• Es geht weiter 🚐

    August 3 in Finland ⋅ ⛅ 17 °C

    Montag, 8.00 Uhr. Noch lacht die Sonne vom Himmel… allerdings nur unter Vorbehalt. Der Wetterbericht hat nämlich bereits angekündigt, dass sie später Feierabend machen möchte. Na ja, wir werden sehen, wer am Ende recht behält. 🌤️

    Heute heißt es Abschied nehmen von Monika, Michael und Kivijärvi. Irgendwann muss schließlich jeder weiterziehen – auch wenn es gerade so gemütlich geworden ist.

    Die beiden verlassen ihr Zuhause noch vor uns. Ihr Ziel: Tornio. Rund 120 Kilometer entfernt wartet der Großeinkauf. Man weiß ja nie, wann plötzlich das Klopapier oder die Schokolade ausgehen. Beides könnte bekanntlich zu ernsthaften Krisen führen. 🛒🍫

    Wir dagegen lassen es gemütlich angehen. Erst wird noch Trinkwasser aufgefüllt und anschließend bekommt unsere Perle 🚐 eine kleine Wellnessbehandlung. Mein Schatz verpasst ihr eine erfrischende Dusche und spült den feinen Staub der letzten Tage ab, damit unser rollendes Zuhause wieder geschniegelt und geschniegelt über die Straßen Finnlands rollen kann. Ein bisschen Glanz hat schließlich noch keinem Wohnmobil geschadet.

    Kaum sind wir losgefahren, legen wir auch schon den ersten Zwischenstopp bei der Almhütte Hanhinvittikko ein.

    Wir waren zwar schon mehrmals hier, aber manche Orte verlieren einfach nie ihren Zauber – ganz im Gegenteil.

    Heute zeigt sich die Alm von ihrer allerschönsten Seite. Strahlender Sonnenschein, kleine rot gestrichene Holzhütten mitten auf einer blühenden Sommerwiese, eine idyllische Lichtung im Wald… kurz gesagt: genau die Sorte Postkartenmotiv, bei der man automatisch langsamer geht und tief durchatmet. 🌼

    Unser Spaziergang führt zunächst an der Sennerin vorbei, die gerade ihr Häuschen auf Vordermann bringt. Danach laufen wir über einen Teil der frisch gemähten Almwiese. Der Duft von Heu liegt in der Luft – gratis Aromatherapie inklusive.

    Ein Stück weiter oben erreichen wir die Weide mit zwei neugierigen Jungkühen, während nebenan zwei Pferde über die Koppel galoppieren. 🐄🐎
    Von hier oben genießen wir einen herrlichen Blick über die gesamte Alp.

    Weiter unten entdecken wir den Hühnerstall. Die Hühner dürfen völlig ungeniert frei herumstolzieren – vermutlich sind sie hier die eigentlichen Chefs. 🐔

    Direkt daneben steht ein historischer Heustadel, der – Überraschung! – tatsächlich noch zur Hälfte mit Heu gefüllt ist.

    In der Mitte des Stadels steht ein langer Tisch mit allerlei Dingen, die irgendwann einmal jemand unbedingt besitzen musste und heute ganz offensichtlich nicht mehr. Bücher, Porzellan, Handyhüllen, Babykleidung und jede Menge weiterer Krimskrams warten auf einen neuen Besitzer. Wer jetzt denkt, das sei eine Gratis-Ecke, wird allerdings enttäuscht. Nein, hier gilt das Motto: Schauen kostet nichts – mitnehmen schon.

    Die Almhütte Hanhinvittikko ist in ihrer Art einzigartig in Norrbotten. Ihre Wiesen und Weiden gehören zu den wertvollsten der gesamten Provinz. Hier wächst eine Pflanzenvielfalt, die nur noch wenige Almlandschaften aufweisen können. Einige Arten stehen in Schweden sogar auf der Roten Liste und genießen besonderen Schutz.

    Auch historisch hat dieser Ort einiges zu erzählen. Hanhinvittikko gehört zu den wenigen Almhütten im Tornedal, deren ursprüngliche Gebäude bis heute erhalten geblieben sind. Die Bauweise verbindet auf faszinierende Weise schwedische und finnische Traditionen.

    Während des Zweiten Weltkriegs, als viele Dörfer auf der finnischen Seite niederbrannten, fanden zahlreiche Familien hier Zuflucht. Um das Vieh der Flüchtlinge versorgen zu können, wurde Heu aus Süd- und Mittelschweden herangeschafft. Mit dem Heu reisten ungewollt auch Pflanzensamen an – blinde Passagiere der sympathischeren Sorte. Deshalb wachsen hier bis heute Arten wie das Blutströpfchen (Heidenelke) oder das Johanniskraut.

    Nach unserem Spaziergang wird die Arbeit aufgeteilt. Ich lasse die Drohne 🚁 steigen und nehme spektakuläre Luftaufnahmen der wunderschönen Alm auf. Mein Schatz widmet sich währenddessen der deutlich bodenständigeren Aufgabe und sammelt fleißig Heidelbeeren. 🫐

    Teamwork eben: Einer fliegt durch die Luft, die andere sorgt dafür, dass es am Abend etwas Leckeres zum Naschen gibt. Jeder nach seinen Talenten. 😄

    Anschließend rollen wir mit unserer Perle 🚐 weiter Richtung Övertorneå und überqueren dabei erneut den Polarkreis – diesmal Richtung Süden. Mittlerweile passiert man ihn fast so beiläufig wie eine Ortstafel.

    Bei Övertorneå wechseln wir über die Brücke des Torneälven wieder nach Finnland und folgen dem Fluss in Richtung Tornio.

    Etwa 15 Kilometer nördlich von Tornio beziehungsweise Haparanda erreichen wir Kukkolankoski auf der finnischen Seite beziehungsweise Kukkolaforsen auf der schwedischen Seite.

    Da dieser Ort als eines der bedeutendsten Zentren der traditionellen Flussfischerei Nordeuropas gilt, beschließen wir natürlich, genauer hinzusehen. 🎣

    Die rund 3,5 Kilometer langen Stromschnellen mit ihrem etwa 14 Meter hohen Gefälle zählen zu den längsten frei fließenden Stromschnellen Finnlands. Weil hier nie ein Wasserkraftwerk gebaut wurde, präsentiert sich die Landschaft noch wunderbar ursprünglich.

    Berühmt ist Kukkolankoski vor allem für die jahrhundertealte Kescherfischerei auf Felchen. Die Fischer balancieren dabei auf langen Holzstegen mitten über den tosenden Stromschnellen und fangen die aufsteigenden Fische mit riesigen Handkeschern. Das sieht spektakulär aus und dürfte gleichzeitig eine Beschäftigung sein, bei der Höhenangst oder mangelnder Gleichgewichtssinn eher hinderlich sind.

    Ein wirklich faszinierender Ort, der zum Verweilen und Entdecken einlädt.

    Und tatsächlich entdecken wir mitten auf dem Fluss das Boot „Big Fish“. Es wurde 2013 im Rahmen eines Umweltkunstprojekts installiert und schwimmt seitdem scheinbar völlig unbeeindruckt von Wind, Wetter und neugierigen Touristen mitten im Fluss. Wahrscheinlich hat es inzwischen mehr Selfies über sich ergehen lassen müssen als so mancher Prominente. 🚤

    Bevor wir endgültig nach Tornio weitercruisen, gönnen wir uns im hübschen Restaurant direkt bei den Stromschnellen noch ein Glace. 🍦 Schließlich kann man Kultur nicht auf nüchternen Magen verarbeiten.

    In Tornio erledigen wir unsere Einkäufe erstaunlich schnell. Offenbar waren wir entweder hervorragend organisiert oder schlicht zu hungrig, um lange durch die Läden zu schlendern. 🛒

    Danach geht es weiter nach Kemi.

    Dort verlassen wir die E8 und landen mit unserer Perle 🚐 auf einem wunderschönen Parkplatz mitten im Grünen, direkt am Ufer des Kemijoki.

    Hier verzweigt sich der Fluss in unzählige kleine Inseln, bevor er schließlich im Bottnischen Meerbusen mündet.

    Ein herrlicher Ort für den Tagesausklang – ruhig, idyllisch und genau das Richtige, um nach einem abwechslungsreichen Reisetag die Füße hochzulegen, den Abend zu genießen und die vielen schönen Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen. 🌅

    So und nun gute Nacht 😴
    Freunde 👯‍♂️
    Read more