• Tag 29, 430 Km/7413 Km

    September 27, 2024 in Mauritania ⋅ ☁️ 37 °C

    Ich habe mal wieder einen langen Fahrtag vor mir, also stehe ich vor Sonnenaufgang auf, wühle den Defender aus dem weichen Sand, tanke das Auto so voll ich kann und mache mich auf den Weg nach Terjit tief im Zentrum von Mauretanien. Meine Reisebegleitung möchte in den Senegal, also trennen sich die Wege und ich starte alleine. Ich kämpfe mich zunächst eine Stunde durch die Hauptstadt Nouakchott, ein übles Moloch. Wie auch schon in Nouadibou gibt es so gut wie keine Verkehrsregeln, jeder fährt einfach drauf los. Man muss zu jeder Zeit mit allem Rechnen. Die Hupe ist bei mir und allen anderen das wichtigste Teil am Fahrzeug. Wer zuerst Hupt, darf zuerst fahren.
    Nachdem ich aus Nouakchott raus bin wird die Gegend immer einsamer. Ich durchquere nach rund 200 Kilometer das einzige Dorf auf der gesamten Strecke. Auch die Checkpoints werden weniger, insgesamt werde ich auf dem gesamten Stück rund 15 Mal von der Polizei oder vom Militär angehalten. Auf dem ersten Stück sehe ich eine grüne Sahara, es hat in den letzten Tagen weiter ordentlich geregnet und so grasen viele Ziegen und Dromedare direkt an der Straße. Es ist immer wieder ein komisches Gefühl, wenn ich auf dieser menschenleeren Straße von einzelnen Fahrzeugen mit 4 oder 5 komplett vermummten Personen auf der Ladefläche überholt werde. Nachdem ich das kleine Dorf auf der Hälfte der Strecke durchquert habe und die einzige Tankstelle auf der gesamten Strecke passiere, wird es richtig einsam. Die Straße wird deutlich schlechter, ich sehe über Stunden keinen anderen Menschen. Es gibt kein Telefonnetz mehr. Das Stück bleibt mir bis zum Ende nicht geheuer, dies ist die einsamste Straße der bisherigen Reise, vielleicht sogar meines Lebens. Ich komme nach insgesamt 6 Stunden Fahrzeit in Terjit an. Hier wird das Klischee der Sahara maximal möglich bedient: hohe Berge, Sand, Palmen, Holzhütten mit Strohdach.
    Ich finde einen schönen Platz bei Jamal, dieser lässt ab und zu Leute die sich hierher verirren in seinem Hof übernachten. Seine Frau kocht mir Eier mit Pommes und Zwiebeln, als ich von ihr zum Essen gerufen werde scheucht Jamal noch schnell vorher alle Fliegen vom Essen und zieht dann meinen Stuhl einladend zurück, was ein Service. Am späten Nachmittag messe ich mit 47 Grad im Schatten die wärmste Temperatur der ganzen Reise. Jamal bindet seine Ziegen direkt neben meinem Auto an und hat natürlich auch einen Hahn. Das wird bestimmt eine ruhige Nacht.
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