• Tag 187, 0 Km/23956 Km

    4. marts 2025, Congo ⋅ ☁️ 29 °C

    Am späten Abend lädt mich Jan zum Essen in sein Haus ein. Es gibt kein fließendes Wasser und nur dann Strom, wenn die Sonne scheint oder der Generator läuft. Es gab einst Strom, aber die Kabel und Leitungen die durch die Stadt gezogen wurden sind irgendwann von den Anwohnern entfernt und verkauft worden. Im Licht der Kerzen sitzen wir also in einem der Zimmer des alten Hauses an einem langen Tisch, während wir gemeinsam zu Abend essen. Jan hat eine lange Geschichte im Kongo, hat irgendwann einmal das Haus gekauft und sich hier niedergelassen, was den Goldgräbern im Tal überhaupt nicht gepasst hat. Der Ober-Goldgräber hatte damals ein Kopfgeld auf ihn angesetzt, weil man die Sorge hatte der 'Weiße' würde den Goldhandel übernehmen. Es hat Jahre gedauert, bis er akzeptiert wurde. Die Stadt Dimonika, welche am Fuße des alten Kolonialgebäudes liegt, ist ein verruchtes Nest von Glücksrittern und Kriminellen, die ohne irgendeine Lizenz im Nationalpark nach Gold graben und sich hier zum Teil vor dem Gesetz verstecken. Niemand möchte hier fotografiert werden, das macht mir Jan schon am Abend klar, das Anwesen rund um das Kolonialgebäude soll ich nicht alleine verlassen. In der Stadt gibt es große Probleme mit Drogen und Alkohol, nach der harten Arbeit im Wald dröhnt sich am Abend jeder im Dorf zu, selbst die Kinder. Bis zum Sonnenaufgang höre ich laute Musik von den vielen Bars bis hoch zum Auto.
    Mit einem Mitarbeiter von Jan geht es am Morgen zu Fuß durch den Wald. Es gibt einen alten Goldgräberstollen, in dem es mittlerweile kein Gold, dafür jede Menge Fledermäuse und Insekten gibt. Wir laufen anschließend durch Dimonika, eine Stadt die ohne weiteres als Szenerie für einen Wild-West Film dienen könnte. Es fehlt eigentlich nur noch Clint Eastwood oder Christoph Waltz, dann wäre es perfekt. Die in der Stadt stehenden Kolonialgebäude wurden durch die Goldgräber okkupiert, der Rest der Stadt hat sich darum formiert. Es gibt Glücksspielautomaten, unzählige Bars und jede Menge Alkohol zu kaufen. Die Einwohner sind alle freundlich aber gleichzeitig skeptisch, Touristen sind okay, solange sie nicht nach Gold suchen.
    Am Nachmittag ziehen wir weiter, zu Fuß tief in den Wald, um die Goldgräber bei der Arbeit zu beobachten. Die Goldnuggets müssen hier nicht gewaschen werden, sondern sind so groß, dass sie mit dem Metalldetektor aufgespürt werden können. Die Goldsucher graben ein tiefes Loch in den Boden, der Aushub wird dann breit ausgelegt und mit dem Metalldetektor abgesucht. Man gräbt bis zu 12 Meter in die Tiefe, die Löcher stürzen regelmäßig ein und begraben immer wieder Arbeiter darin, die dann für Ringe und Armbänder ihr Leben lassen müssen.
    Plötzlich zieht ein Sturm auf - ja, es ist noch immer Regenzeit. Aus dem Wald rennen von überall Goldgräber ins Tal, wir mittendrin. Es schüttet bereits, als wir eine der vielen Bars erreichen. Wir müssen uns unterstellen, es stürmt, blitzt und donnert. Nach dem Regen rennen die Goldgräber, die sich mit uns untergestellt haben direkt wieder raus, die Chance ist hoch, dass der Regen jetzt Goldklumpen aus dem Wald schwemmt, die dann direkt auf der Lehmstraße liegen könnten. Ich suche natürlich mit, finde aber zum Glück keinen. Schließlich möchte ich den Ort übermorgen verlassen, ohne dass ein Kopfgeld auf mich angesetzt ist.
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