Tag 169, 361 Km/22372 Km
14. februar 2025, Congo ⋅ ☁️ 32 °C
Am frühen Morgen ist kurz nach Sonnenaufgang der Stellplatz eingehüllt in dichtem Nebel. Ich starte früh, länger als 05:00 Uhr schlafe ich seit Wochen kaum mehr. Die Landschaft ändert sich nicht, Wald, Straße, rote Erde, fertig. Ab und zu stehen oder liegen LKW am Straßenrand, die nach einem Unfall oder Schaden mitten im Wald aufgegeben wurden. Die Straße bleibt erstklassig, kein Hubbel, kein Schlagloch und mitten durch den Urwald gezogen.
An einem der wenigen Checkpoints hält man mich an, ich steige aus dem Auto damit alle Passdaten in ein Buch geschrieben werden können. Von der Seite kommt ein uniformierter Herr, Handfeuerwaffe im Gürtelhalfter, AK47 in der Hand und fragt mich, ob ich ihn bis zur Grenze mitnehmen kann. Wie kann ich ihm diesen Wunsch nur ausschlagen. Also fahre ich die letzten 100 Kilometer in Militärbegleitung auf dem Beifahrersitz. Während der Fahrt erzählt mir der Soldat, wie er gegen Boko Haram im Norden und die Rebellen im Westen gekämpft hat, dabei auch immer wieder Leute im Kampf getötet hat und jetzt froh ist, die sichere Grenze im Süden zu sichern. Er berichtet auch, dass in den Bäumen auf dem Weg zur Grenze ab und an Gorillas zu sehen sind, natürlich zeigen sie sich heute nicht.
An einer kleinen Mautstation sind 500 Franc zu zahlen (75 Cent), ich frage ob ich kostenfrei durchfahren darf, schließlich bin ich hier ein Chauffeur im Sinne der Staatssicherheit! Zahlen muss ich trotzdem. Immerhin sind alle weiteren Checkpoints jetzt urplötzlich ganz schnell erledigt, es wird ein Foto vom Pass geschossen, fertig.
An der Grenze verabschiede ich mich von meinem Mitreisenden und tanke das Auto noch ein letztes Mal randvoll. Die Reservekanister sind es ebenfalls, zusätzlich zwei alte Wasserkanister die ich im Beifahrerfußraum habe. Es besteht das Risiko, bis Brazzaville in rund 1200 Kilometern keinen Diesel zu bekommen. Diesel ist seit vielen Monaten Mangelware in der gesamten Republik Kongo. Der Diesel an der Grenze ist pechschwarz, angeblich ist das immer so, sagt der Tankwart. Kein Wunder, dass sich die Dieselfilter mit der schwarzen Pampe so schnell zusetzen.
Schließlich geht es zur Grenze, wo die Ausreise aus Kamerun keine 5 Minuten dauert. Pass her, Carnet her, Stempel rein, au revoir.
Schließlich geht es rüber auf die kongolesische Seite. Im Büro ist der einzige Herr der nicht uniformiert ist auch gleichzeitig der Herr über den Einreisestempel. Er streitet sich gerade mit einem anwesenden Nordafrikaner auf französisch, irgendwas passt mit dem Visum nicht. Kein gutes Zeichen, mit meinem passt ja schließlich auch etwas nicht. Noch während beide lauthals diskutieren nimmt er meinen Pass entgegen und schreibt vollkommen abwesend alle Daten in ein Buch, dann höre ich den Stempel. Keine 3 Minuten an der Grenze bin ich also schon eingereist. Auch der Zoll ist easy, kurzer Small-Talk über den Sinn des Lebens, den Sinn der Reise, "Was, du hast keine Kinder???" schließlich noch zum SIM-Kartenverkäufer. SIM-Karte kaufen, einsetzen und aufladen dauert etwas, als ich plötzlich den unfreundlichen Herren ohne Uniform vor dem Büro in meine Richtung "Mzungu!" brüllen höre. Auf Suaheli bedeutet Mzungu 'Weißer', ich habe also wieder anzutanzen. Nicht gut, hätte ich die Sim doch besser erst im nächsten Dorf gekauft. Ich rechne fest damit, dass er den Einreisestempel wieder für ungültig erklärt, er hat schließlich in seinem großen dicken Buch jedoch nur vergessen, die Passnummer einzutragen. Nochmal Glück gehabt.
Auf der weiteren Strecke sind die Menschen wieder freundlicher als noch in Kamerun, es wird mehr gewunken und gelächelt. Die Straße bleibt den ganzen Tag so, wie sie in Kamerun aufgehört hat.
Es gibt einzelne Wildstellplätze am Straßenrand, ich brauche jedoch unbedingt eine Dusche, also fahre ich in die nach 100 Kilometern erste kleinere Stadt der ganzen Strecke. Es gibt ein einzelnes, einfaches Gästehaus wo ich nach viel Diskussion die Erlaubnis bekomme im Auto zu schlafen. Nicht schön, nicht ruhig, aber die Aussicht auf eine Dusche schlägt gerade einfach alles.
Irgenwann am späten Nachmittag frage ich dann nach der besagten Dusche. "Du willst jetzt schon duschen? Das Wasser muss erst hergebracht werden." Einige Minuten später kommt dann ein Motorrad auf den Hof, bringt zwei Kanister mit Wasser, welches er gerade aus dem Fluss geschöpft hat. In der Zeit, in der ich vor dem Auto sitzend auf Wasser warte komme immer wieder Einheimische zum betteln vorbei. Es geht um Wasser, Bier oder um Geld für Bier.
Der Lärmpegel, den die Motorradfahrer, die Hähne und die betrunkenen Locals machen, wird mir heute Nacht hoffentlich egal sein. Ich bin unglaublich kaputt vom vielen Fahren und wenig Schlafen der letzten Tage.Læs mere





















