Tag 151, 115 Km/19229 Km
27 января 2025 г., Нигерия ⋅ ☀️ 36 °C
Am frühen Morgen gibt es für uns die Möglichkeit, gemeinsam mit den Pilgern aus dem Kloster zu einem heiligen Wasserfall zu laufen. Streng bewacht von mehreren mit Schrotflinten bewaffneten Sicherheitsleuten zieht die Pilgergruppe von rund 100 Personen los. Eine der Pilgerinnen erklärt uns, dass der Weg erst seit einem Jahr wieder zu Fuß und mit Sicherheitspersonal möglich ist, zuvor gab es sieben Jahre keine Möglichkeit den Wasserfall zu besichtigen, derart schlecht war die Sicherheitslage. Viele Pilger sind merklich nervös, wenn keiner der vielen Sicherheitsleute in der Nähe ist, fragen immer wieder rundum "where is the security?". Der Weg führt rund 40 Minuten durch den Wald, anschließend müssen die Schuhe ausgezogen werden. Der weitere Weg führt direkt durch den Fluss, das Wasser ist stellenweise oberschenkeltief. Schon im Fluss legen sich die Ersten ins Wasser, singen und schreien. Schließlich führt der Flusslauf aus einer Schlucht heraus, in die wir hineingehen. Durch die enge, tiefe Schlucht laufen wir bis zum Wasserfall. Die Pilger versuchen das heilige Wasser mit Flaschen und Kanistern aufzufangen, beten sich in Trance, stürzen sich immer wieder in das Wasser. Was für ein spezieller Ort das ist, noch nie habe ich etwas vergleichbares gesehen. Immer wieder schreien die Anwesenden 'Praise the Lord' oder 'God is great ' hinein in den tosenden Lärm des Wasserfalls.
Irgendwann gegen Mittag sind wir zurück am Kloster und entscheiden uns noch ein Stück zu fahren. Das Tagesziel Abakaliki ist entsprechend der Uhrzeit nur 100 Kilometer entfernt.
Kaum wieder auf Asphalt, jedoch noch auf einer kleinen Zufahrtsstraße zum Highway, der erste Checkpoint des Tages und der hat es leider direkt in sich. Rund 20 Personen stehen am Checkpoint, ich sehe weder Uniform noch Abzeichen. Lediglich 'Security' steht bei jedem auf der Brust, eine offensichtlich illegale Straßensperre. Ich schaffe es nicht schnell genug durch die Slalomsperren sodass sich die Herren vors Auto werfen. Aggressiv fordernd werde ich zuerst nach Wasser gefragt, schließlich brüllt einer "No, no, no, you give us money!" - ganz sicher nicht. "Open your car! What is inside?" Auch das wird sicherlich nicht geschehen, dass ich hier jetzt das Auto öffne. Mit der Frage "Wie weit ist es bis nach Abakaliki?" bringe ich etwas Verwirrung in das Chaos der immer wiederkehren Fragen nach Geld. "Vier Stunden..." antwortet einer. "Oh, dann müssen wir jetzt weiter, sonst wird es dunkel." Als ich von irgendwo ein 'Okay' höre, gebe ich Gas. Es wird noch gebrüllt und geschrien, sonst geschieht glücklicherweise nichts.
Es geht noch schnell in einen Supermarkt in der Stadt, auch hier wieder maximal mögliche Sicherheit. Der Supermarktparkplatz ist eingezäunt, jedes Fahrzeug wird bei der Ein- und Ausfahrt registriert, Sicherheitspersonal sichert den Parkplatz und den Supermarkt. Es ist schon unfassbar, was in Nigeria unternommen wird um schon alleine Orte wie diesen Supermarkt abzusichern.
Auf dem Weg nach Abakaliki gibt es immer weniger Checkpoints und die Wenigen sind in der Regel illegal. Hinter einem LKW zu bleiben und schnell aufs Gas zu treten wenn beispielsweise vier Männer ohne Shirt und mit Stöcken neben einem selbstgemaltem Schild mit 'Stop, Police' stehen hat sich häufig bewährt, anhalten tue ich hier sicherlich nicht.
In Abakaliki gibt es ein kleines Waisenhaus in dem man uns freundlich empfängt. Die Chefin schläft gerade, also müssen wir warten bis wir das Okay zum Übernachten hinter der Mauer bekommen. Drei Stunden geschieht nichts, schließlich taucht Schwester Coronata auf, um die 60, blaue Robe, großes silbernes Kreuz um den Hals. Sie war schon einmal in Deutschland, bei ihrer Freundin aus Frechen. Düsseldorf liegt nicht weit, da war sie auch schon. Wir rufen gemeinsam besagte Dame in Frechen an, ihre Freundin fragt mich auf deutsch, wieso ich nach Nigeria komme. Nigeria ist nicht sicher. Schwester Coronata sieht das etwas anders. Schön im Süden bleiben, nachts sicher stehen, dann passiert auch nichts. Sie zeigt uns noch ihr Waisenhaus, in dem Kinder bis zwei Jahre untergebracht sind. Die Frage, ob wir übernachten dürfen wurde eigentlich noch nicht beantwortet, ist jetzt aber eigentlich klar. Die Gäste aus Düsseldorf, direkt neben Frechen, dürfen natürlich kostenfrei im Hof schlafen.Читать далее





















Sehr interessant die Wanderung zum heiligen Wasserfall. Das Waisenhaus sieht sehr ordentlich aus. In Nigeria zu fahren und sich aufzuhalten ist sicher nervenaufreibend. Viel Glück [E.L.]