• Tag 76, 118 Km/12232 Km

    November 13, 2024 in Guinea ⋅ ☁️ 30 °C

    Auf geht's nach Conakry. Als ich losfahre, bin ich mir noch unsicher, ob ich mir das wirklich antun will. Ich könnte an der Grenze einen Beamten schmieren, damit er darüber hinwegsieht, dass ich keine Fingerabdrücke abgegeben hab und keinen offiziellen Visasticker im Pass habe und alle weiteren Behördengänge in Freetown, Sierra Leone machen, allerdings läuft mein Sierra Leone Visum erst ab dem 20.11. und somit muss ich so oder so einige Tage noch in Guinea verbringen. Also geht es tatsächlich los in die Hauptstadt. Nachdem die schlechte Offroad Strecke irgendwann endlich geteert ist, sehe ich auf dem letzten Stück vor Conakry immer wieder Schlachter, die Rinder und Ziegen am Straßenrand ausnehmen. Das Leder wird nach dem Schlachten blutüberströmt am Seitenstreifen aufgehängt. Dann beginnt das Chaos. Conakry ist ein Moloch, was schon Kilometerweit vor dem eigentlichen Stadtkern beginnt. Wirklich ganz ganz übel. Der Straßenverkehr ist das heftigste, was ich in meinem Leben jemals gefahren bin, kein Vergleich zu Nouakchott oder Dakar. Es riecht nach verbranntem Plastik, Holz oder nicht richtig verbranntem Diesel, Erbrochenem. Bettler, Händler und Kinder stehen an jeder Straße und greifen ins Auto, sodass ich bei 35 Grad ohne Klimaanlage die Fenster schließen muss, die Luft ist diesig aufgrund der Verschmutzung, fast alle Fahrzeuge stoßen tiefschwarzen oder weißen Rauch aus. Der Verkehr ist unfassbar, ich sehe mehrere Verkehrsunfälle trotz massiver Polizeipräsenz an den Kreuzungen. Die Polizei trägt Schlagstöcke und nutzt diese zum direkten Bestrafen bei Vergehen, seltener um die Richtung zu zeigen. Ich sehe ein Motorradtaxi, dessen Fahrer trotz Haltesignal weiterfährt und vom Polizisten als Strafe mit dem Stock im Vorbeifahren eins Übergezogen bekommt. So vorsichtig ich auch fahre, der Verkehr kommt von allen Seiten, auch bei rot, besonders im Kreisverkehr. Es fängt plötzlich an zu regnen, was die Luftfeuchtigkeit explodieren lässt. Ohne Unfall schaffe ich es nach Stunden in einen der Vororte vom Stadtkern, wo ich bereits gestern über AirBNB ein Zimmer mit Bad für 35€ die Nacht gemietet habe. An Schlafen im Auto ist für mich aktuell nicht mal ansatzweise zu denken. Das Zimmer ist okay und nach afrikanischem Maßstab sauber, es gibt einen Parkplatz mit hoher Mauer und Stacheldraht.
    Ich muss mich am Nachmittag etwas sputen, da ich unbedingt noch heute den Stempel und den Visumssticker bei der Einwanderungsbehörde abholen muss und dort meine Fingerabdrücke abgeben soll. Ich nehme am Nachmittag also ein Mototaxi, welches mich für 3€ pro Strecke zum Flughafen bringt. Fingerabdrücke, Stempel und Sticker bekomme ich dort. Der Flughafen ist maximal gesichert, es geht durch 5 Kontrollen und bei jeder muss ich erklären, was ich möchte. Dass jemand ohne Sticker auf dem Landweg eingereist ist, haben viele noch nie oder zumindest schon lange nicht mehr gehört. Im Behördenbüro geht alles reibungslos, nach 15 Minuten ist alles erledigt. Ich rufe den Fahrer vom Mototaxi an, 5 Minuten später ist er wieder da und bringt mich zum Ausgangspunkt zurück.
    Am Abend finde ich ein Restaurant, welches seit dem Betreten des afrikanischen Kontinents zum ersten Mal Speisen anbietet, die wir auch bei uns in Europa finden. Da ich mich einige Tage hier aufhalten werde und das Restaurant 15 Minuten zu Fuß vom Appartement entfernt ist, wird dies sicherlich nicht der letzte Besuch in diesem Restaurant sein.
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