Tag 174, 0 Km/22562 Km
19. februar 2025, Den Centralafrikanske Republik ⋅ ⛅ 29 °C
Ich leihe mir am Vormittag Zelt, Thermomatte und Decke und fahre gemeinsam mit Leonce rund zwei Stunden weiter in den Süden, raus aus dem Kern des Nationalparks. Tief im Wald gibt es noch einzelne Pygmäenvölker und eines davon ist unser Ziel. Die Pygmäen, die wir besuchen sind vom Volk der Baaka, eines der letzten Eingeborenenvölker Zentralafrikas die vollkommen abseits der restlichen Zivilisation im Wald leben. Natürlich müssen wir im Dorf noch gefühlt 30 Leute mitnehmen, die alle auf der Ladefläche Platz finden. Schon auf der Ladefläche wird gesungen und getrommelt. Wir steigen irgendwann aus dem Auto, rundum Kilometer nichts als dichter Urwald. Wir laufen weitere 20 Minuten zu einer kleinen Lichtung, hier halten sich die Baaka auf. Der Preis dafür, dass ich die Nacht hier im Zelt verbringen darf, ist eine Stange Zigaretten, Zucker und Kaffee, Leonce weiß genau, was gebraucht wird. Während ich mein Zelt aufschlage, bauen einzelne der rund 50 Personen die hier leben eine ihrer Hütten aus Blättern, die meisten schlafen außerhalb der Regenzeit unter freiem Himmel. Wir essen gemeinsam Maniok mit einer Soße aus Blättern und Erdnüssen, schließlich beginnt die Jagd der Baaka. Die Jäger stellen sich auf und anschließend probiert man Antilopen im Wald mit Netzen zu fangen. Diese Methode der Jagt ist hochspezialisiert und wird hier von Generation zu Generation weitergegeben. Frauen und Männer jagen zeitgleich und damit die Jagd im dichten Wald einfacher ist, haben alle Frauen kurzgeschorene Haare. So richtig verstehen, wer hier welche Aufgabe hat tue ich nicht, aber irgendwie schaffen es die Baaka eine der kleinen Antilopen aus dem Wald zu scheuchen, diese verfängt sich dann in einem der aufgestellten Netze. Es wird nicht jedes Mal etwas gefangen, also ist die Freude groß. Die Antilope wird ohne Hilfsmittel, also mit bloßer Hand umgebracht. Die Jagd der Baaka begleiten zu dürfen ist sicherlich keine Touristenveranstaltung und eines der authentischsten Erfahrungen dieser Reise.
Eine der älteren Damen erklärt mir auf dem Rückweg die verschiedenen Anwendungen der Pflanzen des Waldes, für so gut wie jede Krankheit gibt es hier ein Naturheilmittel.
Den gesamten Nachmittag hindurch werde ich von Schwarzfliegen umkreist, ich trage zum ersten Mal ein Moskitonetz über dem Gesicht. Außer einem kleinen Stück an den Fingern ist keine Haut zu sehen, ich kann kaum glauben, dass die Baaka nichts gegen die Fliegenbisse unternehmen, jeder Biss juckt einige Stunden später unglaublich.
Nachdem die Antilope am Nachmittag zerteilt und gegrillt wurde, geht es an den Fluss. Auch hier hat man eine Technik, die kleinen Fische die im Uferbereich schwimmen zu fangen. Es wird ein Damm errichtet, dann das Wasser aus dem entstandenen Bassin geschöpft, anschließend können die kleinen schleimigen Fische aufgesammelt werden.
Natürlich bin ich unendlich dankbar, für einen Tag (und eine Nacht) Teil dieses Lebens zu sein, ich schaffe es jedoch nicht mir vorzustellen, wie das Leben hier dauerhaft wohl sein mag, auf einem Niveau vielleicht vergleichbar wie Europa zur Steinzeit. Ob auch ich die kleinen schleimigen Fische essen würde, wäre ich hier im Wald der Zentralafrikanischen Republik geboren? Sehr wahrscheinlich wäre es so.Læs mere






















RejsendeWas für ein Erlebnis. Da wäre ich gerne dabei gewesen. In Nepal und auf einer Insel im Titicacasee in Peru haben wir Zeit in solch abgelegenen Dörfern verbracht. Aber das ist natürlich völlig anders, als dieses afrikanische Dschungelerlebnis.