• Tag 75, 296 Km/12144 Km

    November 12, 2024 in Guinea ⋅ ☁️ 32 °C

    Ich verabschiede mich am Morgen von Hassans Familie, welche mich fast eine Woche als Gast empfangen haben. Er selber möchte von mir bis in die nächste größere Stadt mitgenommen werden, er muss einen Brief schreiben und dazu in ein Cybercafé. Hätte er mal gefragt, hätte ich ihm meinen Laptop geliehen. Die Stadt ist leider nur über eine üble Offroadpiste erreichbar, auf Teilen davon bin ich schon auf dem Hinweg gefahren. Hassan kennt auch hier eine Abkürzung, wir sparen eine Stunde Fahrzeit, die Straße ist dafür an der Grenze zu unbefahrbar. Steil und mit viel Geröll, dazu ordentliche Schräglage mit genügend Stellen, an denen das Fahrzeug potenziell zur Seite kippen kann. Die Straße ist bei keinem Navigationsdienst, den ich nutze eingezeichnet. Für die 15 Kilometer brauchen wir genau 2 Stunden. Hassan zeigt mir in der Stadt noch die örtlichen Webereien, hier werden Stoffe für den Weiterverkauf von Hand produziert. Ohne Hassan geht es weiter über die großen Städte Dalaba und Mamou bis zum Tagesziel Kindia. Es gibt rund 10 Checkpoints auf dem Weg, bei Dreien werde ich angehalten, alle sind freundlich. Beim letzten Stopp werde ich freundlich gefragt, ob ich ein Geschenk aus Deutschland mitgebracht hätte, der Polizist bekommt von mir einen Stift, worüber er sich sehr freut. Als er seinem Chef den Stift zeigt, rennt dieser zu meinem Auto und möchte auch einen, ist ein bisschen wie als würde man Kindern Süßigkeiten geben. Ich gebe ihm ebenfalls einen und sehe beim Davonfahren im Rückspiegel, wie beide ihren tollen neuen Stift ansehen.
    In Kindia finde ich nach langer Zeit eine Tankstelle, bei der ich mich traue zu tanken. Seit Marokko tanke ich nur bei großen Ketten wie Shell oder Total und versuche die kleinen Tankstellen aufgrund der schlechten Dieselqualität möglichst zu meiden. Ich möchte 50 Liter, werde aber zunächst gefragt ob ich auch Geld habe. Anschließend wird zu viert über mehrere Minuten diskutiert, wie viel 50 Liter denn kosten und wie viel Wechselgeld ich zurückbekomme, bis ich ihnen schließlich 400.000 Franc (einen Bündel, der aufgrund der Inflation so dick ist, dass er kaum in meine Hand passt) gebe und sage, dass ich Diesel für 400.000 Franc haben will. Jetzt rechnet man aus, wie viele Liter das denn dann sind, bis schließlich für 385.000 Franc getankt wird und ich 15.000 Franc zurückbekomme. Als ich von der Tankstelle fahre, sind alle verwirrt, mich eingeschlossen.
    Ich finde einen kleinen unspektakulären Wasserfall mit angeschlossenem Hotel, für 20€ lässt man mich auf dem Hof parken. Ich esse überraschend gutes Hühnchen mit Pommes und Kochbananen am Abend und bekomme zum ersten Mal ein Bier aus Guinea angeboten, eine Seltenheit in der sonst überwiegend islamischen Republik.
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