Donau, Mátra und Puszta
Apr 9–17 in Hungary
⛅ 15 °C
Knapp fünf weitere Tage lang bestimmt die Donau meinen Weg. Nach den abwechslungsreichen Tagen in Österreich hoffe ich zunächst, dass der Fluss auch weiter östlich die Richtung vorgibt. Stattdessen wird dieser Abschnitt überraschend eintönig. Oft verläuft der Radweg kilometerlang direkt neben einer Straße, immer geradeaus, meist ohne Aussicht und häufig sogar weit entfernt vom eigentlichen Fluss. Manchmal fahre ich stundenlang durchs Hinterland, ohne die Donau überhaupt zu sehen.
Rückblickend würde ich mich wahrscheinlich nicht noch einmal für die ungarische Seite des Donauradweges entscheiden, denn es entsteht eine gewisse Monotonie. Die Landschaft verändert sich nur langsam, die Strecke bleibt flach und viele Kilometer ähneln sich. Es sind keine schlechten Tage, aber ich merke, dass mir nach den abwechslungsreichen Landschaften in Österreich und Böhmen etwas fehlt.
Dafür sorgen die Städte immer wieder für kleine Höhepunkte. In Győr, einer der ältesten Städte Ungarns, verbringe ich den Morgen damit, durch die barocke Altstadt zu schlendern. Zwischen bunten Fassaden, Kirchen und kleinen Plätzen wirkt die Stadt deutlich lebendiger als die Orte zuvor. Kurz darauf führt mich die Strecke wieder zurück in die Slowakei. Das ständige Wechseln zwischen den beiden Ländern ist fast schon verwirrend. Mehrmals am Tag überquere ich unbemerkt eine Brücke oder eine kleine Grenze und bin plötzlich wieder in einem anderen Land.
Auch das Wetter macht die Tage unterschiedlich. Nach dem sonnigen Abschnitt in Österreich wird es zunächst wieder kühler und wolkiger. Immer wieder ziehen dunkle Wolken auf und einmal überrascht mich sogar ein Regenschauer. Erst weiter östlich zeigt sich wieder häufiger die Sonne.
Die Nächte verbringe ich fast immer im Zelt. Wildcamping fühlt sich in Ungarn erstaunlich unkompliziert an. Fast jeden Abend finde ich ohne große Mühe einen ruhigen Platz. Besonders schön ist eine Nacht an der Mosoni-Duna, wo ich mein Zelt direkt am Wasser zwischen hohen Weiden aufschlage. Auch später finde ich immer wieder idyllische Plätze, mal am Waldrand, mal zwischen Feldern oder in der Nähe kleiner Seen.
Kurz vor Budapest verändert sich die Stimmung dann spürbar. Schon von weitem ist die riesige Basilika von Esztergom zu sehen, die hoch über der Donau aufragt. Die Stadt war über Jahrhunderte das religiöse Zentrum und sogar Hauptstadt Ungarns und die Basilika gilt bis heute als die größte Kirche des Landes. Von oben reicht der Blick weit über den Fluss bis in die Slowakei.
Wenige Kilometer später erreiche ich Nagymaros. Dort finde ich zum ersten Mal über Warmshowers, einer Plattform, über die Radreisende kostenlose Schlafplätze bei anderen Radfahrern finden können, eine Unterkunft. Marci und Vero nehmen mich herzlich auf. Ich bekomme ein eigenes Zimmer und sogar ein eigenes Bad. Nach einigen Nächten im Zelt fühlt sich das richtig luxuriös an.
Die beiden haben viele Jahre in Berlin gelebt und sprechen deshalb hervorragend Deutsch. Beim gemeinsamen Abendessen und später beim Frühstück erzählen sie von ihren Reisen, von ihrem Leben in Ungarn und geben mir viele Tipps für die nächsten Tage. Es ist eine dieser Begegnungen, die lange in Erinnerung bleiben.
Von Nagymaros aus verlasse ich schließlich die Donau. Der Fluss macht hier das sogenannte Donauknie und wird von bewaldeten Bergen eingerahmt. Eigentlich gehört dieser Abschnitt zu den schönsten entlang des gesamten Flusses. Trotzdem bin ich fast ein wenig froh, mich nun von der Donau zu verabschieden. Nach vielen flachen und oft eintönigen Kilometern sehne ich mich nach Abwechslung, nach kleineren Straßen und auch nach ein paar Höhenmetern.
Die nächsten Tage führen mich durch die Weinberge und kleinen Dörfer am Fuß des Mátra-Gebirges. Immer wieder geht es im ständigen Auf und Ab durch ruhige Landschaften und zum ersten Mal muss ich wieder etwas mehr treten und währenddessen, an Tag 17 der Reise, erreiche ich die Marke von 1.000 Kilometern seit dem Start in Glauchau.
Schließlich lasse ich das ungarische Mittelgebirge hinter mir und rolle hinaus ins Flachland. Vor mir liegt die Puszta, die große ungarische Tiefebene. Die Landschaft wirkt plötzlich weit und offen. Kilometerlang geht es schnurgerade über vollkommen flache Straßen. Nach den Hügeln zuvor komme ich schnell voran.
Ein besonderer Kontrast ist die Landschaft an der Tisza. Der zweitgrößte Fluss Ungarns durchzieht ein großes Feuchtgebiet mit Seen, Sümpfen und Auwäldern. Vor allem rund um Tiszafüred liegen zahlreiche kleine Wasserflächen und Schilfgürtel, in denen viele Vogelarten leben. Ich finde dort einen wunderschönen Platz direkt am Wasser, an dem ich mein Zelt aufschlage. Gerade als die Sonne langsam untergeht, reißt nach einem eher grauen Tag zum ersten Mal wieder die Wolkendecke auf.
Die letzten Kilometer bis zur Grenze führen erneut durch die endlose Weite der Puszta. Kurz vor Oradea überquere ich schließlich die Grenze und erreiche mit Rumänien bereits das sechste Land meiner Reise.
Wieder verändert sich die Umgebung spürbar und ich bin gespannt, was mich als Nächstes erwartet.Read more


























