern ein sauber aufgeschichteter Steinhaufen. Reicht völlig. Hauptsache, irgendetwas bestätigt offiziell: “Ja, ihr seid wirklich hier hochgelaufen.”
Der Blick über Fjorde, Berge und das weite Land ist schlicht überwältigend. In solchen Momenten sind die brennenden Beine sofort vergessen. Naja… fast.
Beim Abstieg verzichten wir heute auf jegliche Heldentaten. Keine Extraschlaufe, kein Bergsee. Die dunklen Wolken sehen nämlich ganz so aus, als hätten sie einen Eimer Wasser dabei.
Zurück bei unserer Perle 🚐 geht’s über die Sandnessundbrua nach Tromsø. Einmal quer über die Insel und direkt in den Botanischen Garten.
Über uns hängt inzwischen eine Wolkendecke, die aussieht, als wolle sie jeden Moment loslegen. Aber nichts passiert. Offenbar hat Petrus heute frei.
Also spazieren wir gemütlich zwischen unzähligen Blumen, schnuppern an allem, was blüht, und fotografieren ungefähr jede Pflanze, die nicht schnell genug hinter einem Blatt verschwinden konnte. Unser Handy dürfte sich inzwischen gefragt haben, ob es Anspruch auf Ferien hat.
Weil der Himmel weiterhin überraschend dicht hält, gönnen wir uns zum Abschluss noch Kaffee und Kuchen im Park. Das Leben kann manchmal herrlich unkompliziert sein.
Am Abend verlassen wir Tromsø durch den rund 3,5 Kilometer langen Tromsøysundtunnel, der am tiefsten Punkt über 100 Meter unter dem Meeresspiegel verläuft, und erreichen den grossen Parkplatz beim Tromsø Alpinpark in Kroken.
Dort stellen wir unsere Perle 🚐 ab. Für andere ist es einfach ein Parkplatz. Für uns ist es heute das schönste Hotel mit Millionenaussicht.
Ja, was soll ich sagen…
Heute haben wir Geschichte erlebt, Berge bezwungen, Blumen bestaunt, Kaffee genossen und keinen einzigen Fisch gefangen.
Und wisst ihr was?
Es hat uns überhaupt nicht gefehlt. 🤣🎣
Manchmal sind es genau diese ungeplanten Tage, die sich für immer ins Herz schleichen.
Gute Nacht, Freunde. 😴Læs mere





































