• Tag 68, 258 Km/11743 Km

    5 November 2024, Guinea ⋅ ☀️ 31 °C

    Am Abend sind es erst Einheimische, die laut grölend vor der Hotelmauer sitzen. Sie werden um 3 Uhr vor der klagenden Ziege abgelöst, diese dann um 4 und um 6 Uhr von der Moschee. Ich starte deswegen heute mit dem zweiten und nicht dem ersten Sonnenstrahl und fahre über die Stadt Koundara in Richtung Labé. Die Straße ist erstklassig und wunderschön zu fahren, keine Schlaglöcher, links und rechts Natur gespickt mit unglaublich schönen Dörfern, deren Häuser aus Lehm und Stroh bestehen. Alle Menschen, die mich vorbeifahren sehen winken und unterbrechen das, was auch immer sie gerade tun. Ein Tourist mit deutschem Kennzeichen scheint eine Seltenheit... kann ich gar nicht verstehen. Kinder laufen beim Anblick von Heiner davon oder schreien "Blanco, Blanco" - Weißer - im Chor. In der Ferne taucht das Hochland, das Fouta Djallon auf. Die Straße windet sich den Berg hinauf und wird zu einer Staubpiste. Motorradfahrer kommen mir auf diesem Stück mit FFP2-Maske entgegen, ich habe den Staub später überall im Fahrzeug, sogar in den verschlossenen Schränken. Auf diesem Stück gibt es eine berüchtigte Polizeikontrolle. Kaum zu sehen steht ein Stoppschild am Seitenrand. Hält man nicht an, verfolgt der Chef einen mit seiner weißen Harley Davidson und verlangt 300€.
    Vorschriftsmäßig halte ich. Ich sehe besagte Person auch an der Seite, die Weiße Harley wird gerade klischeemäßig von einem der Anwesenden gewaschen. Er kommt jedoch nicht zu meinem Auto. Vorsichtshalber steige ich aus und gehe zu ihm. Er sieht aus, als hätte er den Militärputsch aus dem vergangenen Jahr höchstpersönlich geleitet. Breite Schultern, dicker Bauch, Sonnenbrille, Uniform, Sterne auf den Schulterklappen. Grimmig kontrolliert er Dokumente und Fahrzeug, lacht als ich ihm beide Feuerlöscher zeige und lässt mich fahren.
    Kurz vor Labé verlasse ich die mittlerweile wieder gut geteerte Straße auf eine 22 Kilometer lange Piste, tief in den dichten grünen Urwald eingeschnitten. Je weiter ich die Piste fahre, umso einsamer und umso schwieriger. Mein Ziel ist der Sala-Wasserfall am Wegende.
    Rund 500 Meter vor dem Ziel gab es einst eine Brücke, diese ist eingestürzt. Ich parke das Auto auf einer kleinen Lichtung und gehe die letzten Meter zu Fuß durch den immer dichter werdenden Wald. Es gibt eine verlassene Lodge am Ende, die Gebäude sind im Begriff zu verfallen. Schließlich taucht der Wasserfall auf. Unfassbar schön und kein Mensch weit und breit. Nach einer guten Stunde gehe ich zum Auto zurück und da es schon zu spät für die Weiterreise ist, bleibe ich die Nacht auf der Lichtung. Affen brüllen rundherum und sind in den Bäumen zu sehen, den Wasserfall höre ich bis hierher zum Übernachtungsplatz. Noch niemals in meinem Leben war ich an einem vergleichbaren Ort.
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