• Tag 73, 0 Km/11848 Km

    November 10, 2024 in Guinea ⋅ ☀️ 32 °C

    Hassan hat für mich heute noch ein Spezialprogramm. Mit seinem Neffen Asalam soll es bin runter ins Tal und wieder rauf gehen. Eigentlich wollte ich mittlerweile längst weitergefahren sein, aber die Region im Hochland ist zu schön, um hier nur ein paar Tage zu verbringen. Etwas zweifelnd willige ich also ein und wir starten früh, da der Weg länger als 20 Kilometer ist. Die ersten zwei Stunden geht es auf einem schmalen Pfad, der direkt am Fels entlangführt, konstant steil bergab. Wir erreichen das Tal, als auf dem Weg plötzlich jemand steht. Er trägt eine Machete, ein Gewehr liegt vor ihm auf dem Boden. Während Asalam drei Sätze mit ihm wechselt und wir an ihm vorbeigehen, schultert er das Gewehr und folgt uns. Nach rund 10 Minuten verlassen wir den Pfad, biegen weglos ins Gelände ab, der Kerl weiterhin hinter uns. Asalam blickt sich jetzt immer wieder um, ist sichtlich nervös. Er legt noch einen Schritt zu, ich kann gehend kaum mehr mithalten. Als wir nach rund einer halben Stunde an einen Fluss kommen, der einige Sekunden zum überqueren dauert, schaffen wir es auf der anderen Seite im Gewirr des Dickichts unseren Begleiter abzuhängen. Es gab schon ein paar Mal solche Situationen, in denen ich nicht nachvollziehen kann, warum die andere Person gerade so handelt, so auch hier. Im besten Fall war es nur Neugier, was der Weiße hier in diesem Tal zu suchen hat.
    Wir laufen eine weitere Stunde durch das Dickicht des Waldes, ich stürze zweimal über die dicken Wurzeln am Boden, die aufgrund des Bewuchses nicht zu sehen sind. Plötzlich höre ich ein Trommeln von der Seite, gefolgt von Schreien. Asamal stockt und blickt in den Wald. "Das sind Schimpansen" sagt er. Die Schreie kommen nicht von weit weg und auf eine Begegnung mit wilden Schimpansen im Wald können wir beide verzichten, also überspringen wir die mittlerweile längst überfällige Pause. Wir kommen an einen Fluss, wo Asalam sagt, dass die Schimpansen hier zum Trinken herkommen. "Wenn wir denen hier begegnen, ist das nicht gut. Wir sollten weiter." sagt er.
    Es geht nun langsam Bergauf und wir sind so nah an der Felskante, dass ich keinen Himmel mehr sehen kann, als Asalam plötzlich hektisch umdreht. Er hat eine Schlange auf dem Weg liegen sehen, kennt den Namen der Schlange nicht im französischen, sagt mir aber, dass die Schlange sehr gefährlich ist. "Wenn die uns beißt, war es das." Da es zum Teil auf allen Vieren über dicht bewachsene Steine geht, ist mir auf der weiteren Strecke unwohl, plötzlich in eine Schlange zu greifen. Geschieht zum Glück nicht.
    Die Felswand bricht an einer Stelle in einer Felsscharte auf, hier befindet sich der Rückweg. "Es gibt Leitern, an denen wir durch die Felsspalte nach oben klettern" sagt Asalam. Die 'Leitern' sind mehrere Holzstämme, mit Lianen zusammengebunden und an die Felsen gelehnt. Mit dem Wasserfall, der die Felsscharte herunterläuft, ist der Rückweg spektakulär. Nach insgesamt 7 Stunden kommen wir am Gipfel an und machen unsere erste Pause. Nach 4 Wandertagen bin ich ziemlich platt. Es geht auf einen letzten Anstieg, der es noch einmal in sich hat, anschließend über Felder rund eine weitere Stunde zurück zum Camp. Hassan freut sich, als wir zurückkommen. "Für morgen hab ich schon etwas schönes für dich rausgesucht." sagt er. In Ordnung, dann bleibe ich halt noch einen weiteren Tag.
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