Nicoya
15 Jun–10 Ogo 2025, Costa Rica ⋅ ⛅ 30 °C
Unsere nächste Station ist Nicoya in Costa Rica, wo wir ein weiteres Mal ein Volontariat machen. Die Anreise von der Insel Ometepe und die Grenzüberquerung verlaufen erstaunlich unkompliziert. In Nicoya warten schon unsere beiden Gastgeber Kris und Julia auf uns, die uns mit ihrem Pickup abholen und zu ihrer Finca bringen. Sie liegt etwa zwanzig Minuten außerhalb der Stadt, umgeben von viel Grün und voller Leben.
Unsere Unterkunft ist ein umgebauter Schiffscontainer. Von außen schlicht, innen praktisch eingerichtet und mit allem Komfort, den wir brauchen. Das Besondere ist die Dachterrasse, die direkt in die Baumwipfel hineinragt. Von hier oben sehen wir fast täglich eine Familie Brüllaffen, die gemächlich von Ast zu Ast hangelt. Auch Gürteltiere, Leguane und unzählige Vögel lassen sich auf dem Grundstück beobachten, sodass wir das Gefühl haben mitten in einem kleinen Naturreservat zu wohnen.
Kris und Julia haben ein großes Herz für Tiere. Neben Enten, Tauben, Hühnern und Fischen versorgen sie siebzehn Hunde, die ohne sie auf der Straße leben müssten. Anfangs sind wir unsicher, wie es wohl sein wird mit so vielen Hunden zusammen zu wohnen, doch schon nach kurzer Zeit merken wir, wie friedlich und freundlich sie alle sind.
Die Arbeit auf der Finca ist abwechslungsreich. Wir pflanzen neue Bäume, schneiden Gras, schaffen Ordnung, reparieren Kleinigkeiten und kümmern uns um das Gewächshaus. Die Hitze macht vieles anstrengender, aber durch die freie Zeiteinteilung bleibt es entspannt und wir finden immer wieder ruhige Momente, um einfach die Umgebung zu genießen.
Mit Kris und Julia verbringen wir weniger Zeit als mit anderen Gastgebern zuvor. Meistens sehen wir sie nur zwischendurch für kurze Gespräche oder einmal pro Woche, wenn wir gemeinsam in die Stadt fahren, um einzukaufen und danach in einem Restaurant zu essen. Trotzdem fühlen wir uns sehr willkommen. Sie sind herzlich, geben uns viele Freiheiten und stellen uns sogar einen ihrer Pickups zur Verfügung. So können wir in Nicoya die Feierlichkeiten zum Día de la Anexión de Guanacaste erleben, an dem die Halbinsel 1824 offiziell Teil Costa Ricas wurde. Musik, Tanz, bunte Kostüme und ein kleiner Umzug erfüllen an diesem Tag die Straßen.
Nicoya selbst gilt als eine der ältesten Städte Costa Ricas und liegt im Herzen der Halbinsel Guanacaste, die bekannt ist für ihre trockenen Tropenwälder, ihre langen Strände am Pazifik und ihre lebendige Kultur. Besonders spannend ist, dass die Region als eine der wenigen Blue Zones der Welt gilt. So nennt man Gebiete, in denen die Menschen nachweislich besonders alt werden und dabei erstaunlich lange gesund bleiben. Forscher führen dies auf eine Kombination aus Ernährung, Bewegung, Gemeinschaftssinn und Lebensstil zurück. Auch wenn wir nur kurze Zeit hier sind, spüren wir etwas von dieser Gelassenheit und dem ruhigen Rhythmus des Alltags.
Ursprünglich wollten wir nur einen Monat bleiben, doch schließlich werden es zwei. Die Finca, die Tiere und die entspannte Atmosphäre gefallen uns so sehr, dass wir uns einfach nicht früher trennen wollen.
Allerdings entschließe ich mich auch dazu, dass dieses mein letztes Volontariat in Lateinamerika sein wird. Während der Wochen auf der Finca reift in mir der Entschluss, die Reise schon bald zu beenden und nach Deutschland zurückzukehren. Der Gedanke kommt nicht plötzlich, sondern wächst leise in den vielen stillen Momenten hier, wenn ich auf der Dachterrasse sitze, den Affen zusehe oder durch den Dschungel laufe. Nach Monaten voller Eindrücke und Begegnungen fühlt es sich richtig an, die Reise an diesem Punkt ausklingen zu lassen und einen neuen Abschnitt zu beginnen.Baca lagi
















