• Tag 156, 270 Km/20097

    1. februar 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 29 °C

    Es geht weiter in Richtung Kamerun. Wir starten zeitig, da die Strecke nach und nach immer schlechter werden soll. Wir fahren durch die Stadt Bali, hier gibt es an einer Tankstelle tatsächlich noch einmal Diesel, also fülle ich den ersten leeren Ersatzkanister noch einmal voll. Wir kaufen auch noch einmal neues Trinkwasser, wer weiß, wie lange wir für die Straße nach Kamerun benötigen. Das Stück hinter Bali ist wunderschön, die ersten Berge tauchen auf, trockene Steppe mit einzelnen Lehmhäusern und Rinderherden, ein Traum von Afrika. Die Straße ist hier ein recht langes Stück erstklassig, also kommen wir trotz vieler Fotostopps gut voran und erreichen unser Tagesziel bereits am Mittag, wir entscheiden uns also weiter zu fahren. Die Einwohner in der Bergregion sind unglaublich freundlich, immer wieder schreit man uns 'Safe Journey' zu. Ich empfinde Nigeria als das freundlichste Land der bisherigen Reise.
    An einem der vielen Checkpoints, wir werden ausnahmsweise einmal angehalten und nicht durchgewunken, öffne ich die Seitenscheibe. Plötzlich knallt es und im ersten Moment denke ich, die Scheibe sei geplatzt. Ist sie zum Glück nicht, nur schließen kann ich sie nun auch nicht mehr. Na endlich ist wieder mal was am Auto kaputt, wurde nach 48 Stunden ja auch Zeit! Mit offenem Fenster weiterfahren ist eigentlich keine Option, alleine schon um den Staub größtenteils draußen zu lassen. Also baue ich kurz hinter dem Checkpoint die Seitenverkleidung der Tür ab. Der Endanschlag vom Fensterheber ist abgebrochen, zum Glück bekomme ich die Scheibe wieder in die Schiene hineingefummelt. Ich bin gespannt, wie oft das wohl noch passieren wird, bis ich lerne, die Scheibe nicht mehr ganz herunterzufahren.
    Am Nachmittag erreichen wir die Passstraße rauf in die Berge, die Straße wird jetzt deutlich schlechter. Schließlich suchen wir hier einen Übernachtungsplatz, fragen in einem der kleinen Dörfer auf dem Weg die Dorfältesten, doch so richtig sicher ist man sich nicht, ob man uns im Dorf übernachten lassen möchte. Als ich die Horde Kinder sehe, die sich innerhalb kürzester Zeit ums Auto ansammelt, bin ich auch nicht mehr sicher, ob ich hier bleiben möchte.
    Der Middle Belt und damit die unsichere Region von Nigeria liegt seit gestern hinter uns, somit wäre Wildcampen wieder eine Option. Der Dorfchef erklärt uns hingegen, dass es ein kurzes Stück weiter eine Naturschutzorganisation gibt, wo wir die Nacht stehen können. Die Strecke dorthin ist nur 2 Kilometer lang, wir brauchen jedoch 45 Minuten für das kurze Stück, derart schlecht ist der Straßenzustand.
    Schließlich erreichen wir das Hauptquartier der Naturschutzorganisation und tatsächlich ist der Stellplatz unfassbar schön. Mitten im dichten Wald, kühl (wir sind fast auf 2000 Meter Höhe), frei von Moskitos und dazu kostenlos. Am späten Abend bekommen wir ungefragt Essen von einer der Damen, die für die Angestellten der Organisation kocht, vorbeigebracht. Vollkommen unerwartet haben wir den für mich schönsten Stellplatz in ganz Nigeria gefunden.
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