Tag 166, 313 Km/21699 Km
February 11, 2025 in Cameroon ⋅ ☁️ 30 °C
Am Abend regnet es mehrfach und den Plan, am Morgen weiter in Richtung Republik Kongo zu fahren verwerfe ich noch in der Nacht. Es gibt eine Verbindung zwischen Kribi und der Republik Kongo, ziemlich nah an der Grenze zu Gabun und Äquatorialguinea, die Straße ist aber in schlechtem Zustand. Bei Regen soll die Straße unbefahrbar sein und ich habe sicherlich kein großes Interesse daran, alleine und ohne Empfang mitten in einer schlammigen Urwaldpiste stecken zu bleiben. Also muss ich wieder zurück nach Yaoundé, ein Umweg von 250 Kilometern.
Ich bin morgens wie üblich früh wach und besichtige vor Abfahrt noch die Lobe-Wasserfälle. Die Besonderheit: die Wasserfälle stürzen direkt ins Meer. Tatsächlich habe ich erst ein einziges Mal einen ähnlichen Wasserfall auf den Färöer Inseln gesehen. Der Strand ist noch menschenleer und ich frage einen der Fischer, ob er mich mit seinem Boot für ein paar Euro an den Wasserfall fährt, was er dann auch tut. Die Lobe-Wasserfälle sind ein absolutes Highlight in Kamerun und ich bin froh, den Umweg hierher gemacht zu haben.
Schließlich mache ich mich auf den Weg zurück in die Hauptstadt Kameruns. Die Straßen sind ziemlich leer, es ist noch immer Feiertag, also haben die Polizisten nichts zu tun und halten mich auch heute wieder regelmäßig an. Pro Stunde Fahrzeit kalkuliere ich 15 Minuten Zeit am Checkpoint, was in Kamerun leider dann auch der Realität entspricht.
Schließlich folgt eine Kontrolle, bei der ich schon von weitem den korpulenten Polizisten seine Pfeife in den Mund nehmen sehe, er springt anschließend auf die Fahrbahn und hält mich an. Er nennt mich 'Amigo', fragt nach den üblichen Dokumenten. Natürlich sind alle Dokumente korrekt, also bin ich gespannt, was als nächstes kommt und welche ausgedachten Regeln wir heute so im Angebot haben. Zuerst geht es wieder einmal um die getönten Scheiben im Heckbereich, das geht so nicht! Nach fünfminütiger Diskussion sieht er ein, dass seine Argumente ins Leere laufen. Er geht dreimal ums Auto und wirft mir nun vor, ich hätte keine Reflektorstreifen am Heck. Ich bin mir sicher, dass dies nur für LKW und Taxis vorgeschrieben ist aber er ist der Meinung, ich bräuchte unbedingt diese Reflektorstreifen. "So, das kostet jetzt 5000 Franc (7.50€)" Um zukünftig hier keine offene Flanke mehr zu bieten, nehme ich mir vor, die Reflektorstreifen für ein paar Cent irgendwo zu kaufen. Ich diskutiere noch ewig über die 5000 Franc aber er besteht auf die Strafe. "Gut, dann schreib mir ein Ticket, dann zahle ich die Strafe bei der Bank." Der Polizist hat nichtmal einen Stift, um irgendwas auf einen nicht vorhandenen Strafzettel zu schreiben, also sagt er mir, ich kann nur bar zahlen - natürlich. Tja, Bargeld habe ich keins, zum Beweis zeige ich ihn das tatsächlich leere Portemonnaie. Er wird sauer, fragt mich ziemlich angefressen wie er denn jetzt heute Abend sein Bier bezahlen soll...? "Ich habe eine Dose Bier im Kühlschrank. Dann will ich aber nichts mehr von irgendeiner Strafe hören." Die kalte Dose Bier ist nun viel interessanter als die 5000 Franc, es ist ja schließlich auch schon 11:00 Uhr am Vormittag. Ich schenke ihm also die Dose Bier, die er direkt am Seitenfenster aufreißt und fast in einem Zug austrinkt. Wir plaudern anschließend noch kurz über dies und das, lachen hier und da während er mit der Bierdose im offenen Fenster wie an einer Theke lehnt, schließlich darf 'Amigo' weiter.
Bis nach Yaoundé folgen weitere Kontrollen, allerdings in kleinerem Kaliber. Auch der Verkehr bleibt einigermaßen entspannt, Feiertag sei Dank. Ich parke wieder an der mir bekannten Kirche und werde morgen früh weiter in den Süden in Richtung Republik Kongo aufbrechen.Read more















