• Tag 158, 65 Km/20255 Km

    3. februar 2025, Cameroun ⋅ 🌙 25 °C

    Es geht weiter in Richtung Kamerun. Die Grenze ist noch 20 Kilometer entfernt, die Piste in diesem Stück etwas besser, also kommen wir ausnahmsweise gut voran. Schon nach einer Stunde sind wir in der letzten Stadt von Nigeria. In einem kleinen Holzverschlag sitzen mehrere Männer, einer davon tauscht Naira gegen Franc. Ich gebe ihm also die Plastiktüte mit dem Stapel Geldscheinen, der noch immer rund 20 Zentimeter hoch ist und er mir im Gegenzug sieben Scheine der Währung Kameruns. Endlich passt das Geld wieder ins Portemonnaie.
    An der winzigen Grenze ist überhaupt nichts los, niemand außer uns ist anwesend. Kurzer Small-Talk, alles wird gestempelt, raus aus Nigeria. Nach rund 5 Kilometern die erste Stadt Kameruns, hier darf der Zoll aber die Papiere für das Auto nicht stempeln. Die Einfuhr erfolgt in der nächsten großen Stadt, 4 Autofahrstunden entfernt. Auch die Polizei hat keinen Stempel. Während Corona hat man allen Grenzstationen die Einreisestempel abgenommen und diese Grenze ist so winzig, dass der Stempel bislang nicht zurückgekommen ist. Also kein Stempel im Pass und kein Stempel im Carnet.
    Der Weg bis zur ersten Stadt, die als Stadt bezeichnet werden kann, ist leider richtig schlecht, der schlechteste Teil der Piste. Insbesondere der Staub ist hier extrem, ich glaube noch nie an einem solch verstaubten Ort gewesen zu sein. Der feine Staub liegt rund 10 Zentimeter auf dem harten Felsen und beim darüberfahren fliegt der Staub in alle Richtungen. Kilometerweit, stundenlang. Ohne Klimaanlage kann ich die Fenster unmöglich geschlossen lassen, also finde ich mich einfach damit ab, das Auto in den kommenden Tagen wieder einmal gründlich reinigen zu müssen.
    Wir erreichen schließlich Banyo, gehen zuerst zum Zoll und lassen das Carnet abstempeln. Auch hier läuft alles korrekt und ohne Probleme. Die Versicherung, die ich seit Ghana habe, gilt für Kamerun nicht mehr, also muss ich zuerst eine Versicherung für das Auto finden, bevor es weitergeht. Die einzige Versicherungsagentur in der ganzen Stadt hat glücklicherweise geöffnet, es sitzt eine einzelne Dame an einem unordentlichen Schreibtisch. Dann beginnt das Spektakel. Sie braucht alle Unterlagen, die ich irgendwie dabei habe. Selbst die Übersetzung für den Fahrzeugschein, diese hat bislang noch nie jemand benötigt. Dann wird zunächst alles im Detail durchgelesen und schließlich werden alle Daten mit einem Finger, Buchstabe für Buchstabe in den Computer eingetragen. Nach jedem Buchstaben wird eine kurze Pause gemacht und hin und wieder wird für ein paar Sekunden aus dem Fenster geschaut. Die Dame möchte wissen, an welchem Ort ich meine Führerscheinprüfung gemacht habe und welche Nummer die Zulassungsstelle hat. Als ob das irgendjemand hier in Afrika interessiert. Ich sage ihr einfach irgendetwas, das wird dann schließlich eingetragen. Dann wird, nachdem alles irgendwann fertig eingetragen wurde, alles noch einmal kontrolliert und dann ausgedruckt. Anschließend wird der Ausdruck noch mit dem Bildschirm verglichen. Sicher ist sicher. Siebenmal wird meine Versicherung ausgedruckt und mir zur Unterschrift hingelegt, ein Exemplar bekomme ich, die anderen sechs werden auf einen der unzähligen Berge von Papier gelegt, die sich an den Wänden des Büros auftürmen. Zwei Stunden später ist das Auto endlich versichert. Mittlerweile ist es so spät am Nachmittag, dass wir nicht mehr weiterfahren können, also steuern wir eines der Hotels in der Stadt an. Auf Hotelparkplätzen im Auto zu schlafen ist für mich mittlerweile der 'Place-to-be'. Im Restaurant gibt es Hühnchen und frittierte Banane. Was eine gelungene Abwechslung zu Nudeln mit Ei.
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