• Tag 87, 0 Km/13057 Km

    24. november 2024, Sierra Leone ⋅ ☀️ 32 °C

    Mustafa möchte, dass wir um 04:00 auf einen Pfad in den Regenwald starten. Vor einigen Wochen hätte ich sicherlich eingewilligt, nach den letzten Wochen physischer Anstrengung schlage ich stattdessen 10:00 Uhr vor. Tief im Wald gibt es einen alten Friedhof, den wir besichtigen. Einst gab es einen Kampf zwischen zwei benachbarten Dörfern, die Toten aus diesem Konflikt sind auf dem Friedhof begraben. Der Weg dorthin dauert 3 Stunden, auf dem Weg steht ein Baum, der wandern kann. Mit langen Wurzeln oberhalb der Erde bewegt er sich langsam vorwärts, schlägt neue Wurzeln und stößt die alten ab. Ich wusste nicht, dass Bäume dazu fähig sind. Auf dem Weg gibt es rundherum immer wieder Affen in den Bäumen. Die Gräber sind dafür leider unspektakulär, vielleicht war meine Erwartung auch zu hoch.
    Ich prüfe am Nachmittag das Auto, es gibt zwei Stellen an denen ich auf der schlechten Piste aufgesetzt habe, beide Stellen sind nicht dramatisch, kein Riss, nichts ist gebrochen.
    Am Nachmittag laufe ich zu einer kleinen Lichtung rund 15 Minuten zu Fuß. Zu diesem Ort kommen die Einheimischen um gutes Internet zu haben. Tatsächlich ist die Verbindung deutlich besser als im Dorf. Auf der Lichtung sitzend kommen plötzlich 6 einheimische Jugendliche mit gesammeltem Holz vorbei. Sie grüßen zunächst freundlich, kehren aber nach 10 Minuten mit Macheten zurück und sagen mir etwas in einer Sprache, die ich nicht spreche. Ich werde auf dem gesamten Weg zurück zum Dorf belagert und begleitet, erst einer der Dorfbewohner kann die Gruppe verscheuchen. Dieses Phänomen ist mir schon öfter begegnet, hauptsächlich in Dörfern. Sobald die Einheimischen einen entdecken, wird man bedrängt, in der Regel wird dann nach allem Möglichen, hauptsächlich nach Geld verlangt.
    Kurz vor Sonnenuntergang geht es mit Mustafa noch ein letztes Mal in den Wald. Die Atmosphäre auf der Lichtung vom Vortag ist in der Abenddämmerung noch einmal eine vollkommen andere.
    Auch wenn der Regenwald mit den Tieren toll ist, werde ich das Dorf morgen verlassen. Luftfeuchtigkeit, Hitze und Insekten haben mir die letzten zwei Tage ordentlich zugesetzt. Es ist für mich unvorstellbar, wie man es schafft an einem solchen Ort dauerhaft zu leben, so wie es Mustafa tut. Ich werde versuchen, ohne umzukippen morgen über die schlechte Piste zurückzufahren und mit Tiwai Island, ein weiterer Nationalpark noch etwas weiter im Süden, das letzte Ziel in Sierra Leone anzusteuern.
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