Tag 178, 0 Km/22562 Km
23. februar 2025, Congo ⋅ ☁️ 30 °C
Die Nacht ist um 4 Uhr zu Ende. In der Ferne zieht ein Gewitter auf und da die Zimmer der Lodge keine Scheiben an den Fenstern haben, schläft man quasi draußen. Es blitzt und donnert noch tief in der Nacht, dann kommt der Regen - und was für einer. Mir ist direkt klar, das die Rückfahrt mit dem Boot spannend werden kann, falls es nicht aufhört. Das Boot hat kein Dach. Ich habe eine gute Regenausrüstung dabei, wasserdichte Schuhe, Hose, Jacke, alles wird angezogen. Ich packe den Rucksack in den Regenschutz und alles an Elektronik in den wasserdichten Packsack. Der Rest kann ruhig nass werden. Ich verlasse das Zimmer und stelle nach den ersten Metern fest: der Regen ist noch viel schlimmer als er sich angehört hat. Es schüttet, so wie ich es früher in der Schule im Erdkundeunterricht auf Bildern über den Regenwald gesehen habe. Alles was nicht wasserdicht verpackt ist, ist schon nach 100 Metern bis zum Bootsanleger komplett nass. Es ist noch dunkel, ich stelle mich am Bootsanleger unter und ich weiß eigentlich schon, dass wir so nicht losfahren können. Kapitän Ugor kommt kurze Zeit später, stellt sich ebenfalls unter und sagt mir, wir müssen warten bis der Regen aufhört. Wir haben ungefähr 10 Stunden Fahrt vor uns und ich plane schon eine Zwischenübernachtung irgendwo auf der Strecke, es gibt zwei schäbige Gästehäuser auf ungefähr der Hälfte. Nach zwei Stunden Wartezeit wird der Regen plötzlich weniger, Ugor macht jetzt Druck, er will losfahren. Ich werfe alles ins Boot während er mit einer abgeschnitten Plastikflasche gefühlte hundert Liter Regenwasser aus dem Boot schöpft, anschließend starten wir. Es wird heller und heller, der Regen hört auf und dadurch, dass der Sangha jetzt viel mehr Wasser führt müssen so gut wie keine Sandbänke mehr umfahren werden. Wir verlassen die Zentralafrikanische Republik und es zieht sich wieder zu. Hinter uns sehe ich es schon wieder heftig auf den Sangha regnen, Ugor gibt Vollgas um vor dem Regen zu fliehen aber auch von vorne ziehen tiefschwarze Gewitterwolken auf, schließlich fängt es wieder an zu schütten. Wir fahren schon halb durchnässt die letzten Meter bis zur Grenzstation der Republik Kongo, Ugor wirft die Regenschutzplane über alle Sachen, er holt sogar seine 200 Stangen Zigaretten, die er gerade nach Kongo schmuggelt, aus dem doppelten Boden der Sitzbank nach vorne unter die Plane. Wir beide kriechen ebenfalls unter besagte Plane und warten erstmal ab. Wasser läuft überall ins Boot, so richtig trocken bleibt eigentlich nur die Elektronik im wasserdichten Packsack. Nach einer Stunde ist der Regen auf einem normalen Niveau und wir können das Boot verlassen. Ugor möchte sich gerne die 5000 Franc (7.50€) sparen, die man hier bei dem korrupten Polizisten als Gegenleistung für den Stempel abgeben muss, also sagt er mir, ich soll unter der Plane bleiben. Wir holen den Stempel dann später in Ouesso, da will keiner Schmiergeld. Leider kommt der Grenzbeamte runter zum Boot und ist nicht unbedingt erfreut als er sieht, dass wir zu zweit sind. Er schimpft mit Ugor und fragt mich, wieso ich nicht mit zum Büro gekommen bin. "Ich habe auf die Sachen aufgepasst" schwindel ich schnell, so richtig glauben tut er das nicht, aber immerhin stempelt er im Anschluss im Büro meinen Pass. "Normalerweise kostet das 5000 Franc, weil es so regnet lasse ich euch heute mal so fahren." Na da haben wir aber Glück mit dem Wetter.
Die letzten Stunden bis Ouesso ziehen sich, es regnet immer wieder und durch den Fahrtwind ist es total kalt. Total durchnässt kommen wir am späten Nachmittag tatsächlich irgendwann an, ich brauche erst einmal eine heiße Dusche, bevor ich das Auto fertig packe und alles für den kommenden Fahrtag vorbereite.Læs mere

Sehr interessant was du alles erlebst. Witzig das Foto. Ich kann das Erlebte mitfühlen dank deiner tollen Berichte. [E.L.]



















