Tag 100, 340 Km/14479 Km
December 7, 2024 in Ivory Coast ⋅ ☁️ 33 °C
Tag 100. In der Nacht bekomme ich kein Auge zu, es ist Freitag und an der Straße zum Krankenhaus wird getrommelt. Die Vibrationen der Trommeln spüre ich bis auf die Matratze. Als ich um 07:00 aufstehe, ist die Trommelparty noch immer nicht beendet. Übermüdet starte ich in Richtung Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Die Straße von Man nach Yamoussoukro ist erstklassig, es gibt kein einziges Schlagloch. Leider hat der Defender heute wieder massiven Leistungsverlust, den Luftfilter hatte ich zwar gereinigt, aber nur mit Wasser statt mit Lösungsmittel. Zwischendrin hab ich immer mal wieder das Gefühl, dass der Motor ausgehen könnte, also muss ich da am Abend noch einmal ran. Kurz hinter Man gibt es zwei berüchtigte Polizeikontrollen und jetzt in der Vorweihnachtszeit besteht das Risiko, aufgrund von fehlendem Geld und notwendigen Geschenken an einem dieser Checkpoints für irgendetwas heftig zahlen zu müssen. An beiden Checkpoints stehen vermummte, schwarz gekleidete Männer mit Maschinengewehren und Nagelbrettern. In den letzten Wochen bin ich bei allen Checkpoints, bei denen kein Fahrzeug bzw. kein Motorrad zu sehen war einfach weitergefahren. Die erhobene Hand als Zeichen zum Stoppen habe ich grüßend ebenfalls mit erhobener Hand erwidert. An den beiden Checkpoints jetzt hier halte ich wohl besser dann mal an. Auch wenn die Kontrollen intensiv sind, sind beide mit etwas Diskussion am Ende problemlos.
Rund 100 Kilometer vor Yamoussoukro führt die Asphaltstraße durch eine Stadt, in der Wellblechhütten von der Straße nach links und rechts bis zum Horizont zu sehen sind. Städte wie diese gab es bisher zu Hauf auf der Reise. In dem Bereich, wo links und rechts die Straße endet, fällt die Böschung ca. einen Meter sandig ab, dahinter beginnen die besagten Wellblechhütten. Ich sehe von weitem zwei Männer kniend in dem Bereich zur Straße, einer trägt einen Motorradhelm, der zweite einen Schal im Gesicht. Im ersten Moment denke ich, es hätte vielleicht einen Unfall gegeben und die beiden liegen deswegen am Straßenrand. Auf der Gegenspur hält genau in diesem Moment ein moderner Reisebus. Die beiden Männer springen auf, rennen in einer gebückten Haltung auf die andere Straßenseite und ich frage mich noch kurz, was hier gerade vor sich geht, in dem Moment wo ich wenige Sekunden später an dem Bus vorbeifahre wird es mir klar. Die beiden rauben den Bus bzw. die aussteigenden Passagiere aus. Ich kann nur noch im Rückspiegel erkennen, wie die Zwei auf die wenigen Ausgestiegen treffen und sehe auch noch einen weiteren Passanten an der Straße, der in diesem Moment die Szenerie auch etwas ungläubig mit ansieht. Das Überfälle in der Elfenbeinküste passieren, war mir klar, dass dies mitten am Tag auf der Hauptstraße in einer belebten Stadt passiert, hätte ich nicht gedacht. Polizei ist weit und breit nicht zu sehen, die sind alle ein paar Kilometer vorher damit beschäftigt, die Leute im Straßenverkehr mit Nagelbrettern zu drangsalieren.
Dank der Schnellstraße komme ich immerhin bereits am Mittag in Yamoussoukro an. Der ehemalige Präsident hat hier das Dorf mit ursprünglich 500 Einwohnern, in dem er geboren ist, zur Hauptstadt erklärt. Es gibt 6-spurige Straßen auf denen sporadisch mal ein Auto fährt. Die Einwohnerzahl pro Quadratmeter ist 10-mal weniger als in Düsseldorf. Selbst Nebenstraßen sind 4-spurig und so genieße ich die erste Stadt in Afrika, die freie Fahrt bietet.
Natürlich darf in der Hauptstadt ein Prunkbau nicht fehlen, also besichtige ich die Kathedrale, welche eine der größten auf der ganzen Welt ist. Die Fenster sind aus französischem Buntglas, im Innenraum gibt es klimatisierten Sitzplätze für insgesamt 11.000 Personen.
Ich finde am Nachmittag einen Supermarkt, der endlich und nach vielen Wochen als ein solcher bezeichnet werden kann und alles bietet, was Supermärkte in Europa auch anbieten. Endlich ist der Kühlschrank wieder voll!
Nach der Besichtigung von Kirche und Supermarkt suche ich am Abend einen Übernachtungsplatz, frage an der Kathedrale ob ich auf dem Parkplatz stehen darf. Zuerst heißt es ja, doch der Chef entscheidet anschließend, dass das doch nicht geht. Immerhin treffe ich auf zwei mir bekannte Reisende, die auch einen Schlafplatz suchen. Im Stadtzentrum gibt es ein französisches Restaurant, wir fragen den Besitzer und er willigt ein, dass wir die Nacht auf dem Restaurantparkplatz stehen dürfen, wenn wir im Restaurant essen. Ein guter Deal. Ich reinige noch schnell und gleichzeitig gründlich den Luftfilter, als plötzlich 10 schwarze Limousine auf den Hof fahren. Der Landwirtschaftsminister kommt zum Abendessen. Während er mit seiner Entourage isst, schießen seine Security mit mir Fotos. Noch nie haben sie jemanden gesehen, der mit dem Auto bis in die Elfenbeinküste gefahren ist. Der Minister ist mit vollem Magen weniger beeindruckt. Immerhin grüßt er freundlich.Read more
















