Tag 67, 300 Km/11485 Km
4 novembre 2024, Guinée ⋅ ☀️ 35 °C
Es geht los. So früh ich kann starte ich in Bissau. Es soll der längste und härteste Tag der Reise werden, 300 Kilometer quer durch Guinea-Bissau, über die Grenze nach Guinea bis in die nächste Stadt. Egal, wen ich vorher gefragt habe, alle sagen das Gleiche. Die Straße ist schlecht, super schlecht. Ist die Straße raus aus dem Zentrum dank chinesischer Baustellen mit chinesischen Straßenschildern noch gut, fängt das Elend kurz hinter der Stadt an. Schlaglöcher in unfassbarer Anzahl und Ausdehnung, kurzzeitig geteert aber genauso kaputt, dann wieder alles von vorn. Es ist mir ein Rätsel, wieso nach 5 Kilometern Schotterweg plötzlich 300 Meter geteert sind. Entweder man ist bis hier rausgefahren um dann hier zu teeren, der Belag hat sich über die Jahre zu Staub verwandelt oder die Einwohner haben die Straße "abgebaut" um mit dem Belag etwas anderes zu machen. Bis zur Stadt Gabú bleibt die Straße schlecht, wird danach bis zur Grenze noch schlechter. Ich habe das Gefühl, erst nach Einbruch der Dunkelheit in Guinea anzukommen, so langsam komme ich voran. Eines muss man Guinea-Bissau lassen: alle Straßen sind exakt gleich schlecht. Das ist Qualität!
Bis zur Grenze werde ich dreimal von der Polizei angehalten. 1. Stopp: alles reibungslos. 2. Stopp: eine sehr korpulente Frau astet sich, als sie mich sieht, von ihrem Plastikstuhl auf, wankt auf die Straße und plappert wie ein Wasserfall in portugiesisch auf mich ein. Ich sage ihr, dass ich kein Wort verstehe. Sie denkt kurz nach, brüllt dann durch das geöffnete Fenster: "Money, Money!" Ich antworte ihr, dass ich kein Geld habe, womit sie sich offenbar zufrieden gibt und mich durchwinkt. 3. Stopp: Der unfreundliche Herr möchte alle Papiere, Warndreieck, Feuerlöscher sehen, 50€ haben (bekommt er nicht) und schließlich einen Kugelschreiber (bekommt er), ich soll noch dem Chef die Hand schütteln, auch er will einen Kugelschreiber (bekommt er nicht).
Die Grenze läuft super entspannt, alle Daten werden wieder in diverse Bücher geschrieben, nach 30 Minuten sind beide Seiten erledigt. Noch 3.5 Stunden bis es dunkel wird und noch 40 Kilometer - easy. Die Straße wird nach der Grenze in Guinea richtig richtig übel. Tief ausgewaschen, Tiefsand, Schlaglöcher in unfassbarer Dimension, Geröll, Flussdurchquerung, alles ist vorhanden. Ich brauche für die ersten 13 Kilometer 1.5 Stunden und komme ich eine kleine Stadt, wo ich eine SIM kaufen möchte. Die Stadt sieht ein bisschen aus wie in einem Wild-West Film, nur dass hier Plastikmüllberge brennen. In einen der brennenden Müllberge kippt einer der Einwohner noch schnell das Öl vom Ölwechsel. Das Kaufen der SIM dauert ewig, außerdem hab ich noch keine Guinea-Franc und Karte oder andere Währung akzeptiert man nicht. Ich nehme ein Motorradtaxi und fahre in diesem Kaff noch Geld wechseln, bis die SIM dann endlich läuft dauert es eine Stunde. Noch eine Stunde bis Sonnenuntergang und noch 27 Kilometer. Ich fahre das Fahrzeug am Limit, bin selber schon weit darüber, möchte aber auf keinen Fall diese Straße im Dunkeln fahren oder gar hier übernachten. Nach weiteren 5 Kilometern passiert es dann. Es gibt ein Schlagloch in der Größe von 30x40 Metern voll mit Wasser, keinen Weg drumherum. Um nicht im Schlamm stecken zu bleiben fahre ich zügig hinein. Das Loch ist tief, viel tiefer als erwartet. Wasser schwappt bis auf die Windschutzscheibe, als die Fahrzeugfront in das hellbraune Wasser eintaucht. Der Motor geht aus, rote Motorkontrollleuchte leuchtet. Ich stehe mitten in dem Loch, das Wasser geradeso an der Unterseite der Fahrertür (dass es hinten schon in die Türen hinein in den Innenraum läuft, werde ich erst am Abend wissen). Hoffentlich hat die Luftansaugung kein Wasser in den Motor gezogen, dann ist die Reise hier beendet. Ich drehe den Schlüssel, der Motor springt an und mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich fahre an, keine Bewegung des Fahrzeugs, weder vor noch zurück. Ich sperre das Differenzial und lege die niedrige Untersetzung ein. Vorwärts geht nichts, rückwärts ein paar Zentimeter. Vor und zurückwippend gebe ich Vollgas und komme schließlich raus. Die Sonne geht nun unter. 5 Kilometer weiter steht ein LKW quer. Ich kann's kaum glauben, als ich genau an dieser Stelle zwei meiner vorherigen Reisebegleitungen wiedertreffe, die Welt ist klein. Ich komme gerade so an dem LKW vorbei, die anderen beiden müssen die Nacht leider dort verbringen. Es ist dunkel, als ich in die nächste Stadt einfahre. Es gibt ein Hotel mit einem gesicherten Parkplatz, den ich im Dunkeln aufsuche. Der unfreundliche Besitzer will 30€ für die Nacht im Auto, Toilette und Dusche gibt's nicht und um 9 muss ich spätestens weg sein. 'Beggar's can't be choosers.'
Ich öffne eine Flasche Bier und kann es kaum glauben, mit dem Auto bis nach Guinea gefahren zu sein.En savoir plus






















Das war eine aufregende Tour. Zum Glück ist alles gut gegangen. [E.L.]