• Antigua Guatemala

    14.–17. apr. 2025, Guatemala ⋅ ⛅ 26 °C

    Mexiko verlasse ich schweren Herzens. Nach einer intensiven, wunderschönen Zeit voller Eindrücke und Erlebnisse muss ich das Land früher verlassen als gewünscht. Ein schneller Flug bringt mich von Mexiko-Stadt in die guatemaltekische Hauptstadt, doch dort halte ich mich kaum auf. Direkt nach der Ankunft steige ich in den Bus und fahre weiter nach Sumpango, eine kleine Stadt ein paar Kilometer im Westen.

    Hier verbringe ich zwei Wochen bei Andy und Lucky, die ein kleines Haus mit Garten bewohnen und über workaway helfende Hände aufnehmen. Die Aufgaben sind überschaubar: ein paar kleine Reparaturen, etwas Gartenarbeiten und den Hund und die beiden Katzen versorgen. Meistens arbeite ich nicht mehr als zwei, drei Stunden am Tag, oft sogar weniger. Es bleibt viel Zeit, um durchzuatmen und die letzten Monate Revue passieren zu lassen. Monate, die geprägt waren von intensiven Begegnungen, zahllosen Ortswechseln und einer nie abreißenden Flut an Eindrücken.

    An einem der Wochenenden unternehmen wir einen Ausflug nach Amatitlán. Die Stadt liegt südlich der Hauptstadt, wirkt geschäftig und chaotisch, lässt aber kaum Charme erkennen. Besonders traurig ist der Zustand des gleichnamigen Sees, der früher als Naherholungsgebiet diente. Heute ist er gekippt, durch massive Verschmutzung ist das Wasser biologisch tot. Statt Idylle erwartet einen ein stinkendes Gewässer, das mehr an eine offene Kloake erinnert. Ein Sinnbild für verpassten Umweltschutz.

    Wenig später bin ich wieder am Flughafen, diesmal nicht zum Abflug, sondern um Vívian abzuholen. Drei Monate lang haben wir uns nicht gesehen, jetzt können wir endlich wieder gemeinsam reisen.

    Unser erstes Ziel ist Antigua, die ehemalige Hauptstadt der spanischen Kolonie. Wir nehmen einen der berühmten Chicken Busse, ausrangierte, bunt lackierte amerikanische Schulbusse, die nun mit viel Musik, Tempo und Gepäck durch ganz Zentralamerika rollen. Der Bus ist voll, die Straßen kurvig, doch die Stimmung fröhlich.

    Antigua liegt umgeben von Vulkanen auf etwa 1.500 Metern Höhe. Die Stadt wurde 1543 gegründet und entwickelte sich schnell zu einem politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrum. Im späten 18. Jahrhundert wurde sie jedoch von mehreren Erdbeben schwer beschädigt und schließlich aufgegeben. Die neue Hauptstadt wurde nicht weit entfernt gegründet. Antigua hingegen blieb zurück: zerstört, aber nicht vergessen.

    Heute ist es gerade dieser Kontrast zwischen Verfall und Wiederaufbau, der den Reiz Antiguas ausmacht. Viele Kirchen liegen in Ruinen, eingestürzt und doch majestätisch. Zwischen ihnen wachsen Palmen, Bougainvillea und das Gefühl von Zeitlosigkeit. Andere Gebäude wurden liebevoll restauriert, mit bunten Fassaden, verzierten Holztüren und schattigen Innenhöfen. Besonders vom Cerro de la Cruz, einem Hügel oberhalb der Stadt, eröffnet sich ein wunderschöner Blick über die Dächer und auf den im Hintergrund thronenden Volcán de Agua.

    Wir haben das Glück, zur Semana Santa, der Osterwoche, in Antigua zu sein, ein Ereignis, das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Die Stadt füllt sich mit Besuchern, Gläubigen und Pilgern. Überall werden violette Fahnen aufgehängt, Altarbilder aufgebaut und Teppiche aus farbigem Sägemehl kunstvoll auf die Straßen gestreut.

    Mehrmals erleben wir Prozessionen, die sich langsam durch die Stadt bewegen. Dutzende Männer, Frauen und sogar Kinder tragen auf ihren Schultern schwere Holzplattformen mit Jesusfiguren oder Marienstatuen, umgeben von Weihrauch, Musik und stiller Andacht. Die Umzüge dauern oft viele Stunden, ziehen sich durch Tag und Nacht und sind geprägt von tiefer Religiosität, aber auch von einem ganz eigenen Rhythmus der Stadt.
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