• Tag 157, 93 Km/20190 Km

    February 2, 2025 in Nigeria ⋅ ⛅ 30 °C

    Die Nacht ist eiskalt, zum ersten Mal seit Reisebeginn fällt das Thermometer unter Null. Heizung, Decken, warme Kleidung, alles wird gebraucht. Am nächsten Morgen soll es nun also losgehen, die schwierigste Piste zwischen Düsseldorf und Kapstadt wartet. Die Straße war früher eine Schmugglerroute, mittlerweile gibt es einen kleinen Grenzposten ungefähr auf der Hälfte der Strecke. Insgesamt warten ungefähr 120 Kilometer schwieriges Terrain auf uns. Tatsächlich sind die ersten 10 Kilometer nicht besonders herausfordernd, danach ändert sich der Zustand der Piste. Es wird schwierig, es ist jedoch nicht die anspruchsvollste Straße der bisherigen Reise. Es gab schwierigere Straßen in Mauretanien und auch in Sierra Leone. Auch wenn wir nur sehr langsam vorankommen, ist die Straße traumhaft zu fahren, vielleicht eine der schönsten bislang. Tiefe Täler, hohe Berge, immer wieder Viehherden am Straßenrand. Über viele Stunden sehen wir kein Dorf, keinen Checkpoint, fast keine Menschen. Die Piste ist staubig und innerhalb kürzester Zeit ist alles im Auto versaut, der Staub kriecht in jede noch so kleine Ritze.
    Wir erreichen am Nachmittag so ziemlich die einzige Stadt auf der Strecke, Mayo Ndaga, rund 500 Wellblechhütten durchzogen von der staubigen Straße. Ich frage beim Militär, ob wir vor dem Camp übernachten können, doch gut findet der Chef diese Idee nicht. Wir sollen lieber bei der Polizei fragen, sagt er. Die Polizeistation sieht alles andere als einladend aus, viel Trubel auf den Straßen und steil am Berg gebaut. Also fahren wir am späten Nachmittag noch ein Stück weiter und finden keine 5 Kilometer hinter der Stadt einen wunderschönen Stellplatz mit Blick ins Tal. Der Stellplatz ist leider direkt von der Straße einsehbar, aber es ist nach wie vor fast niemand unterwegs, also bleiben wir die Nacht hier. Eine warme Nacht wird es sicherlich auch heute nicht, schon kurz vor Sonnenuntergang fällt das Thermometer wieder auf knappe 10 Grad. Die Außendusche mit kaltem Wasser zu nutzen ist am Abend eine alternativlose Herausforderung, der Staub muss vom Körper runter.
    So ist dies voraussichtlich die letzte Nacht in Nigeria. Nigeria empfinde ich, vor allem westlich des Nigers, als hartes, dreckiges und gesetzloses Land. Je weiter es für mich in den Osten ging, umso schöner, sicherer und freundlicher wurde es. Es ist schon ein bisschen schade, morgen weiter nach Kamerun zu fahren und nach Guinea bin ich mir zum zweiten Mal auf der Reise sicher: irgendwann, werde ich noch einmal herkommen.
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