• Tag 98, 26 Km/14128 Km

    December 5, 2024 in Ivory Coast ⋅ 🌙 24 °C

    Wir brechen am Morgen zu dritt auf in Richtung 'Dent de Man', einem eindrucksvollem Berg direkt vor den Toren der Stadt. Es gibt einen Wanderweg einmal rund um den Berg incl. Gipfeletappe. Schon vorher hatte ich gehört und gelesen, dass das Dorf, von dem die Wanderung startet nicht angenehm für Touristen ist. Wir sind also auf alles vorbereitet. Schon vor der Einfahrt in das Dorf winkt uns ein Typ am Straßenrand heran und fragt uns, ob wir die Rundwanderung machen möchten. Er könnte uns auf den Berg führen, würde uns einen sicheren Parkplatz vor seinem Haus anbieten. Außerdem wäre es im Dorf alleine ohne Führer nicht ungefährlich, also würde er uns begleiten. Für diesen Service möchte er 30€ haben. Wir handeln ihn auf 22€ runter und willigen ein. Er sagt, dass der Dorfchef für die Nutzung der Straßen zu Fuß nochmal pro Person 3€ kassieren wird. Auch damit sind wir einverstanden. So geht es also mit unserem Führer durch das Dorf. Die Stimmung ist leider total unangenehm, jeder fragt nach Geld. Am Dorfplatz sitzen rund 10 Männer, trinken harten selbstgebrannten Alkohol aus Wassergläsern. Es ist ja nunmal auch schon 10:00 Uhr am Donnerstag Morgen und da die Herren keine Kostüme tragen, ist offenbar auch gerade kein Altweiber, wo ich es noch verstanden hätte, wieso am frühen Morgen Alkohol getrunken wird. Keiner der Anwesenden ist freundlich, wir werden mit "Wer Weiß ist, muss hier im Dorf zahlen" begrüßt. Unser Guide ext noch schnell ein Wasserglas voller Schnaps und fragt dann, ob wir ihm ein Wasser kaufen. "Klar, kein Problem. Ziehen wir aber von der vereinbarten Summe ab." Ohne sein Wasser starten wir. Auf dem letzten Stück raus aus dem Dorf steht noch ein weiterer Mann und sagt, wir müssten jeder 2€ zahlen. "Wieso?" frage ich ihn. Er antwortet sofort aggressiv: "Wieso, fragst du mich? Weil du durch mein Dorf läufst!" Ich bin zum ersten Mal etwas angefressen und frage mich, wozu ich eigentlich einen Guide habe, der genau solche Situationen verhindern wollte. Nach einer kurzen Diskussion mit unserem Guide geht es ohne zu zahlen weiter. Die Wanderung dauert laut unserem Profibeschützer eine Stunde, die Zeitangabe im Internet sagt 3-4 Stunden. Es geht rauf auf den Berg, der Weg ist steil und extrem anstrengend, insbesondere mit der noch nicht ganz auskurierten Typhuserkrankung. Auf dem Anstieg frage ich mich, wieso ich mir das überhaupt antue. Ich könnte auch unten in der Stadt irgendwo in einem klimatisierten Café sitzen und mir einen schönen Film von Reinhold Messner ansehen, wie er einen 8000er besteigt. Stattdessen kletter ich hier bei 32 Grad selber irgendeinen Berg hoch und wieder runter und das, obwohl es oben nicht mal eine Hütte mit Weißbier und Würstchen gibt. Wir klettern wieder runter, beenden die Wanderung nach fast 6 Stunden und kommen ins Dorf zurück. Direkt am ersten Haus stehen drei Männer und verlangen 2€ pro Person für die Nutzung des Weges. Davon war bislang nicht die Rede und wir sind nicht bereit, irgendetwas zu zahlen. Die Stimmung kippt, es wird auf beiden Seiten laut. Ich stelle unseren Führer zur Rede, da ich der einzige bin der französisch spricht. Den ganzen Tag hätte er uns davon erzählt, dass wir am Nachmittag noch einmal für den Rückweg zahlen müssen. Nach einer endlosen Diskussion zahlt er schließlich die Summe von seinem vereinbarten Honorar. Als wir schließlich am Auto sind, sein Honorar gezahlt haben und fahren wollen, stellt er sich vor das Auto und sagt zu uns: "Ich bekomme noch 6€ von euch. Hab ich gerade vorgestreckt und euch geliehen." Ich frage mich ernsthaft, ob ich im falschen Film bin. Glücklicherweise steht das Auto schon so, dass ich wegfahren kann, was dann auch ohne Zahlung geschieht. Etwas mulmig ist mir dabei doch. Im Dorf kennt jeder jeden und wer weiß, was am Dorfausgang noch so lauert. Bis auf an der Straße herumlungernde Männer die uns durch das offene Fenster zuschreien, dass wir verschwinden sollen passiert glücklicherweise nichts.
    Natürlich muss es auch solche Erfahrungen geben, trotzdem ist die Erfahrung am ersten Tag in der Elfenbeinküste kein guter Einstieg. Immerhin hatte die Wanderung einen positiven Aspekt. Nach 6 Stunden im Wald wurde ich von keinem einzigen Insekt gestochen.
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