• Ometepe

    Jun 7–15, 2025 in Nicaragua ⋅ ⛅ 29 °C

    Ometepe fühlt sich von Anfang an besonders an. Schon auf der Fähre vom Festland aus zeigt sich die Silhouette der beiden Vulkane, die wie Wächter über dem See thronen: der perfekt geformte, aktive Vulkan Concepción und der sanftere, grün bewachsene Maderas. Zusammen bilden sie die Insel Ometepe, die mitten im riesigen Nicaraguasee liegt und weltweit einzigartig ist. Entstanden durch vulkanische Aktivität, ist sie heute nicht nur eine geologische Besonderheit, sondern auch UNESCO-Biosphärenreservat. Ein Ort voller Natur, Mythen und Ruhe.

    Gleich nach der Ankunft leihen wir uns einen Roller und machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Sie liegt abgelegen, direkt am Ufer des Sees, mit weitem Blick über das Wasser und einem kleinen privaten Strand. Es ist ein Ort zum Durchatmen. Der Roller erweist sich als perfektes Fortbewegungsmittel. Der Verkehr ist spärlich, und immer wieder begegnen uns Kühe und Pferde, die gemächlich über die Straße ziehen. Die Straßen sind zum Großteil gut ausgebaut, doch zwischendurch geht es auch über holprige Schotterpisten.

    Einer unserer ersten Ausflüge führt uns in den Naturpark Charco Verde. Hier spazieren wir durch dichten, grünen Wald, beobachten bunte Schmetterlinge und hören die markanten Rufe der Brüllaffen. Der Park liegt direkt am See und bietet traumhafte Ausblicke auf beide Vulkane.

    Später mieten wir in der Nähe von Mérida ein Kanu. Zuerst gleiten wir ein Stück über den offenen See, dann folgen wir dem schmalen, urwaldgesäumten Rio Isitián. Es ist still, wir sind allein. Reiher stehen am Ufer, Wasservögel fliegen vor uns auf. Dann entdecken wir plötzlich ein Krokodil. Über zwei Meter lang, reglos auf einer Sandbank liegend. Ein Moment voller Staunen und Respekt.

    Eigentlich wollten wir den imposanten Volcán Concepción besteigen, aber sein Gipfel bleibt tagelang wolkenverhangen. Stattdessen wandern wir zur Cascada de San Ramón, einem hohen Wasserfall am Hang des Volcán Maderas. Die Anfahrt mit dem Roller ist herausfordernd: steil, steinig, holprig, aber machbar. Nach einem kurzen Fußmarsch durch tropischen Wald stehen wir schließlich vor dem rauschenden Wasserfall, der über moosige Felsen in die Tiefe stürzt.

    Mit dem Roller umrunden wir schließlich die gesamte Insel. Dabei passieren wir kleine, verschlafene Dörfer, dichte Bananenplantagen, Lavagestein und einsame Uferstellen. Ometepe entschleunigt. Die Insel scheint ihr eigenes Tempo zu kennen und für ein paar Tage folgen wir ihm gerne.
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